Hohe Preise, geringe Verfügbarkeit

Jochen Gries, Ortsvorsteher Roland Weber, Oberbürgermeister Ulli Meyer, Sebastian Baus und Förster Michael Weber (von links) vor dem Holzpolder, der demnächst ins Sägewerk nach Lambsborn transportiert wird. Foto: Bastuck
Jochen Gries, Ortsvorsteher Roland Weber, Oberbürgermeister Ulli Meyer, Sebastian Baus und Förster Michael Weber (von links) vor dem Holzpolder, der demnächst ins Sägewerk nach Lambsborn transportiert wird. Foto: Bastuck - (Bild 1 von 1)

St. Ingbert. Scharf bläst der Wind auf der höchsten Stelle des Kahlenbergs und dringt in jede Ritze der warmen Jacke. Im strahlenden Sonnenschein rascheln die letzten bunten Blätter auf den Bäumen und der Duft des Herbstwaldes weht durch den Wald. Ein romantisches Bild, wüsste man nicht, dass der Wald mit seinen Bäumen ein Wirtschaftsgut ist, dass derzeit sehr knapp ist. Holz – und vor allem Bauholz – ist sehr teuer geworden. „Aber die größten Sorgen machen uns die langen Lieferzeiten“, erklärt Dachdeckermeister Jochen Gries. Seit geraumer Zeit soll vorrangig sogenanntes zertifiziertes „Konstruktionsvollholz“ (KVH-Holz) für bestimmte Bauzwecke verwendet werden, glatt gehobeltes und getrocknetes Holz ohne Astlöcher, das sehr stabil ist. „Aber die kleinen Sägewerke wie unseres können dieses Holz nicht schneiden“, klagt Sägewerkbesitzer Sebastian Baus aus Lambsborn. Sein Unternehmen, das im Familienbesitz vom Urgroßvater als Wagnerei betrieben wurde, dann zur Zimmerei wurde und heute ein modernes Sägewerk ist, bekommt nicht genügend Holz, da dies meist an die großen Sägewerke oder ins Ausland verkauft wird. Damit ist der Preis für Holz zum Jahresanfang extrem gestiegen, wobei der Mehrwert nicht bei den Holzbesitzern, Holztransporteuren, Sägewerken und Handwerkern ankommt. Doch die Nachfrage der Handwerker, die auch Schnittholz verwerten können, ist groß. Schnittholz ist ebenfalls ein hochwertiges Baumaterial, das z. B. in der Zimmerei und beim Dachbau eingesetzt wird.

Kooperation zwischen

Sägewerken und Stadt

Obwohl sich die Preise für Holz seit dem Sommer wieder etwas erholt haben, besteht nach wie vor ein großer Handlungsbedarf, um die örtlichen Handwerker, Baubetriebe und Bauherren mit Baumaterial zu versorgen. Die Stadt St. Ingbert hat sich vor einigen Monaten mit allen Betroffenen zu einem „Holzgipfel“ getroffen, um die Lage zu erörtern und Lösungen zu erarbeiten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach einigem Suchen hat sich das Sägewerk Baus zu einer Kooperation mit der Stadt bereiterklärt. Es übernimmt in „Kommission“ 25 Festmeter Holz aus dem St. Ingberter Stadtwald.

„Das Holz stammt von Fichten, die im Sommer stark vom Borkenkäfer befallen waren und daher schnellstens geerntet werden mussten, jedoch noch eine hohe Qualität als Bauholz aufweisen. Für diese Idee mussten also keine Bäume gefällt werden“, erklärt Förster Michael Weber. Das Holzkontingent steht den St. Ingberter Unternehmen im Sägewerk Baus zum Kauf zur Verfügung. Sie können ihren Bedarf anmelden und Schnittholz zu stabilen Preisen abrufen. „Wir sorgen für eine stabile Versorgung mit heimischem Holz, das nicht ins Ausland exportiert wird. Damit möchten wir Architekten und Bauherren dafür sensibilisieren, Holz aus der Region zu nutzen“, bestätigt Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer.

Hackschnitzel für

Biomasse-Heizkraftwerk

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil, wie Melanie Fritsch vom Geschäftsbereich Wirtschaft der Stadt erklärt: „Der Abfall der Sägerei, also die Hackschnitzel, ist vorgesiebt und hat genau die passende Größe für unser Biomasse-Heizkraftwerk.“ Die Hackschnitzel kehren also wieder nach St. Ingbert zurück, um im Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk der Biosphären Stadtwerke St. Ingbert auf dem Drahtwerke Nord Areal verbrannt zu werden. Über dieses Heizkraftwerk wird das DNA-Gelände effizient mit Wärme versorgt. Außerdem sind das Rathaus, die Ingobertushalle, die Stadthalle, die Feuerwehr und die Albertus-Magnus-Schulen über eine Fernwärmeleitung angeschlossen. So schließt sich der Wertstoffkreislauf. red./jj

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