„Wir sind wie eine Familie“

Voller Freude proben die Sängerinnen von Gospel&Praise unter Leitung von Wolf-Rüdiger Schreiwies für das Jubiläumskonzert am 1. Advent. Foto: v. Waldow
Voller Freude proben die Sängerinnen von Gospel&Praise unter Leitung von Wolf-Rüdiger Schreiwies für das Jubiläumskonzert am 1. Advent. Foto: v. Waldow - (Bild 1 von 1)

Zweibrücken. „Können Sie singen? Wir gründen einen Gospelchor!“ – 20 Jahre ist es her, dass der Mittelbacher Pfarrer Wolfgang Kafiz Anja Pless auf der Straße ansprach. Die Arzthelferin sang ihm „Amazing Grace“ vor und trat dem wenige Wochen zuvor aus der Taufe gehobenen Chor „Gpsoel&Praise“ bei. „Damals war Gospelsingen ja noch nicht so en Vogue, wie heute“, weiß Gründungsmitglied Anja Sonntag. Sie wohnt neben der Mittelbacher Kirche, hatte Kontakt zum Pfarrer und sang für ihr Leben gerne. Eine Familieneigenschaft, denn wenige Jahre später überzeugte sie ihre Schwester Simone Blatt, dem Chor ebenfalls beizutreten. Ziel war es, neben der Freude am Singen, auch jüngere Menschen wieder für den Gottesdienst zu begeistern und sie mit mitreißenden Liedern in die Kirche zu bewegen. In den Anfangsjahren leitete Hans-Hermann Bender den Chor. Er holte seine Schwester Connie Haller, die bis heute singt, dazu.

„Damals hatten wir auch noch Männer im Chor“, erinnern sich die Sängerinnen der ersten Stunde. Nachdem Hans-Hermann Bender ins Saarland verzog, Wolfgang Kafiz versetzt wurde und die übrigen Sänger abwanderten, ist Gospel&Praise heute ein reiner Frauenchor, der mit einigen Tenösen und einer „Bass-Dame“ sogar die tieferen Stimmlagen abdecken kann. Einem Übergangsjahr mit Stefan Schöner folgte 2011 der heutige Chorverbandspräsident Wolf-Rüdiger Schreiweis. „Er ist an Himmelfahrt 2011 eingesprungen, als wir für einen Auftritt bei einer Hochzeit dringend einen Dirigenten brauchten und geblieben“, erinnert Simone Blatt. „Das war der Glücksgriff. Es hat sofort gepasst!“, bestätigen die übrigen Sängerinnen. Seitdem ist Stabilität im Chor eingekehrt und es gab nur ab und zu vereinzelte Wechsel. Mittlerweile ist der einst mit zwölf Stimmen gestartete Chor bei 17 begeisterten Sängerinnen zwischen Mitte 30 und über 60 Jahren angelangt. Sang Gospel&Praise anfangs im Gottesdienst und in Mittelbach, bei Hochzeiten, Taufen oder besonderen Geburtstagen, ist der Gospel-Chor heute in der weiten Region gebucht. Zu nennen sind beispielsweise die Atempause samstags in der Alexanderskirche, die Himmelsbergkapelle oder ein Gastspiel in Vinningen. „Wir haben uns in den 20 Jahren und besonders in den letzten elf enorm weiter entwickelt, als Chor, aber auch einzeln in unserer Stimme und Persönlichkeit“, überlegt Anja Pless. Die ob ihrer charismatischen, röhrenden Stimme etwa in „Hevenu Shalom“ gefeierte, selbstbewusste Solo-Sängerinn erinnert sich an ihre schüchterne Anfangszeit. Dazu tragen Besuche beim Gospel-Kirchentag ebenso bei wie die beiden selbst veranstalteten Workshop-Wochenenden mit Malcolm Chambers 2017 und 2019. Dafür gründete Gospel&Praise einen Verein.

17 begeisterte Sängerinnen

Zu den musikalischen Höhepunkten zählt neben den beiden Jahreskonzerten das gemeinsame Workshop-Abschlusskonzert 2019 in der Alexanderskirche ebenso wie Auftritte im Rosengarten oder in Frankreich mit dem grenzübergreifenden Chorprojekt „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg 2018“ und der damit verbundenen deutsch-französischen Freundschaft. Die Freundschaft untereinander intensiviert sich mit jedem Chorprobenwochenende. In diesem Jahr in Speyer durfte der Chor bei der Stadtführung sogar auf dem Stadttor „Altpörtel“ über der nächtlichen Stadt singen – ein einmaliges Erlebnis, vor dem selbst Pandemieproben im Parkhochhaus verblassen. Ganz wichtig ist den Chormitgliedern ihr soziales Engagement. Da Anja Sonntag Pflegedienstleiterin im Haus Sarepta in Contwig ist, sang der Chor dort beim Hüttenzauber mit den Bewohnern. Noch emotionaler allerdings empfanden alle ihre Auftritte in der JVA, bei denen die Reaktionen der Zuhörer die eine oder andere Träne löste und das Weitersingen erschwerte. „Außerdem haben wir spontan zwei Benefizkonzerte in Frankreich gegeben, um dort Menschen in Not zu unterstützen“, zählt Simone Blatt auf. Statt eines Jahreskonzertes gingen die Sängerinnen 2020 gemeinsam Müll sammeln und pflegten so mit sozialem Engagement zugleich die Chorgemeinschaft. Besonders wichtig ist den Chormitgliedern neben dem Spaß das Gemeinschaftsgefühl im freudvollen Miteinander. Sie bestätigen einstimmig: „Wir sind eine Familie“. Für 2023 will sich der Chor auf seine eigene Weiterentwicklung etwa durch Stimmbildung konzentrieren. 2024 dann soll es wieder ein großes Projekt geben. Höhepunkt in diesem Jahr ist das Jahreskonzert „I wanna sing a new song“ am ersten Adventsonntag, 27. November, um 17 Uhr in der Alexanderskirche, das gesponsort wird durch das Förderprogramm des Bundesmusikverbands Chor & Orchester und der Sparkasse Südwestpfalz. Das Jubiläumskonzert gibt einen Dreiklang aus dem „Best-of 20 Jahre Gospel&Praise“, Adventsmusik und neuen Liedern und wird begleitet von der vierköpfigen Lieblings-Band mit Hermann Dehring (Piano), Sebastian Sommer (Bass), Andreas Dengel (Gitarre) und Simon Rupp (Percussion). Der Eintritt kostet 9, ermäßigt 7. Karten gibt es bei Schmuck-Böhme am Busbahnhof sowie bei den Chormitgliedern.

Gestaltung des Adventsfensters

Außerdem gestaltet Gospel&Praise am Mittwoch, 14. Dezember, 18 Uhr das Adventsfenster Mittelbach bei geöffneten Kirchentüren sowie den Hl. Abend-Gottesdienst und den Silvester-Gottesdienst.

Info: www.gospelandpraise.de cvw

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