Lebensmittelrettung im Bliesgau

Die beiden Foodsaverinnen (von links) Anna Herrmann und Sandra Klingler präsentieren gemeinsam mit Botschafterin Nina Burgey-Wack, der Vorsitzenden des Foodsharing-Netzwerkes Blieskastel, einen Teil einer Lebensmittel-Rettungsaktion. Foto: Degott
Die beiden Foodsaverinnen (von links) Anna Herrmann und Sandra Klingler präsentieren gemeinsam mit Botschafterin Nina Burgey-Wack, der Vorsitzenden des Foodsharing-Netzwerkes Blieskastel, einen Teil einer Lebensmittel-Rettungsaktion. Foto: Degott - (Bild 1 von 1)

Gersheim. Weltweit landen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Das entspricht dem Ertrag einer bewirtschafteten Fläche der anderhalbfachen Größe Europas. Statistisch belegt ist auch, dass deutschlandweit jährlich bis zu 20 Millionen, im Saarland 220 000 Tonnen Lebensmittel verschwendet werden. Um ein Umdenken zu einem verantwortlicheren Handeln anzustoßen, engagiert sich die Initiative Foodsharing. Sie setzt sich als Umweltbewegung gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ein, um noch genießbare Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten. Sie klärt dazu auf persönlicher Ebene auf. So auch im Bliestal. Mitgründerin der Initiative Foodsharing Blieskastel ist die Gersheimerin Nina Burgey-Wack.

Sie rief das lokale Netzwerk, das in Blieskastel und Gersheim aktiv ist, im Oktober 2020 mit ins Leben. Seither retteten die momentan knapp 50, davon 33 weibliche Ehrenamtler, sogenannte Foodsaver, in knapp 2 300 Einsätzen rund 27 000 Kilogramm noch genießbare Lebensmittel. Die Mitglieder der Initiative sind aktuell überwiegend Frauen. Mitmachen kann jeder ab 18 Jahren, in der Altersgruppe der 26 bis 41-jährigen gibt es besonders viele Aktive. Mit den Food-sharing-Nachbarbezirken in Mandelbachtal, St. Ingbert, Homburg und Zweibrücken pflegen sie einen engen Austausch, sodass monatlich insgesamt bis zu 80 Ehrenamtler beim Sortieren und Verteilen der Lebensmittel helfen.

„Wir kooperieren in Gersheim und Blieskastel mit circa 15 Betrieben, bei denen teilweise täglich Lebensmittel abgeholt und damit vor dem Müll gerettet werden,“ so Burgey-Wack. Es handele sich dabei sowohl um Supermärkte, Bäckereien oder Marktstände aber auch um Restaurants, zu denen monatlich rund 200 Mal hingefahren wird. Eng kooperiert die Organisation dabei mit der Tafel Homburg und stellt explizit keine Konkurrenz zu caritativen Einrichtungen dar. Diese Organisationen haben immer Vorrang, Foodsharing sozusagen die letzte Station vor der Mülltonne. Nachdem Blieskastel und St. Ingbert im Kreis den Status Foodsharing-Stadt erworben haben, wurde die Auszeichnung jetzt bundesweit erstmalig mit dem Saarpfalz-Kreis einem Landkreis verliehen, wovon sich die Blieskasteler Initiative einen weiteren Schub erhofft. Derzeit sei man auch in Gesprächen, Standorte für sogenannte „Fairteiler“ in Gersheim und Blieskastel zu etablieren. Ein Fairteiler ist ein Ort, zu dem alle Menschen Lebensmittel bringen und kostenlos mitnehmen können. Dies kann beispielsweise ein Schrank mit einem dazugehörigen Kühlschrank sein. Wie funktioniert Foodsharing, das seit zehn Jahren existiert und in Saarbrücken erstmals im Saarland eine Gruppe gegründet worden war?

Kooperation mit

rund 15 Betrieben

Es geht um das Prinzip: Was es zu viel gibt oder aussortiert wurde und nicht anderweitig genutzt werden kann, wird der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies kann beispielsweise Obst und Gemüse mit kleineren Macken sein, die zu viel produzierten Brötchen oder ein Joghurt, welcher um einen Tag das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat. Es gehe ihnen insbesondere um die Lebensmittelwertschätzung, betont Burgey-Wack, die unterstreicht, dass die Gemeinschaft in der praktischen Arbeit von kurzfristigen Absprachen, von Flexibilität, lebe. Jeder kann mitmachen, der sich gegen Lebensmittelverschwendung engagieren möchte. Dazu kann er sich als Foodsaver (Essensretter) bei Foodsharing Blieskastel einbringen und sich auf der Plattform www.foodsharing.de oder deren Accounts auf Facebook oder Instagram melden. Nach einer Ausbildung, die meist innerhalb von vier Wochen absolviert wird, werden die Ehrenamtler auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Ziel von Foodsharing ist es auch, Menschen zu sensibilisieren und auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Dazu werde, so Burgey-Wack, die Öffentlichkeitsarbeit in den kommenden Monaten noch weiter verstärkt. Man werde beispielsweise auch mit einem Stand auf verschiedenen Festen und Aktionstagen vertreten sein.

Damit soll das Ziel verfolgt werden, zu erreichen, dass Foodsharing gar nicht mehr notwendig werde, weil keine Lebensmittel mehr gerettet werden müssten. Auch setzt sich die Organisation dafür ein, dass Menschen wieder lernen, Lebensmittel beispielsweise durch Einkochen oder Dörren haltbar zu machen. Gerade in privaten Haushalten fallen viele Lebensmittelabfälle an, die größtenteils vermeidbar seien. Das langfristige Ziel von Foodsharing sei es, sich selbst überflüssig zu machen. „Bis dahin retten wir alles, was wir hingestellt bekommen,“ unterstreicht die Botschafterin von Foodsharing Blieskastel.

Ansprechpartnerin in Blieskastel ist die Botschafterin Nina Burgey-Wack, Tel. (01 76) 84 86 10 53, E-Mail blieskastel@foodsharing.network ott

  • Jetzt teilen:

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de