Haus Sonne steht vor großen Aufgaben

Die beiden Interims-Geschäftsführer Holger Wilms (links) und Michael Immig stehen vor großen Aufgaben bei Haus Sonne in Walsheim. Foto: Degott
Die beiden Interims-Geschäftsführer Holger Wilms (links) und Michael Immig stehen vor großen Aufgaben bei Haus Sonne in Walsheim. Foto: Degott - (Bild 1 von 1)

Walsheim. Im Herbst schreckten Nachrichten die Menschen im Bliestal auf. Dabei ging um angebliche Missstände in einem Wohnheim in der Behinderteneinrichtung Haus Sonne, die in anonymen Briefen beschrieben wurden. Auch die drei Gesellschafter Lebenshilfe Obere Saar, Lebenshilfe Saarpfalz, sowie der Paritätische Wohlfahrtsverband im Saarland, die seit 2017 in die Nachfolge des insolventen Trägervereins gegangen sind, haben intensiv darüber beraten, wie man mit der im anthroposophisch geprägten heilpädagogischen Institut entstandenen Situation begegnen soll. Die Entscheidung lautete, in der Unternehmensführung eine Veränderung herbeizuführen. Konkret hieß das, die bisherigen Geschäftsführer Vinzenz Engelbert Mayer und Bernd Andre wurden von ihren Aufgaben freigestellt.

Bisherige Geschäftsführer von ihren Aufgaben freigestellt

An ihre Stelle rückten zum Jahresbeginn interimsweise das Duo Michael Immig und Holger Willms. Beide haben seit Jahren Kontakt mit der Behinderteneinrichtung. So war der gebürtige Rheinländer und seit vielen Jahren in Baden-Württemberg lebende 54-jährige Wilms schon in der Insolvenzphase zeitweise in Walsheim und hat damals gemeinsam mit den Beschäftigten gearbeitet. Danach ist er vom Paritätischen in die Gesellschafterversammlung berufen worden. Er wurde in deutschen und US-amerikanischen anthroposophischen Dorfgemeinschaften zum Sozialtherapeuten ausgebildet, bevor er sich dem auch dem Journalismus zuwandte, beim WDR und g Zeitungen arbeitete. Es folgte ein Jahrzehnt lang bis vor drei Jahren die Leitung der anthroposophischen Dorfgemeinschaft Tennental im Landkreis Böblingen. Dabei handelt es sich um eine ähnliche Einrichtung wie Haus Sonne. Derzeit ist der Heilerziehungspfleger und Sozialterapeut Vorstandsmitglied von des Anthropoi Bundesverbandes und Sprecher der Region Baden-Württemberg. Zudem ist er Sprecher des Fachbereichs „Menschen mit Behinderung“ sowie Aufsichtsratsmitglied des dortigen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er pendelt zwischen seinen beiden „Einsatzstellen“ und seinem Wohnort. Sein Pendant, Michael Immig, ist im Bliestal kein Unbekannter. Der 63-Jährige war 30 Jahre Geschäftsführer der Lebenshilfe Saarpfalz. Sie hat sich unter seiner Ägide zu einem interdisziplinär agierenden Anbieter verschiedener Leistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen aber auch zu einem verlässlichen Arbeitgeber entwickelt. Waren es bei seinem Antritt 70 Mitarbeiter, so zählte die Lebenshilfe mit ihren Untergliederungen am Ende knapp 600 Mitarbeiter. Immig gehört unter anderem der Rahmenvertragskommission des Saarlandes sowie den Landesarbeitsgemeinschaften Wohnstätten und Werkstätten an. Zielsetzung der Maßnahme eine neue Geschäftsführung zu installieren sei es gewesen, so Immig, das Haus Sonne über den Jahreswechsel hinweg handlungsfähig zu erhalten.

Beide glauben, dass es der erforderliche Schritt gewesen sei, um der Einrichtung eine neue Chance zu geben, einen neuen Anfang zu wagen. „Für uns beide ist es wichtig das verloren gegangene Vertrauen in die Neue Haus Sonne GmbH zurückzugewinnen und zu versuchen es nachhaltig zu stärken,“ so die neuen Geschäftsführer. Sie erinnerten daran, dass vor Jahren die Existenzfrage der Einrichtung im Raum gestanden habe, dass sogar die Insolvenz des mit rund 220 Mitarbeiter Gersheims größtem Arbeitgeber drohte. Diese konnte jedoch unter anderem damit abgewendet werden, nachdem die neuen Gesellschafter mit Krediten gebürgt und Gesellschaftskapital beigesteuert hatten. Danach konnte auch das schon begonnene Sanierungskonzept fortgesetzt werden. Sowohl Wilms als auch Immig wiesen darauf hin, dass auch der damals erfolgte Leitungswechsel mit dem heutigen in keinster Weise vergleichbar gewesen sei. Die beiden bisherigen „Lenker“ hätten als „Sanierer“ und „Umstrukturierer“ arbeiten müssen. Sie mussten bei ihrer Kärrnerarbeit oftmals eingefahrene Wege verlassen. Das habe zum einen zu Reibungsverlusten geführt, zum anderen das soziale Miteinander beansprucht, darüber hinaus Stress ausgelöst und fünf Jahre belastet. Insbesondere die „Herkulesaufgabe“ Umsetzung der Auflagen eines modernen Brandschutzes, die mittlerweile umgesetzt werden konnten, erforderte Eingriffe in „den Bestand“ sowohl im Bürotrakt als auch bei den Wohnstätten für Kinder und Jugendlichen. Nachdem Beschwerden sowohl von Mitarbeitern als auch Eltern laut geworden waren, rückte zudem auch die Emotionalität in den Vordergrund. Jetzt gelte es in der Übergangsphase, in der mit Hochdruck an einer Nachfolgelösung zu arbeiten. Mittlerweile ist die Geschäftsführungs-Stelle ausgeschrieben. Für Immig und Wilms gelte es die laufenden Geschäfte zu sichern und sich den aktuellen Problemlösungen zu stellen. Neben der Sanierung der vierten Gruppe in den Kinder- und Jugendwohngruppen, die in wenigen Wochen abgeschlossen sein wird, wurde die Diskussion zum Bau einer neuen Kindertagesstätte, wobei am integrativen und waldorfpädagogischen Charakter festgehalten werde, wieder aufgenommen. Nach umfangreichen Bodenbelagsarbeiten werde die Käserei im Neukahlenberger Hof, die seit Dezember geschlossen sei, bald wieder ihren Betrieb aufnehmen. In die Hände der neuen Geschäftsleitung werde jedoch Planung und Bau einer neuen Förderschule gelegt, wofür seitens des Landes schon Mittel bereitstünden. Derzeit existierten keine so gravierenden zeitlichen Zwänge, „die es notwendig machen, in der Interimsphase bei diesem Thema der nachfolgenden Geschäftsführung vorweg zu greifen,“ so Wilms. Er wies darauf hin, dass es der künftigen Geschäftsleitung obliege die Priorisierung der anstehenden Maßnahme vorzunehmen. ott

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