Männer meiden Vorsorgeuntersuchungen

Saarbrücken. Grundsätzlich gehen Männer aus Rheinland-Pfalz und Hessen eher zur Vorsorge als die Saarländer. Im Schnitt hat im Jahr 2019 noch nicht einmal jeder Fünfte die Krebsfrüherkennung beim Mann wahrgenommen. Schlusslicht bilden die Darm- und Hautkrebsvorsorge – teils weniger als fünf Prozent waren hier regelmäßig beim Check-Up.

Hautkrebsscreening und Darmkrebsvorsorge

„Die Menschen, aber gerade die Männer, sind weiter zurückhaltend und die Vorsorge bleibt auch im Vergleich zum Vorjahr auf einem sehr niedrigen Niveau,“ so der Vorstand der IKK Südwest, Prof. Dr. Jörg Loth. Besonders Wenige waren im Jahr 2019 beim Hautkrebsscreening – bei den Männern im Saarland lediglich etwa 7,2 Prozent, in Rheinland-Pfalz und Hessen sogar nur rund 4,0 Prozent aller anspruchsberechtigten männlichen Versicherten.

Ein weiteres „Sorgenkind“ ist und bleibt die Inanspruchnahme der Früherkennung von Darmkrebs. Mit 6,8 Prozent im Saarland und 6,6 Prozent in Hessen liegen die beiden Bundesländer bei den Männern unter Rheinland-Pfalz mit rund 7,3 Prozent. Frauen gehen in allen Bundesländern mit mehr als 10 Prozent etwas regelmäßiger zur Darmkrebsvorsorge. Die Krebsfrüherkennung bei der Frau hat rund jede zweite anspruchsberechtigte Frau wahrgenommen.„Es wurden während der Corona-Pandemie nicht nur wichtige Arztbesuche aufgeschoben, sondern ich gehe auch davon aus, dass noch weniger Menschen ihren gesetzlichen Anspruch auf Krebsfrüherkennung wahrgenommen haben. Ich gehe auch davon aus, dass Krebserkrankungen verspätet oder noch nicht diagnostiziert wurden“, so Loth mit Blick auf die aktuelle Situation. Zahlen hierzu liegen erst in den kommenden Monaten vor.

Schamgefühl und Corona-Angst als mögliche Ursachen

Generell gibt es aus Sicht des Präventionsexperten Loth einige Gründe, die zur niedrigen Inanspruchnahme führen: „Viele meiden generell die Untersuchungen, weil sie sich gesund fühlen und dann die Notwendigkeit einer Vorsorge nicht erkennen. Wir sehen aber auch, dass andere wiederum aus Angst vor einem negativen Untersuchungsergebnis nicht zur Vorsorge gehen. Viele wissen auch zu wenig über ihren gesetzlichen Anspruch oder empfinden die Untersuchungen als unangenehm. Während Corona spielt zusätzlich die Angst vor einer Infektion eine Rolle“, erklärt er. „Die Hygienestandards in den Arztpraxen sind sehr hoch und niemand muss sich Sorgen vor einer erhöhten Ansteckungsgefahr machen. Das gilt auch und gerade für chronisch vorerkrankte Menschen, die einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind,“ so Prof. Dr. Loth.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen Untersuchungen

Die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig bezahlt. Diese umfassen bei den Frauen ab 20 Jahre die jährliche Vorsorgeuntersuchung auf Krebs (z.B. Gebärmutterhalskrebs).

Zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung werden gesetzlich Versicherte ab 20 Jahren automatisch von der IKK Südwest eingeladen. Anspruch auf die jährliche Brustuntersuchung im Rahmen der Brustkrebsvorsorge haben gesetzlich versicherte Frauen ab 30 Jahren, hinzu kommt das Mammographie-Screening für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Das Hautkrebs-Screening übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre für Männer und Frauen ab 35 Jahren. Die Krebsfrüherkennung der Männer, also die Vorsorge auf Prostatakrebs, ist für Männer ab 45 Jahre Bestandteil der Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse.

Für Männer und Frauen ab 50 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs.

Detaillierte Informationen zu den jeweiligen Ansprüchen, auch zu den Zeitabständen zwischen den jeweiligen Untersuchungen, findet man unter www.ikk-suedwest.de.red./tt

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