„Höfliche Hartnäckigkeit hilft“

Harald Gregorius (rechts) erläuterte sein Projekt „Hier entsteht der sauberste Parkplatz Deutschlands“ und überließ es den Kindern der Kita St. Franziskus, ihre bunt bemalte Tonne „Emil“ aufzustellen.
Harald Gregorius (rechts) erläuterte sein Projekt „Hier entsteht der sauberste Parkplatz Deutschlands“ und überließ es den Kindern der Kita St. Franziskus, ihre bunt bemalte Tonne „Emil“ aufzustellen. - (Bild 1 von 1)

St. Ingbert. Alle Parkplätze in und um St. Ingbert zu kennen, wäre schwierig. Die im gesamten Saarland – vermessen. Nun kommt einer daher und behauptet: „Hier entsteht der sauberste Parkplatz Deutschlands“, ausgerechnet in St. Ingbert, am Sengscheider Mitfahrerparkplatz. Ein Größenwahnsinniger? Bei genauerem Hinsehen und nach einem informativen Treffen mit Vertretern der Stadt, weiteren interessierten Personen und einer Kindergruppe der Kita St. Franziskus vor Ort keineswegs. Die Sache hat Hand und Fuß.

„Der sauberste Parkplatz Deutschlands“

Harald F. Gregorius heißt der Akteur. Wie er erzählte, las er im April vergangenen Jahres einen Bericht, der in drastischer Weise die Zustände an besagtem Parkplatz schilderte. Zuvor habe der Ortsrat St. Ingbert-Mitte bereits beschlossen, diesen Bereich an einem der Einfallstore nach St. Ingbert in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. Doch der liegt nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Aufgewühlt ob so viel Gedankenlosigkeit einzelner Menschen machte sich einige Tage später Harald Gregorius mit Greifzange und Mülltüten an die Arbeit. Nach zwei Stunden waren zwei Abfallsäcke randvoll mit achtlos weggeworfenen Papiertaschentüchern, Flaschen, Plastikbecher, Coronamasken, Essensabfällen, Zigarettenkippen und vieles anderem, was auf die Anwesenheit „geistesabwesender Müllinkontinenten“, wie sie Gregorius nannte, hinwies. Der Platz war sauber, der Sammler zufrieden. Gleichzeitig war ihm jedoch bewusst, dass es nicht so bleiben würde. Es folgen bis jetzt 16 weitere Müllsammlungen mit zwei Zentnern Abfall und über 3 500 Zigarettenkippen.

Zwei Zentner Abfall und

3 500 Zigarettenkippen

Zum Sisyphos in Sachen Wohlstandsmüll wollte er sich jedoch nicht machen. So entwickelte er das Projekt mit dem etwas größenwahnsinnig anmutenden Titel „Hier entsteht Deutschlands sauberster Parkplatz. Machen Sie mit“! So auch zu lesen auf einem grellgelben Banner neben dem P+R-Platz, kreiert vom St. Ingberter Künstler Martin Fischer. Auf der Suche nach Unterstützern für seine Idee stieß er bei der Stadt, bei Christoph Anstadt, Leiter des Baubetriebshofes, bei Thomas Diederichs, Leiter der Straßenverkehrsbehörde sowie bei der Stabsstelle Kommunikation und Vereine auf offene Ohren. Sogar die Kinder der Kita St. Franziskus begeisterten sich dafür und bemalten eine Mülltonne mit bunten Farben. „Emil“ wurde sie getauft und jetzt am Rastplatz feierlich auf einem von der Stadt hergerichteten Fundament aufgestellt, um damit die Bürger einzuladen, nach einer Rast ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.

Auch Ortsvorsteherin Irene Kaiser äußerte die Hoffnung, dass sich das Verhalten der Rastenden ändert und die Strahlkraft des angestoßenen Projektes von Harald Gregorius weit über St. Ingbert hinaus wirkt. Als Beigeordneter überbrachte Albrecht Hauck den Dank der Stadt. Für Gerda Schaal, von den Brunnenfreunden St. Ingbert, ist Harald Gregorius kein Unbekannter. Schon öfters sei er als engagierter Umweltschützer in Erscheinung getreten.

„Höfliche Hartnäckigkeit hilft“, die drei H, wendet Harald Gregorius an, wenn er Personen auf dem Rastplatz anspricht, Rauchenden einen „Taschenaschenbecher“ überreicht und sie auf ihr Fehlverhalten anspricht. Er treffe dabei auf viel Verständnis und höre die Zusicherung, Verhaltensweisen zu ändern. Und schon entwickelt der Sammler neue Ideen: Künstler gewinnen, die weitere Mülltonnen vor dem Aufstellen bemalen oder eine LED-Beleuchtung der Tonnen für Nachtschwärmer. all

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