UKS wird Ausbildungsdienstleister

Homburg. Das Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) hat mit dem AWO Landesverband Saarland e.V., dem Saarländischen Schwesternverband e.V. und der Knappschaftsklinikum Saar GmbH einen Pflegeverbund gegründet, der insgesamt mehreren Hundert Auszubildenden die Pflegeausbildung im Saarland ermöglicht. Hintergrund ist, dass die drei bisherigen Pflegeberufe Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege vor zwei Jahren zum 1. Januar 2020 von der generalistischen Pflegeausbildung abgelöst worden sind. Durch die Reform des Pflegeberufegesetzes wurde nicht nur ein völlig neues Berufsbild geschaffen, auch die Struktur der Pflegeausbildung hat sich grundlegend verändert. Hiervon könnten jetzt insbesondere ambulante Pflegedienste profitieren. Mit vielen ambulanten Pflegediensten hat das UKS bereits Einzelverträge abgeschlossen. „Unmittelbar nachdem das Pflegeberufegesetz im Sommer 2017 verabschiedet worden war, haben wir uns aktiv auf die Suche gemacht, unser Netzwerk auszubauen und Kooperationspartner zu finden“, erinnert sich Ulrich Wirth, der das Schulzentrum des UKS leitet. Notwendig geworden war das, weil Auszubildende in der generalistischen Pflegeausbildung lernen, Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation zu versorgen. Diese umfasst alle Lebensphasen des Menschen, also Neugeborene, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere und hochaltrige Menschen.

Zwar findet der überwiegende Teil der praktischen Ausbildung nach wie vor beim Träger der praktischen Ausbildung statt. Doch damit die angehenden Pflegefachfrauen und -fachmänner nach ihrem Examen adäquat auf alle diese unterschiedlichen Pflegebedarfe reagieren können, absolvieren sie seit 2020 gut ein Drittel ihrer praktischen Ausbildung außerhalb ihrer Ausbildungsstätte:

„Insgesamt 800 von 2500 Praxisstunden verbringen unsere Auszubildenden in stationären Einrichtungen der allgemeinen Langzeitpflege sowie in der allgemeinen ambulanten Akut- und Langzeitpflege“, sagt Patrick Bäumle, Leiter der Pflegeschule des UKS, „also in Seniorenheimen und Sozialstationen und damit außerhalb des Uniklinikums.“ Die Sozialstationseinsätze hat es auch schon vor der Generalistik gegeben, so dass das UKS hier auf Kooperationspartner im gesamten Saarland und der angrenzenden Westpfalz zurückgreifen kann, mit denen gemeinsam bereits seit vielen Jahren die pflegerische Ausbildung gestaltet wird. Lediglich Seniorenheime hätten in der praktischen Ausbildung der Vergangenheit keine Rolle gespielt, sagt Bäumle, so dass hier Einsatzplätze fehlten. Umgekehrt fehlten vielen Trägern der praktischen Ausbildung in der Altenpflege und der ambulanten Pflege Praxisplätze in der stationären Akutpflege, der pädiatrischen sowie der allgemein-, geronto-, kinder- oder jugendpsychiatrischen Versorgung. „Da das Universitätsklinikum als Maximalversorger genau diese Plätze anbieten kann, lag es nahe, Praxisplätze zu tauschen und Kooperationen einzugehen“, so Bäumle.

Praxisplatztausch

während der Ausbildung

Frank Schöpp, der die praktische Ausbildung am UKS koordiniert, ergänzt: „Wir ermöglichen vier Auszubildenden unserer Kooperationspartner jeweils einen 120-Stundeneinsatz in der Kinderklinik des UKS, im Gegenzug erhält einer unserer Auszubildenden dann seinen 400-Stunden-Einsatz in einer Senioreneinrichtung.“

Der Pflegeverbund dient auch dazu, über den persönlichen und fachlichen Austausch gemeinsam Lösungsansätze zu finden, sich Gehör zu verschaffen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Pflege im Saarland und der Westpfalz stark zu machen. Weitere Kooperationen bestehen mit der Deutsche Angestellten-Akademie GmbH am Standort St. Ingbert und maxQ. – Fachakademie Gesundheit in Saarlouis. „2021 haben wir 100 externe Auszubildende mit insgesamt rund 15 000 Stunden Einsatzzeit betreut, in 2022 werden es 125 Auszubildende mit 30 000 Stunden sein“, so Schöpp.

Ambulante Pflegedienste profitieren von der Struktur

Mit vielen ambulanten Pflegediensten hat das UKS darüber hinaus Einzelverträge abgeschlossen. Dabei gäbe es mehrere Möglichkeiten für eine Kooperation, sagt Schöpp: „In der einfachsten Variante einer Kooperation geben die Ambulanten Pflegedienste unseren Auszubildenden die Möglichkeit, den Einsatzbereich der ambulanten Kurz- und Langzeitpflege bei sich kennen zu lernen.“ Bei einer Kooperation auf Gegenseitigkeit lernten die eigenen Auszubildenden die ambulante Kurz- und Langzeitpflege kennen. Im Gegenzug erhielten die Auszubildenden des Ambulanten Pflegedienstes die Möglichkeit, die gesamte Bandbreite der akutstationären Versorgung in einem universitären Krankenhaus der Maximalversorgung kennenzulernen – inklusive der Pflichteinsätze in der Pädiatrie und der psychiatrischen Pflege.

Das UKS wird zum

Ausbildungsdienstleister

Die umfangreichste Kooperation entstünde aber, wenn der Pflegedienst seine zukünftigen Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner an der Pflegeschule des UKS ausbilden ließe, so Schöpp. Dadurch übernimmt das UKS die Gesamtverantwortung der Ausbildung, entwirft den gesamten Ausbildungseinsatzplan inklusive aller Pflichteinsätze und kümmert sich um alle ausbildungsrelevanten Themen. Ein Team aus Pflegepädagoginnen, freigestellten Praxisanleitern und – als einzige Pflegeschule im Saarland und in Rheinland-Pfalz – auch einer Schulsozialberaterin unterstützt dabei die externen Auszubildenden, die gesetzlich vorgeschriebene Praxisanleitungszeit von 10 Prozent der Einsatzzeit inklusive: „Das UKS wird dadurch zum Ausbildungsdienstleister“, so Schulzentrumsleiter Ulrich Wirth.

Kooperation mit Ökumenischer Sozialstation Thaleischweiler-Fröschen/Zweibrücken-Land

Die Kooperation zwischen dem UKS und der Ökumenischen Sozialstation Thaleischweiler-Fröschen/Zweibrücken-Land e.V. in Battweiler ist gerade besiegelt worden. Ab 1. April 2022 wird das UKS für die südwestpfälzische Sozialstation die Ausbildung übernehmen. „In den Vorgesprächen waren wir uns schnell einig, dass wir nicht nur bezüglich der Pflegeausbildung voneinander profitieren können“, sagt Peter Haase, Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation. Durch die thematische Vielfalt des Homburger Schulzentrums mit seinen zwölf verschiedenen Ausbildungsstätten für medizinische Gesundheitsfachberufe ergeben sich weitere Schnittstellen: „Die Tagespflege bietet ein exzellentes Betreuungsprogramm, welches wir unter dem Gesichtspunkt der gesunden Ernährung für ältere Menschen sehr gerne mit unseren Auszubildenden der Schule für Diätassistenz unterstützen wollen“, sagt Wirth. Oberste Maxime sei, dass die Auszubildenden Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, die zu einer adäquaten Patientenversorgung beitragen, und das sei in der Praxis einfach nachhaltiger. Auch Beratung und Prävention sollen dabei eine Rolle spielen: „Mit der Schule für Physiotherapie werden wir im Rahmen unseres Betrieblichen Gesundheitsmanagements ein Programm für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Sozialstation entwickeln“, sagt Haase. red./jj

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