Gemeinsam für gesunde Ernährung

Seit 2022 führen Sabrina und Michael Böhler ihren Biolandhof mit einer unglaublichen Sortenvielfalt im Vollerwerb. Foto: v. Waldow
Seit 2022 führen Sabrina und Michael Böhler ihren Biolandhof mit einer unglaublichen Sortenvielfalt im Vollerwerb. Foto: v. Waldow - (Bild 1 von 1)

Contwig. Kleiner Hof – große Ideen. Unter diesem Motto haben sich Sabrina und Michael Böhler vor drei Jahren entschieden, ihren landwirtschaftlichen Betrieb in Contwig auf das Konzept einer Solawi, einer Solidarischen Landwirtschaft umzustellen. Das Konzept ist einfach: Der Hof versorgt eine Gruppe von Menschen in der näheren Umgebung mit Lebensmitteln. Diese Gruppe stellt die dafür notwendigen Mittel durch feste monatliche Beiträge zur Verfügung. So entsteht eine neue Form des Miteinanders das hilft, die regionale Landwirtschaft zu erhalten und regelmäßig Bio-Gemüse aus der Region zu genießen. Unabhängig von schwankenden Marktpreisen erhalten die Landwirte Planungssicherheit, können verantwortungsvoll arbeiten und die Bedürfnisse von Menschen, Tieren, Pflanzen und Boden gleichermaßen achten. Sabrina Böhler betont: „Die Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten so ihren Wert zurück.“ Mittlerweile kann der Bärentalerhof 79 Familien versorgen. Viele sind von Anfang an dabei und Freundschaften sind entstanden, doch auch Neue kommen jedes Jahr hinzu.

79 Familien werden versorgt

Deshalb lädt das Ehepaar an drei Wochenenden im Februar zu einem Kennenlern-Rundgang auf dem Hof ein. Das Solawijahr beginnt dann im Mai. Die von den Mitmachern finanzierte Ernte des Hofes wird unter den Mitgliedern gleichmäßig und gerecht verteilt. Auf rund einem Hektar Land sowie in drei Folientunneln und Frühbeeten gedeihen rund 40 verschiedene Kulturen. Im Freiland wachsen bekannte Gemüsesorten von Karotten, Pastinaken, verschiedene Kohlsorten, verschiedene Salatsorten, Mangold, Gurken, Zucchini, Kürbisse, Zwiebeln, Rettiche, Buschbohnen, Rote und gelbe Bete, Sellerie, bis hin zu Gemüse, was teilweise in Vergessenheit geraten ist oder weniger bekannt war, wie etwa Steckrüben oder Blattstielgemüse. In den Folientunneln wachsen über Sommer verschiedene Sorten von Tomaten, Auberginen und Paprika, Basilikum und Peperonis. Im Winter dann verschiedene Salate, Postelein und Spinat. Im Übergang zum Freiland gibt es Fenchel, Kohlrabi und Saatgemüse wie Radieschen und Stielmus. Auf dem Ackerland werden verschiedene Kartoffelsorten angebaut. „Unsere Mitmacher können die einzelnen Schritte unserer bäuerlichen Arbeit mit erleben und in Teilen auch selbst aktiv mitarbeiten. Immer unter dem Motto ‚Alles kann, nichts muss‘“, beschreibt Michael Böhler. Für das Ehepaar, das sich Dank der finanziellen Sicherheit über die Solawi seit einem Jahr im Vollerwerb der Landwirtschaft auf dem Bärentalerhof am Ortsausgang von Contwig widmen kann, bedeutet diese Gemeinschaft eine Rückkehr zur Natur.

Rückkehr zur Natur

Die Mitmacher können erfahren, wie ihre Lebensmittel herangezogen werden, Über- oder Fehlproduktion wird vermieden. Auf diese Weise teilen sich die Landwirte und die Mitglieder die Verantwortung für den Hof und sichern dessen Bestehen. Damit tragen sie dazu bei, eine vielfältige kleinbäuerliche und regionale Landwirtschaft zu erhalten. Da der Bärentalerhof zu Bioland gehört, können sich die Mitmacher von gesunden Bio-Gemüse frei von Pestiziden ernähren und somit ihrer Gesundheit und der ihrer Familien etwas Gutes tun, ebenso, die der Natur und der Erde. Zurück zu den Wurzeln führt damit in eine Unabhängigkeit von weltweiten Lieferketten, denn auch die Jungpflanzen und das samenfeste Saatgut von zum Teil alten, ursprünglichen Sorten stammt von Biohöfen der weiteren Umgebung aus Samen. Stolz erklärt Michael Böhler, der die seit 1700 bestehende Familientradition fortführt: „Wir düngen unser Gemüse ausschließlich mit Mist von unseren eigenen Tieren.“ Diese wiederum werden vorzugsweise mit selbst angebauten Futter ernährt. Ein natürlicher Kreislauf entsteht. Neben 24 Tieren in der Fleckvieh-Mutterkuh-Herde mit Kälbern und aktuell einer Stute leben auf dem Hof die beiden Schafe Emma und Gretchen, die als Hühnerwächter den Habicht abwehren.

Weit über 100 Hühner legen täglich frische Bio-Eier, die über den Anteil der Solawi hinaus über einen Vertrauenskühlschrank vor dem Hof verkauft werden.

Termine für die Rundgänge: Jeweils Samstag um 15 Uhr am 11., 18. und 25. Februar sowie jeweils Sonntag um 11 oder um 14 Uhr am 12, 19. und 26. Februar. Anmeldung entweder über das Kontaktformular auf der Homepage www.solawi-baerental.de oder per Tel. unter (01 76) 34 99 05 97. cvw

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