Vogelstimmen auf der Spur

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Wattweiler. Trotz des Regens haben sich am Sonntag, 24. April, 14 Interessierte unter der Leitung von Vogelkundler Peter Mende auf den Weg gemacht, die Vogelwelt in und um Wattweiler zu erkunden.

Die rund fünf Kilometer lange Vogelstimmenwanderung führte die Gruppe von der Protestantischen Kirche aus durch das Dorf in Richtung Mölschbacherhof und vorbei an den umliegenden Feldern und Streuobstwiesen. Immer wieder unterbrach Vogelkundler Mende seine Ausführungen zu den heimischen Arten und bewies sein gutes Gehör für die Melodien der Flugkünstler: „Das war ein Grünspecht. Es hilft, an das Wort Glück zu denken: Glück, Glück, Glück“, erläuterte Mende und machte den Ruf des Vogels nach. An anderer Stelle schnappte er sich einen Grashalm und zeigte, wie der Schwarzspecht singt. „Jeder Vogel hat seine eigene Melodie und Stimme“, betonte Mende und ergänzte: „Vögel haben sogar Dialekte.“ So würden dieselben Arten in verschiedenen Regionen anders singen. Zu dieser Jahreszeit würden Vögel aus zwei Gründen rufen: „Zum einen rufen die Männer, um Frauen anzulocken. Und zum anderen stecken die Vögel mit ihrem Gesang ihr Revier ab.“ Im Sommer, wenn die Tiere ihre Nester gebaut und die Eier gelegt haben, werde es deutlich ruhiger.

Warum ist die Amsel schwarz?

Während der Tour griff Mende immer wieder zu seinem Vogelbuch und zeigte die optischen Merkmale der Arten, erklärte woher deren Namen stammen. „Die Mädchen sind in der Regel nicht so bunt und schön wie die Männer, damit sie beim Brüten nicht sofort entdeckt und gefressen werden“, führte Mende aus. Bereits seit rund 40 Jahren beschäftigt er sich mit der Ornithologie. Kein Wunder also, dass er einige Anekdoten parat hat. Etwa dazu, wie die Amsel Schwarz wurde: So sei die ursprünglich weiße Amsel einmal auf eine Elster getroffen und neidisch auf deren Schmuck gewesen. Auf die Frage, woher ihr Reichtum stamme, habe die Elster von einer Höhle mit zahlreichen Kostbarkeiten berichtet. Diese werde jedoch von einem Drachen bewacht. Das war der Amsel egal. Sie flog in die Höhle, hängte sich Schmuck jeglicher Art an den Körper – und wurde schließlich vom Feuer des Drachens getroffen. „Dass diese Geschichte wahr ist, erkennt man daran, dass die Amsel einen goldenen Schnabel und goldene Füße hat“, sagte Mende und lachte.

Viele Vogelarten werden seltener

Doch nicht immer war dem Vogelkundler des Naturschutzbundes bei seinen Erläuterungen zum Lachen zu Mute. „Einige Vogelarten sind nur noch sehr selten anzutreffen und vom Aussterben bedroht“, erklärte Mende. Dazu zähle etwa der Goldammer, der Feldsperling oder die Schwalbe, die früher in Wattweiler häufig zu beobachten gewesen sei. „Schuld ist vor allem der Mensch. Überall entstehen Neubaugebiete, wird die Natur zugepflastert“, gab er zu bedenken. Und in Ländern wie Zypern landeten beispielsweise nach wie vor viele Zugvögel in der Pfanne. „Verlierer sind vor allem die Spezialisten, die eine bestimmte Nahrung oder einen bestimmten Lebensraum brauchen“, so Mende. Anpassungsfähige „Generalisten“ wie der Turmfalke oder die Mönchsgrasmücke seien hingegen die Gewinner und würden vermehrt auftreten.

Statistiken belegen Mendes Botschaft

All das belegen auch die Statistiken, die Mende seit vielen Jahren während seinen Touren führt. Auch an diesem Sonntag hat er eine erfahrende Mitwandererin für Notizen gewinnen können. Am Ende sind es mehr als 30 verschiedene Arten, die die Gruppe während der Vogelstimmenwanderung zu hören bekommt. Darunter verschiedene Meisenarten, der Dichtelfink, der Spatz, der Buchfink (Mende: „Er hat einen normalen Gesang und einen Regenruf.“), die Amsel, der Turmfalke, der Buntspecht und die Lerche. Mendes Highlight an diesem Tag ist das Schwarzkehlchen. „Das ist wirklich eine Rarität“, freute er sich. Roland Loch, Vorsitzender des Obstbauvereins Wattweiler, zeigte sich beim abschließenden Frühschoppen auf dem Vereinsgelände zufrieden: „Wir sind froh, dass wir nach zwei Jahren Corona-Zwangspause die Vogelstimmenwanderung wieder durchführen konnten – und trotz des Regens einige Interessierte gekommen sind.“

 

Unser Leserreporter Andreas Attinger aus Zweibrücken

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