Vorreiterrolle in der Region

Dennis Podratz füllt, beobachtet von Geschäftspartner Matthias Kirch und Initiatorin Tanja Neumann, die erste Suppe in die neuen, auslaufsicheren Mehrweg-Gefäße. Foto: v. Waldow
Dennis Podratz füllt, beobachtet von Geschäftspartner Matthias Kirch und Initiatorin Tanja Neumann, die erste Suppe in die neuen, auslaufsicheren Mehrweg-Gefäße. Foto: v. Waldow - (Bild 1 von 1)

Zweibrücken. Die Augen von Tanja Neumann strahlen. Stolz präsentiert die Qualitätsmanagerin im Gesundheitswesen das neue Mehrweggeschirr, in dem ab Mitte April die ersten Gastronomen in Zweibrücken und der Region ihre Speisen über die Gasse verkaufen werden. Zahllose Stunden Aufwand, jede Menge Herzblut und unermüdliche Hartnäckigkeit haben schließlich dazu geführt, dass der Kick-Off mit sechs Teilnehmern jetzt im Frühjahr realisiert werden kann.

Engagiert bei der

Bürgerinitiative ZW-vernetzt

Den Ausschlag für das Engagement gab das Essen aus der Gastronomie, das sich die fünfköpfige Familie einmal gönnte. „Es war lecker, wir hätten es noch viel mehr genossen – ohne den gigantischen Müllberg hinterher“, erinnert sich die 43-jährige Biologin. Die gesamte Familie spart und ersetzt Plastik, wo es nur geht, kauft umweltbewusst ein und ist engagiert bei der Bürgerinitiative ZW-vernetzt. So wusste Tanja Neumann auch, dass sich viele Menschen mit zwei Herzen in der Brust – einerseits die durch den erneuten Lockdown notleidende Gastronomie zu unterstützen und andererseits die Umwelt schützen – in einer Zwickmühle fühlen. „Gibt es denn da kein Mehrweg?“ Mit dieser Frage begann Tanja Neumann zu recherchieren. Und staunte: Tatsächlich gibt es bereits sechs vorwiegend junge Unternehmen, die eine Mehrweglösung für Take-Away-Food anbieten. Sie erstellte eine Tabelle, verglich unter anderem Handhabung, Behältergrößen, Optik, Abrechnungsmodi und Kosten. „Alleine hätte ich das gar nicht stemmen können, doch ZW vernetzt war sofort begeistert von dem Thema und wir haben dann im Team gewirkt, mit Karin Grgic, Kerstin Pick und Ina Stenger“, freut sie sich. City-Managerin Petra Stricker übernahm die Schnittstelle zur Stadt und schrieb die vom ZW-vernetzt-Team zusammen gestellten gastronomischen Betriebe, Bäckereien, Metzgereien mit Mittagstisch und Partyservice an. Dann begann die größte Herausforderung: Mitmacher gewinnen. Das Team rief 70 der über 100 Betriebe an. Das Quartett besuchte die Interessenten und freute sich über deren einhellige Auswahl für das Mehrweg-System der Firma Vytal. Optisch ansprechende Gefäße unterschiedlicher Größe mit sicheren Verschlüssen auch für Suppen und Soßen, eine zweigliedrige Menüschale und ein doppelwandiger Thermobecher, der keine Finger verbrennt wie eine Edelstahlalternative, werden über ein App-System einfach gescannt. Etwas, das der Gastronom selbst bei Hochbetrieb leisten kann. Wer keine kostenfreie App auf sein Handy ziehen möchte, erhält eine Karte mit dem QR-Code. „Das kostet den Gastronomen kein Geld, nur Karten-Kunden eine einmalige, vergleichsweise günstige, Pfandgebühr von 10 Euro und eine umständlich Abrechnung entfällt“, zählt Tanja Neumann weitere Vorteile auf. Die Gefäße können bei jedem beliebigen Teilnehmer zurück gegeben werden, selbst deutschlandweit. Geschieht dies nicht binnen zwei Wochen, mahnt Vytal die Kunden an und stellt notfalls das Geschirr in Rechnung. Der Gastronom bleibt unbehelligt. Mehrarbeit entsteht nicht einmal bei der Nachversorgung mit Geschirr, denn auch hierfür sorgt Vytal. „Das größte Problem für manche war die Gefäßgröße oder Gefäßkleine, je mach Betrieb“, erläutert Tanja Neumann. Sie hat bereits weitere Teilnehmer in der Pipeline, die die ersten Erfahrung abwarten wollen. Sehr viel Zeit haben sie allerdings nicht, denn laut Gesetz dürfen bis Juli 2021 keine Plastik- und Styroporverpackungen mehr benutzt werden. „Billiger als mit diesem Mehrweg-Geschirr geht es gar nicht“, weiß Tanja Neumann. Denn selbst für die Einstiegs-Teilnahmegebühr der Betriebe hat sie per Paypal-Money-Pool Sponsoren gefunden, nachdem sie durch ihr ehrenamtliches Engagement die Kosten bei Vytal bereits auf 50 Euro pro Teilnehmer halbieren konnte. Sie freut sich über das Wohlwollen der Stadtverwaltung, denn zurück lehnen will sie sich jetzt nicht. „Erstens haben wir noch zahlreiche Betriebe, die ohnehin eine Lösung finden müssen bis Juli. Zweitens ist die Spülfrage noch zu vereinfachen. Und drittens ist es so sehr mein „Baby“, dass ich das auch gerne weiterhin aktiv begleite.“ Zweibrücken ist übrigens einmal mehr Pionier-Stadt, denn ein solches Mehrweg-System gibt es bislang nirgends in der Region. Weitere Infos findet man www.zw-vernetzt.de

Das Mehrweg-Team um Tanja Neumann freut sich über Kontaktaufnahme unter Tel. (01 76) 25 51 21 18, E-Mail tanja.neumann@zw-vernetzt.de.

Teilnehmer an dem Vytal-Mehrwegsystem sind: Suppenkiste (Samstag auf dem Markt), der Word-Food-Trip-Bauwagen in der Rosengartenstraße, Victor‘s Genussladen mit Griechischer Feinkost in der Fußgängerzone, das Mehrgenerationenhaus des DRK, Restaurant „Zum Bären“ am Fasanerieberg, Landgasthof „Zum Hannes“ in Winterbach-Niederhausen. cvw

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