Konflikte selbstständig schlichten bevor sie eskalieren

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Marpingen. Gemeinschaftsschule Marpingen bildet zehn junge Schülermediatorinnen und – mediatoren aus. Das Zusammenleben mit anderen ist nicht immer nur von Freundlichkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt. Menschen haben auch eine andere Seite, die leicht zu Konflikten und Streitigkeiten führen kann. Diese Erfahrung macht jeder, ob in der Partnerschaft, in der Familie, selbst unter den besten Freunden und Freundinnen oder im Beruf. Auch Schule und Klassenzimmer sind da keine Ausnahme.

Damit aus den kleinen Auseinandersetzungen in der Gruppe keine größeren Konflikte erwachsen, gibt es an der Gemeinschaftsschule Marpingen die schulinterne Mediation. Bereits seit vielen Jahren schlichten ausgebildete Schülermediatoren selbstständig Streitigkeiten und Konflikte innerhalb der Klasse. Und das mit Erfolg. „Die Mediation ermöglicht es, dass die Jugendlichen selbst ihr Potential erkennen, in offener Kommunikation Probleme anzusprechen und Lösungen zu erarbeiten“, erklärt Eva Wagner, die begleitende Lehrerin. Dadurch werden nicht nur die Schülerinnen und Schüler in ihrem Selbstbewusstsein, sondern auch die Gemeinschaft gestärkt und zudem die Lehrer:innen entlastet, die sich dann auf schulische Inhalte konzentrieren könnten, so Eva Wagner weiter. Das bedeute allerdings nicht, dass die Schüler:innen alleine gelassen werden, im Gegenteil: Die Lehrer begleiten natürlich den Mediationsprozess und greifen dann ein, wenn keine Lösung untereinander gefunden werden kann. Um solche Entwicklungen zu erkennen und Hilfe von außerhalb zu holen, dafür werden die jungen Mediatoren in Marpingen in einer schuljahresbegleitenden Ausbildung geschult. Hier werden auch die Methoden der Streitschlichtung und Kommunikationsführung vermittelt und in Rollenspielen eingeübt. „Wichtiges Element ist neben der Lösungssuche“, betont Eva Wagner, „zu lernen, genau und aktiv zuzuhören.“ So kommt man dann mittels Rückfragen zum Kern des Problems. "Wir helfen den Schülern Lösungen für ihren Streit zu finden mit denen dann beide Seiten einverstanden sind. Es gibt also keine Verlierer“, erklärt Aragon Heigert, 7d.

Mitte April war es für die gegenwärtig zehn Mädchen und Jungen der Mediations-AG soweit: Sie mussten zur Abschlussprüfung antreten und ihr erworbenes theoretisches und praktischen Wissen beweisen. Alle bestanden mit Bravour und dürfen sich nun ausgebildete Schülermediatoren nennen. Schon gleich nach den Osterfreien konnte das Wissen dann in der Praxis angewandt und so mancher Streit geschlichtet werden, bevor er sich zu einem größeren Konflikt ausweiten konnte. Das ist im Kleinen das, was auch in der großen Politik Gewaltprävention genannt wird. In einem Vertrag werden die gefunden Lösungen festgehalten und nach geraumer Zeit auch überprüft. „So garantieren wir eine nachhaltige Lösung, die nicht nur einen Tag Gültigkeit hat“, erklärt Eva Wagner diesen formalen Aspekt der Mediation.

Die zehn neuen Mediatorinnen und –mediatoren der Gemeinschaftsschule Marpingen tragen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement in der Schule dazu bei, diese als friedliches und lebensfreundliches Lebensumfeld zu gestalten, mit dem klaren Blick darauf, dass Streit und Konflikte Teil des menschlichen Zusammenlebens sind, die man offen und ehrlich angehen muss, anstatt die Augen vor ihnen zu verschließen. Kathie Weber (7d) bringt es auf den Punkt: "Mediation findet meistens ohne Lehrer statt und es gibt keine Strafen. So reden die Schüler offener mit uns."

Folgende Schülerinnen und Schüler der Stufen 5-7 ergänzen nach bestandener Prüfung das Team der Schülermoderatoren/innen der Gemeinschaftsschule Marpingen: Anna Volz, Lena Spaniol, Ahmad Marzouk, Elias Staub (alle 5c), Tiago Altmann aus der 5a und Aragon Heigert, Aaron Heigert, Silas Schmidt, Kathie Weber und Lilli Wagner aus der Klasse 7d.

Unsere Leserreporterin Ute Redeker aus Marpingen

 

 

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