Richard Ringer spurtet zu Marathon-Gold

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Im Spurt zog Richard Ringer nur wenige Meter vor dem Ziel am bislang Führenden Teferi vorbei zu Gold. Foto: Lutwin Jungmann - (Bild 1 von 1)

München/Rehlingen. Zigtausende waren am Münchener Odeonsplatz aus dem Häuschen, als Richard Ringer seinen Spurt durchzog und am ersten EM-Tag der Leichtathletik völlig unerwartet die Goldmedaille im Marathon gewann. Diese Leistung, die noch kein Deutscher zuvor vollbracht hatte, sorgte auch in der kleinen Rehlinger Fangruppe für Staunen, Begeisterung und Ausgelassenheit.  „Das war gut und wichtig für die Leichtathletik, das Saarland, den SLB und den LC Rehlingen“, sagte der LCR-Vorsitzende Thomas Klein. Und Richard Ringer bedankte sich für die überschwänglichen Glückwünsche: „Danke, es freut mich, euch ein unvergessliches Erlebnis schenken zu können.“ Um den Grad der Überraschung einzuschätzen sollte man wissen, dass der Rehlinger mit seiner Rekordzeit aus dem Vorjahr (2:08:49 Stunden) in der Startliste erst an 11. Stelle geführt wurde.

Das Rennen wurde um 11.30 Uhr mit 81 Teilnehmern gestartet, die nach einer Auftaktrunde von zwei Kilometern viermal eine 10-Kilometer-Schleife durch München bewältigen mussten. Während zu Beginn die Temperatur noch bei mäßigen 20 Grad lag, heizte bald die Sonne die Stadt gewaltig auf, ganz zum Leidwesen der Marathonis.

Nach zwei Kilometern hielt sich Richard Ringer in einer großen Spitzengruppe an der Spitze auf. Aber das hatte nichts zu bedeuten. Denn nach 12 Kilometern wurde er an 22 Position gesichtet. Allerdings nur 6 Sekunden hinter der Spitze. Auch im weiteren Verlauf ginge es auf und ab. Nach 15 Kilometern erschien sein Name auf der Anzeigetafel an dritter Stelle.

Die Halbmarathon-Distanz passierte er am Ende der immer noch großen Spitzengruppe nach 1:05:18 Stunden. Bei 35 Kilometern, dem Punkt, an dem ein Marathon in die entscheidende Phase tritt, war die Führungsgruppe auf sechs Mann geschrumpft, aber immer noch mit den zwei Deutschen Richard Ringer und dem deutschen Rekordhalter Amanal Petros (TV Wattenscheid 01). Dazu zwei Israelis, ein Franzose und ein Spanier. Von 37 bis 39 Kilometer bestimmten Petros und Ringer das Tempo. Dann kam der überfallartige Angriff des Israelis Maru Teferi, der die Gruppe sprengte. Nur Petros konnte für kurze Zeit folgen, bevor er ebenfalls abreißen ließ. Richard Ringer verlor bald 50 Meter und schien die Hoffnung auf eine Medaille aufzugeben. Bei eineinhalb Kilometern vor dem Ziel spürte er aber, wie die Enteilten nach und nach an Boden verloren und führte die Verfolgergruppe allmählich wieder zusammen. Unter ohrenbetäubendem Lärm ging es durch das Siegestor auf die Leopoldstraße und auf das Ziel zu. Weit vorne Teferi, dann Petros und der zweite Israeli Gashau Ayale. Und jetzt das Ungeheuerliche: Richard Ringer wechselt in den Sprintmodus und eilt trotz aussichtslosen Rückstands mit Riesenschritten auf den Führenden zu. Noch 50 Meter. Ungläubig blickt Teferi nach rechts, wo Ringer an ihm vorbeirauscht und ihm den Sieg wegschnappt. Im Ziel wickelt sich das breite Zielband um den jubelnden Rehlinger, der genau wie alle Zuschauer kaum fassen kann, was da gerade passiert ist.

Silber mit der Marathonmannschaft

Richard Ringer hat mit seinem Sieg entscheidend dazu beigetragen, dass die deutsche Mannschaft den zweiten Platz erreichte. Auf den Mannschaftserfolg legt er sehr großen Wert. Der Teamgeist, insbesondere die Unterstützung durch Amanal Petros habe letztlich seinen Sieg möglich gemacht. Die Silbermedaille war dem Dreierteam Richard Ringer, Amanal Petros und Johannes Motschmann (SCC Berlin) zu verdanken. Die Gesamtzeit der Drei betrug 6:35:52 Stunden. Der Sieg ging an Israel mit 6:31:48 Stunden. Dritte wurden die Spanier mit 6:38:44 Stunden.

Eine Bilderserie des Marathons findet man unter folgendem Link

https://c.web.de/@334956885671150387/RgnzQs28SLCEwB97bTjzkg

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