Vom Baumwollfeld zum Ladentisch

Die Puppe „Päckchen“ im Weltladen St. Ingbert. Foto: privat
Die Puppe „Päckchen“ im Weltladen St. Ingbert. Foto: privat - (Bild 1 von 1)

St. Ingbert. Die Puppe „Päckchen“ sagt, sie sei ja selbst ein Textil. Das ist richtig. Die Stimme gibt ihr Melanie Streibelt, Puppenspielerin und Fachreferentin für den fairen Handel. Gemeinsam mit Peter Weichardt, Fachpromotor für fairen Handel, moderierten die Drei die Online-Veranstaltung „Vom Baumwollfeld zum Ladentisch“ zur Fashion Revolution Week und vertraten die Fairtrade-Initiative Saarland. Die Literatur-, Geschichts- und Theaterwissenschaftlerin wird coronabedingt zum Glück statt in Präsenz auch für das ein oder andere Online-Projekt beauftragt.

Puppe „Päckchen“

setzt ein Zeichen

Zur Sprache kamen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, verantwortungsvoller Kleiderkauf und das Lieferkettengesetz, das Unternehmen verpflichten soll, ihre Zulieferer auf umweltschädliche und schlechte Arbeitsbedingungen zu kontrollieren, und in Haftung zu nehmen. Flankierend hierzu startete der Weltladen in der St. Ingberter Kaiserstraße eine Schaufensteraktion mit Bildertafeln, Informationsplakaten und einem Modemüllberg, den eine Kundin zur Verfügung gestellt hatte. Landrat Dr. Theophil Gallo bei seiner Begrüßung: „Ich bin den Initiatoren dankbar, dass sie mit dieser besonderen Aktion aufmerksam machen auf Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen.“

Die Fairtrade Initiative Saarland, die Fairtrade Stadt Homburg und der Fairtrade Saarpfalz-Kreis hatten Tamara Enhuber, Rita Monz, Dr. Hans Peter Schwarz, Lisa Renz und Lars Schuffenhauer als Impulsgeber eingeladen, um mit ihnen und den fast 50 Teilnehmern darüber zu diskutieren, wie man sich durch eigenes Konsumverhalten und/oder auch politisch engagieren kann.

Tamara Enhuber arbeitet als Fachpromotorin für global verantwortliches Wirtschaften für den Verein mehr Wert!. Als Soziologin hat sie etliche Jahre zu verschiedenen Formen von Zwangsarbeit in Indien geforscht und vor Ort viele Gespräche mit Menschen geführt, die unter extremsten Bedingungen von Zwangsarbeit gearbeitet und gelebt haben. Diese Begegnungen und Gesichter haben sie so nachhaltig beeindruckt, dass sie sich vor einigen Jahren entschieden hat, sich aus der Wissenschaft zu verabschieden, um dem Thema „moderne Sklaverei“ über Vorträge, Veranstaltungen und Aktionen ein breiteres Gehör zu verschaffen. „Kommunen und Landkreise spielen eine wichtige Rolle in der Erfüllung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Eine sozial und ökologisch verantwortliche Beschaffung wäre ein weiterer wirkungsvoller Beitrag, in dem auch die Wirtschaft mit ins Boot geholt werden könnte“, erklärt sie. Rita Monz, Mitglied im Diözesanvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands im Bistum Trier und Sprecherin des Arbeitskreises „Frauen stärken – Gewalt überwinden“ ist das Engagement der kfd für gerechte, gewaltfreie und nachhaltige Lebens- und Arbeitsbedingungen in der EINEN Welt wichtig. Sie stellte das Spendenprojekt „Starke Frauen. Faire Arbeit in Bangladesch. kfd für Menschenrechte in der Modeindustrie“ in Kooperation mit der Frauenrechtsorganisation FEMNET vor. „Die Pandemie hat die Situation der Frauen und ihrer Familien noch einmal verschärft. Rund drei Milliarden Aufträge aus Europa und der Welt wurden storniert oder eingefroren. Viele Arbeiter wurden entlassen oder sind gezwungen Lohnkürzungen hinzunehmen“, berichtete Monz.

Lisa Renz, Lehrerin für Deutsch, Biologie und Religion, Didaktikleiterin und stellvertretende Schulleiterin, stellte mit Lars Schuffenhauer, Lehrer für Deutsch und Physik und Leiter des Nachhaltigkeitsprojektes EWA plus die nachhaltige Schulaktivitäten wie eine Imkerei und eine Hühnerhaltung und die Entwicklung des fairen Schul-T-Shirts an der Gemeinschaftsschule Mandelbachtal-Schmelzerwald vor. Sie konstatierten: „Nachhaltige Strukturen entstehen nur durch Vorbildfunktion der Erwachsenen.“

Info: E-Mail fairtrade@saarpfalz-kreis.de, Tel. (0 68 41) 104-72 30, www.faires-saarlande. red./jj

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