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Mit Postkarten auf Reisen

Püttlingen. Wie können Menschen mit Demenz in der Ferienzeit gemeinsam verreisen, auch wenn eine tatsächliche Urlaubsreise nicht für alle möglich ist? Aus dieser Frage entstand beim Demenz-Verein im Köllertal e. V. eine einfache, aber wirkungsvolle Idee: eine gemeinsame Postkarten-Reise.

In den Tagesgruppen des Vereins im Köllertal und in Bucherbach werden Menschen mit Demenz tagsüber begleitet, betreut und in die Gemeinschaft eingebunden. Dabei legt der Verein besonderen Wert auf eine wertschätzende, familiäre Atmosphäre. Die teil­nehmenden Personen werden deshalb bewusst als Gäste bezeichnet.

„Niemand soll zu uns kommen, weil er das Gefühl hat, kommen zu müssen“, erklärt Marco Weber, Vorsitzender und Koordinator Demenzarbeit des Vereins. „Unsere Gäste kommen zu uns, weil sie sich wohlfühlen, Gemeinschaft erleben und gerne Teil der Gruppe sind.“

Gerade während der Sommerferien stellte sich im Team die Frage, wie das Thema Urlaub und Reisen in den Tagesgruppen aufgegriffen werden könnte. Viele Menschen verbinden mit dem Sommer ganz persönliche Erinnerungen: frühere Urlaubsreisen, Ausflüge mit der Familie, bekannte Landschaften, besondere Städte oder das erste Mal am Meer. Eine gemeinsame größere Reise mit allen Gästen wäre organisatorisch kaum umzusetzen. Deshalb entstand die Idee, die Welt auf einem anderen Weg in die Tagesgruppen zu holen. Über die sozialen Medien rief der Verein Menschen dazu auf, Postkarten aus dem Urlaub, vom eigenen Heimatort oder von einem besonderen Lieblingsplatz zu ­schicken.

Was zunächst als kleine Ferienaktion gedacht war, entwickelte schnell eine überraschende Eigendynamik. Der Aufruf wurde vielfach geteilt und erreichte Menschen weit über das Saarland hinaus. Inzwischen treffen im „Haus Lichtblick“ Postkarten aus ganz Deutschland und von weiter entfernten Orten ein. Grüße aus Marktbreit, München, Koblenz, Düsseldorf, vom Bodensee und von der Nordsee gehören bereits zur stetig wachsenden Sammlung.

Jede Karte wird in den Tagesgruppen gemeinsam angeschaut, vorgelesen und besprochen. Dabei entstehen viele Fragen und Gespräche: Wo liegt dieser Ort? War jemand schon einmal dort? Was ist auf dem Bild zu erkennen? Welche Erinnerungen sind damit verbunden? Und selbstverständlich darf auch die wichtigste Reisefrage nicht fehlen: Was kann man dort essen?

Gerade diese scheinbar einfachen Fragen können viel bewirken. Ein Ortsname, ein bekanntes Gebäude oder ein Bild vom Meer genügt manchmal, um Erinnerungen an frühere Reisen, Familienausflüge oder besondere Erlebnisse wachzurufen. Die persönlichen Grüße auf der Rückseite schaffen zusätzliche Nähe und zeigen den Gästen, dass Menschen an sie denken.

Die Postkarten werden damit weit mehr als nur schöne Bilder auf Papier. Sie schaffen Gesprächsanlässe, fördern den Austausch und ermöglichen gemeinsame kleine Reisen, ganz ohne Koffer, Stau oder Zugausfälle. Die Bahn kann bei dieser Aktion also ausnahmsweise beruhigt durchatmen.

Aufgrund der großen Resonanz soll die Postkarten-Reise keine einmalige Sommeraktion bleiben. Der Demenz-Verein freut sich weiterhin über Karten aus dem Urlaub, vom Heimatort oder von jedem anderen Platz, der eine kleine Geschichte erzählt. Besonders schön sind einige persönliche Zeilen auf der Rückseite.

Postkarten können gesendet werden an: Demenz-Verein im Köllertal e. V., „Haus Lichtblick“, Völklinger Straße 9, 66346 ­Püttlingen. red./jb

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