„Gurs 1940“

Zweibrücken. „Gurs 1940 – Die Deportation und Ermordung von südwestdeutschen Jüdinnen und Juden lautet der Titel einer Sonderausstellung im Stadtmuseum, die vom 9. April bis zum 29. Mai in der Herzogstraße 9-11 zu sehen sein wird.

Die Ausstellung der Länder Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Saarland, erarbeitet und kuratiert von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Berlin, in Kooperation mit dem Bezirksverband Pfalz, steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier.

Am frühen Morgen des 22. Oktober 1940, dem jüdischen Laubhüttenfest, wurden rund 6 500 Menschen fast ausschließlich jüdischer Abstammung aus der Pfalz, Baden und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in Südwestfrankreich deportiert, darunter 16 zu diesem Zeitpunkt noch in Zweibrücken lebende Juden. Gauleiter Josef Bürckel meldete stolz seinen Gau als „judenfrei“. Auch für Zweibrücken war es der Endpunkt seiner jüdischen Geschichte. Bereits während des Transports starben einige der Deportierten, viele danach im Lager, in dem katastrophale Zustände herrschten: Hunger und Kälte, Ratten und Ungeziefer, unerträgliche hygienische Zustände und die schier ungeheuren Schlammmassen machten den Insassen das Leben schwer. Fast die Hälfte der Deportierten wurde später in die Vernichtungslager der Nazis im Osten gebracht und ermordet. Durch den Einsatz internationaler Organisationen und des französischen Widerstandes überlebten einige, vor allem Kinder, den Terror. Nur ganz wenige der Deportierten kehrten in die Pfalz zurück. Die Deportation der Juden wurde von der nichtjüdischen Bevölkerung wahrgenommen. Das jüdische Vermögen wurde unmittelbar nach der Deportation den Oberbürgermeistern bzw. Landräten zur treuhänderischen Verwaltung übergeben, das bewegliche Vermögen dann öffentlich versteigert. Etwas später durfte auch der jüdische Grundbesitz verkauft werden. Mit dem Erinnern an „Gurs 1940“ geht eine Aufgabe einher: für unsere demokratische Grundordnung einzutreten, um in Zukunft in Freiheit zu leben, in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung unserer Verschiedenheit.

Die Wanderausstellung wurde von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Berlin erarbeitet und kuratiert. Produziert wurde sie vom Bezirksverband Pfalz.

„Jugendliche führen

Jugendliche“

Für Schulklassen bietet die Ausstellung im Stadtmuseum Zweibrücken das erfolgreiche pädagogische Konzept „Jugendliche führen Jugendliche“ an. In einem zweitägigen Vorbereitungsseminar unter der Leitung von Roland Paul, dem Leiter der Arbeitsstelle für jüdische Geschichte in der Pfalz, werden 24 Schüler aus Zweibrücken zu „peer-guides“ ausgebildet. Sie erhalten die Befähigung, ihre Mitschüler durch die Ausstellung zu führen. Reguläre Führungen durch die Ausstellung sind nach Voranmeldung möglich. Info: www.zweibruecken.de/museum red./jj

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