Porträts bekannter politischer Flüchtlinge

Bei der Buchpräsentation (v. l.): Landrat Dr. Theophil Gallo, Prof. Dr. Wilhelm Kreutz und Martin Baus. Foto: Brettar
Bei der Buchpräsentation (v. l.): Landrat Dr. Theophil Gallo, Prof. Dr. Wilhelm Kreutz und Martin Baus. Foto: Brettar - (Bild 1 von 1)

Homburg. „Deutsche im politischen Exil nach dem Hambacher Fest und der Revolution von 1848/49“ lautet der Titel des 11. Bandes der „Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung“. Prof. Dr. Wilhelm Kreutz von der Universität Mannheim, Vorsitzender der Hambach-Gesellschaft, und Martin Baus, Geschäftsführer der Siebenpfeiffer-Stiftung, stellten das Werk im Beisein von Landrat Dr. Theophil Gallo vor.

Dr. Gallo: „Das Leben deutscher politischer Flüchtlinge in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in dieser ausgearbeiteten Form der Öffentlichkeit präsentieren zu können, ist sehr bedeutsam gerade auch im Hinblick auf die heutige Flüchtlingsdebatte in Deutschland sowie für die Aufarbeitung unserer Historie. Alle Exilantengruppen und ihre Exilländer finden Berücksichtigung.“ Das Buch vereint neun für den Druck überarbeitete Vorträge der gleichnamigen Tagung der Siebenpfeiffer-Stiftung, der Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und der Stadt Lahr, die unter der Regie der Siebenpfeiffer-Stiftung im September 2018 in Lahr, Siebenpfeiffers Geburtsstadt, stattfand. Thematisiert werden zum einen in exemplarischen Biographien von Jakob Venedey, Heinrich Heine und Philipp Jakob Siebenpfeiffer, die besonderen Lebensumstände der drei im schweizerischen wie französischen Exil. Die abenteuerliche Flucht Siebenpfeiffers aus dem Frankenthaler Gefängnis, die ihn nach mehrwöchigem Aufenthalt im Elsass schließlich nach Bern führte, beschreibt Martin Baus. „Sowohl von der Obrigkeit wie von der Öffentlichkeit wurde jeder Schritt Siebenpfeiffers genauestens beobachtet. Er stand permanent unter Kontrolle, hatte viele Feinde und Gegner“, skizziert der Geschäftsführer der Stiftung. Es habe fünf Jahre gedauert, bis Siebenpfeiffer in seinem Exil Anerkennung fand.

Zum anderen zeichnen überblicksartige Analysen der deutschen Exilanten im Paris der 1830er Jahre, in der Schweiz nach 1848/49, im London der 1850er Jahre sowie in den USA nach 1850 ein facettenreiches Bild der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Exilantengruppen. Ebenso deutlich treten aber auch die Ähnlichkeiten und Differenzen der aufnehmenden Gesellschaften im Umgang mit den Schutzsuchenden zutage: Sie schwankten (damals wie heute) zwischen „Willkommenskultur“ und fremdenfeindlicher Ausweisung der Exilanten, zumal nach 1850 die konservativen Mächte Österreich-Ungarn, Preußen und Russland massiven politischen Druck auf die Regierungen der Schweiz und Frankreichs ausübten. Die Mehrzahl der politischen Flüchtlinge mussten früher oder später in England und in den Vereinigten Staaten, in denen es keine Einwanderungsbeschränkungen gab, Zuflucht suchen. „Die Ausführungen machen deutlich, dass Fremdenfeindlichkeit kein aktuelles Problem darstellt, sondern auch schon vor über 150 Jahren virulent war“, betonte Prof. Dr. Wilhelm Kreutz, „und dennoch ist es nicht zu spät, Lehren daraus zu ziehen.“

Fremdenfeindlichkeit ist kein aktuelles Problem

Ein Blickfang ist das Cover mit einer Skizze eines „Hambacher Burschen“, der sich wohl mit Kellnern ein paar Münzen verdiente. Der unbekannte Zeichner hatte in einem Skizzenbuch vermutlich im Herbst 1832 in Straßburg mehrere Hambacher porträtiert, die jedoch nicht auf der großen Bühne damals standen. Das Skizzenbuch wurde vor fünf Jahren in einem Antiquariat-Handel angeboten.

„Deutsche im politischen Exil nach dem Hambacher Fest und der Revolution von 1848/49“ ist erhältlich über die Siebenpfeiffer-Stiftung sowie im Buchhandel. red./jj

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