Vielschichtiger Blick auf Päpstin Johanna

Kulturdezernentin Christina Rauch (Mitte) gehörte zu den ersten begeisterten Besuchern. Foto: v. Waldow
Kulturdezernentin Christina Rauch (Mitte) gehörte zu den ersten begeisterten Besuchern. Foto: v. Waldow - (Bild 1 von 1)

Zweibrücken. Ja, die Päpstin Johanna ist in Zweibrücken. Dabei ist völlig zweitrangig, ob es sie faktisch gegeben hat oder sich lediglich Legenden um die Frau auf dem Papststuhl ranken, denn sie ist erwähnt auf einer bislang von der Forschung unbemerkten Handschrift aus dem 17. Jahrhundert. Verfasst wurde diese von dem evangelischen Pastor Nikolaus Langerhans aus Traben Trarbach. Und dieses wertvolle Artfakt im Landesbibliothekszentrum LBZ Bibliotheca Bipontina, Bleicherstraße, ist der Anlass, aus dem Studenten am Lehrstuhl Germanistik, Literatur und kulturelle Praxis in Saarbrücken unter Leitung ihrer Professorin Nine Miedema die Ausstellung „Die Päpstin Johanna in Zweibrücken?“ kreiert haben. Vor Ferienbeginn wurde sie eröffnet, nun kann die Ausstellung wieder ab dem 9. August besucht werden. „Sie werden enttäuscht sein, denn das Herzstück der Ausstellung völlig unscheinbar“, prophezeite Kurator Mex Biver, 27-jähriger Student aus Luxemburg, bei seiner Einführung die 40 zugelassenen Vernissage-Gäste vor. Die Faszination, die von „der Päpstin“ ausgeht, ist seit Mitte des 13. Jahrhunderts über alle Epochen hinweg ungebrochen. Zu jeder Zeit befassten sich Literaten, Wissenschaftler oder Theologen damit, wie der Zeitstrahl im Eingangsbereich der Ausstellung zeigt und mit Medienexemplaren, neben Büchern auch Filmen und Plakaten, belegt. Darunter ist auch der wohl bekannteste Roman von Donna W. Cross, der sich an der Vorlage des Dominikaners Martin von Troppau von ca. 1278 orientiert. Warum wird die Geschichte der Päpstin überhaupt erzählt? Im Mittelalter ging es wohl darum, eine Zeit zu erklären, in welcher der Papststuhl unbesetzt war, sowie die Existenz einer Ruine in Rom. Frauenfeindliche Tendenzen und Anmaßung, Einflüsterungen des Teufels mit Johanna als weiblichem Faust, Rettung durch Mutter Maria passen in diese Zeit. In der Zeit danach brach eine Konfessionsstreit aus, wie Nikolaus‘ Langerhans‘ Handschrift beweist, in der dieser 100 Jahre später die Gegenbeweise für Johannas Existenz zu 17 Argumenten im Traktat des Katholiken Georg Scherer dagegen führte. Bereits im 13. Jahrhundert enthielt die Weltchronik von Hartmann Schedel, als Fasimile in der Ausstellung zu betrachten, einen Eintrag zu Päpstin Johanna im sechsten Weltalter.

„Engel oder Teufel“

Die einzelnen Vitrinen widmen sich der Päpstin-Johanna-Legende aus verschiedenen Blickwinkeln, etwa der Frage „Engel oder Teufel“, ihren Routen durch die Straßen von Rom oder den Konfessionsstreitigkeiten zu der Existenzfrage. „Es ging uns darum, die Diversität aufzuzeigen, mit der sich quer durch die Jahrhunderte diesem Thema gewidmet wurde“, erklärt Mex Biver. Dazu zählen neben Büchern, Schriften und Gemälden auch Kartenmaterial und sogar Münzen.

Und noch etwas können Besucher in Vitrine an der Kopfseite der Ausstellung kennen lernen: die Faszination der Editionswissenschaften. Die Studentin Carolin Contomichalos beschrieb bei der Vernissage die Herausforderungen im Vorfeld und Vergrößerungen wie Erklärungen ermöglichen Besuchern, diese spannende Aufgabe nachzuvollziehen. Eine Idee der Ausstellung ist es, jemanden so zu inspirieren, dass er die Langerhans-Handschrift ediert (als heute lesbaren Text abschreibt).

Sichtlich begeistert war auch Kulturdezernentin Christine Rauch von der Ausstellung, ihrer Thematik und Zweibrückens „kulturhistorischem Leuchtturm“: „Wir können stolz sein, solche historischen Schätze in der Bibliotheca Bipontina zu beherbergen.“

Die Ausstellung „Die Päpstin Johanna in Zweibrücken?“ ist bis 15. Oktober montags bis freitags jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 15 Uhr zu bewundern. Das Studenten-Team erarbeitet zudem eine virtuelle Ausstellung. Info: Tel. (0 63 32) 16 40 3, www.lbz.rlp.de. cvw

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