„Kinder kommen bei uns groß raus“

Die Kleinen der Kindertagesstätte Peppenkum mit ihrer Leiterin Sigrid Konrad (2.v.l.) und der Vorgängerin Marliese Schieber (2.v.r.) vor dem Gebäude, in dem es vor 50 Jahren mit 30 Kindern los gegangen ist. Foto: Degott
Die Kleinen der Kindertagesstätte Peppenkum mit ihrer Leiterin Sigrid Konrad (2.v.l.) und der Vorgängerin Marliese Schieber (2.v.r.) vor dem Gebäude, in dem es vor 50 Jahren mit 30 Kindern los gegangen ist. Foto: Degott - (Bild 1 von 1)

Peppenkum. Vor vier Jahren wurde die Kindertagesstätte Peppenkum mit einem großzügigen rund 650 000 Euro teuren Anbau, der auch ein Kinderrestaurant beinhaltet, erweitert. Das war die letzte große bauliche Veränderung der gemeinsam von der Stadt Blieskastel und Gemeinde Gersheim geführten kommunalen Vorschul-Einrichtung. Nach rund neunmonatiger Bauzeit empfingen die Kinder ihre Gäste bei der Einweihungsfeier mit dem deutsch-französischen Lied „Si tu as de la joie au coeur“ und „Wir sind die Kinder einer Welt“.

Vor 50 Jahren, am 11. November 1971, hatte der damalige Amts-Kindergarten mit einer Gruppe seinen Betrieb aufgenommen. Kurz zuvor war dem 1956 erbauten Schulhaus durch die Saarländischen Schulreform seine ursprüngliche Funktion entzogen worden. Es stand leer. Dies sollte aber nicht lange andauern. Der damalige Rat des Amtes Medelsheim beauftragte Bürgermeister Eduard Vogelgesang, die notwendigen Umbauarbeiten in die Wege zu leiten. Der einzige Klassenraum war zu einem Gruppenraum umfunktioniert worden. Aus dem ehemaligen Lehrerzimmer wurden ein Büro, eine Küche und ein kleiner Förderraum. Eingezogen waren damals 30 Kinder aus den Dörfern Medelsheim, Peppenkum, Riesweiler, Seyweiler und Utweiler. Eingestellt wurden dann auch die Kindergartenhelferin Gisela Rößler (Rabung) aus Medelsheim und als Leiterin die in Biesingen wohnende und aus Medelsheim stammende Annemarie Conrath. Der Kindergartenbeitrag wurde für das erste Kind auf 30 und für jedes weitere Kind auf 15 DM festgelegt.

Mit der provisorischen Erweiterung, sechs Jahre später, wurde ein weiterer Gruppenraum geschaffen, auch vereinbarten sich die beiden Nachbarkommunen für ihre Dörfer im Bickenalbtal die Kita gemeinsam zu betreiben. So kamen die Kleinen aus Altheim, Böckweiler, Brenschelbach und Pinningen, das damals noch Neualtheim hieß, dazu. Seit 1984 nutzen Eltern von über 100 Kindern das Angebot, zu dem sich auch ein Ganztagsangebot gesellte.

Förderpreis des World Wildlife Founds (WWF) im Jahr 1991

1991 wurde er als erste saarländische vorschulische Einrichtung mit dem Förderpreis des World Wildlife Founds (WWF) im Wettbewerb „Jugend schützt Natur“ ausgezeichnet. Bei der Ausbaumaßnahme 1994/95 erhielt der Kindergarten die Umwidmung zur Kindertagesstätte. Hortplätze wurden später bei der Grundschule Medelsheim-Altheim zu Plätzen der Freiwilligen Ganztagsschule. Heute ist Platz für 16 Krippen-, 60 Tages- und 25 Regelplätze. Die Kinder werden von 13 Erzieherinnen, fünf Kinderpflegerinnen und zwei Auszubildenden betreut, zu denen sich noch jeweils eine Französisch- und eine Hauswirtschaftskraft gesellt. „Kinder kommen bei uns groß raus“, lautet das Motto und ist in der Konzeption fest verankert. Nach Conrath wurde die Peppenkumerin Marliese Schieber nach den Sommerferien im Jahr 1977 Leiterin und seit 2004 führt ihre Tochter Sigrid Konrad, unterstützt seit 2017 von der Stellvertreterin Marliese Weinmann die Kita.

Ob in den Gruppen der Drachen, Eulen, Hexen, Seeräuber oder Zauberer, allen Kindern wird in den von Wiesen und Feldern umgebenen und idyllisch an einem Bachlauf gelegenen Gebäude vielfältige Erlebnis- und Bewegungsmöglichkeiten geboten. Hier kann Natur erlebt, erspürt, gerochen und geschmeckt, gehört und gesehen, aber auch erklettert und erkundet werden. Auch ist die Sprachentwicklung ein Herzensanliegen, es werden vielfältige Sprachanreize geboten, jedes Kind motiviert im Alltag zu reden, zu erzählen, Fragen zu stellen. Seit 1988 ist französische Sprachvermittlung in unterschiedlichen Modellen zu einem zentralen Pädagogikbaustein in die tägliche Gruppenarbeit integriert. Unterstützt wird die Kita von einem aktiven Förderverein, der durch Aktivitäten auch schon erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellt und somit das pädagogische Angebot verbessern konnte. Wegen der anhaltenden CPandemie musste das geplante Fest zum „goldenen“ Jubiläum ausfallen. Im kommenden Jahr soll der „runde“ Geburtstag während des Sommerfestes ausgiebig gefeiert werden. ott

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