Saarwellingen. Der 27. Januar steht ganz im Zeichen der Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 81 Jahren. Aus diesem Anlass fanden bundesweit Gedenkveranstaltungen statt. Auch in Saarwellingen haben das Kulturamt und Waltraud Andruet (pax christi) zu einem Gedenken vor der ehemaligen Synagoge in der Engelstraße in Saarwellingen an die Befreiung des Vernichtungslagers in Ausschwitz gedacht.
Als am 27. Januar 1945 das NS-Vernichtungslager Ausschwitz von sowjetischen Soldaten befreit wurde, ließ das, was sie dort entdeckten, damals der Welt den Atem stocken vor Abscheu und Entsetzen.
Mehr als eine Million Menschen sind allein in Ausschwitz zwischen März 1942 und November 1944 durch den beispiellosen Vernichtungswillen der Nazis ermordet worden. Auf dem Areal fanden sie 7 000 völlig entkräftete, bis aufs Skelett abgemagerte KZ-Häftlinge vor. Der größte Teil der Baracken, Gaskammern und Krematorien war im Auftrag der Täter gesprengt worden. Deshalb ist der Tag der Befreiung zum Gedenken nicht nur an die Shoa, sondern an die Millionen Opfer der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus geworden.
„Wir wollen dieser Menschen gedenken, die in den Lagern und an unzähligen anderen Orten umgebracht worden sind. Zugleich ist es notwendig, die Ursachen mit in den Blick zu nehmen, um für die Gegenwart zu lernen. Das Böse dieser Tage ist nicht weit weg. Und die Täter waren keine Monster oder Aliens, sondern Menschen wie wir, auch wenn sie monströs Böses taten,“ so Waltraud Andruet, Initiatorin der jährlichen Reinigung der Stolpersteine.
Auch hier in Saarwellingen wurden Menschen, vor allem die jüdischen Mitbürger deportiert und ermordet. Davon erzählen die 103 Stolpersteine, die in Saarwellingen verlegt wurden. Die letzten 13 Gedenk- oder Stolpersteine wurden am 19. November von Gunter Demnig verlegt, aber viele fehlen noch. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.
„Das Erstarken von rechtsextremen Parteien und Populismus soll uns ein Ansporn sein, immer wieder daran zu erinnern“, so Andruet während ihrem Gedenken. Nach dem Vortrag gab es noch eine Diskussion mit den Teilnehmern über die besorgniserregende Weltlage, bevor es an die Säuberung der Gedenksteine ging. „Ich hätte mir mehr interessierte Bürgerinnen und Bürger gewünscht“, so Waltraud Andruet. red./jb

