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Erinnerungskultur lebendig halten

Bildunterschrift: Im Vorfeld der beiden Gedenkveranstaltung in Merzig und Brotdorf wurden in der Merziger Innenstadt Stolpersteine gereinigt.
 Foto: Kreisstadt Merzig / Timo Stockart
Im Vorfeld der beiden Gedenkveranstaltung in Merzig und Brotdorf wurden in der Merziger Innenstadt Stolpersteine gereinigt. Foto: Kreisstadt Merzig / Timo Stockart - (Bild 1 von 1)

Merzig. In den Stadtteilen Merzig und Brotdorf fanden dieser Tage Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht statt. Anlass war das Gedenken an die Novemberpogrome 1938 und an die Opfer von Hass, Gewalt und Antisemitismus.

In Merzig versammelten sich Vertreter der Kommunalpolitik, Religionsgemeinschaften, Schulen und der Zivilgesellschaft, um der schrecklichen Ereignisse vor mehr als acht Jahrzehnten zu erinnern.

Durch Kranzniederlegungen an den Gedenksteinen in der Kernstadt und Brotdorf sowie Gebeten, Musikbeiträgen und Vorträgen, wurde den Menschen gedacht, die durch den Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Die Würdigung erfolgte im feierlichen Rahmen und kurzen Ansprachen, die das Gedenken in den gegenwärtigen Kontext stellten. Antisemitismus darf keinen Raum bekommen und die Werte Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit müssen jeden Tag neu verteidigt werden.

Engagement für ein ­friedliches Miteinander

Oberbürgermeister Hoffeld zeigte sich dankbar darüber, dass - wie in den Vorjahren – auch in diesem Jahr Merziger Schulen mit zahlreichen Schülern an der Veranstaltung teilnahmen und damit ihr Engagement für ein friedliches Miteinander unter Beweis stellten.

Er hob die Teilnahme der Klassenstufe 8 des Peter-Wust-Gymnasiums einschließlich der Lehrkräfte Frau Bresser und Frau Olschewski sowie des Schulleiters Andreas Brust hervor, ebenso wie die Beteiligung des Ober­stufengymnasiums der Jean-­Francois-Boch-Schule Merzig mit dem Grundkurs Geschichte unter der Leitung von Frau Schumacher, dem Politik-Leistungskurs von Frau Gecer sowie dem Schulleiter Andreas Heinrich. Zudem erwähnte er die wiederkehrende Mitwirkung der Initiative „Omas gegen Rechts“ und nannte stellvertretend Frau Manthey als Vertreterin. Des Weiteren dankte er Benjamin Chait von der Synagogengemeinde Saar für seine Beiträge und Gebete, Gemeindereferent Thomas Kasper für seinen Vortrag sowie Pamela Buell-Hussinger, die mit der Geige musikalische Beiträge zur Veranstaltung beisteuerte.

Für eine offene, tolerante Gesellschaft

Unter dem Leitgedanken, die Geschichte wachzuhalten, aus der Vergangenheit zu lernen und sich entschieden gegen jegliche Form von Antisemitismus zu positionieren, betonten die Teilnehmenden die Verantwortung der heutigen Generation, Erinnerungskultur lebendig zu halten und sich für eine offene, tolerante Gesellschaft einzusetzen.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, vor 87 Jahren, brannten Synagogen in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei, wurden jüdische Geschäfte, Arztpraxen, Gotteshäuser und Wohnungen von organisierten Schlägertrupps verwüstet und zerstört. Tausende Jüdinnen und Juden wurden misshandelt, verschleppt oder getötet. Auch in unserer Kreisstadt litt die jüdische Gemeinde.

Die Synagogen in Merzig und Brotdorf brannten, jüdische Kaufhäuser in der Poststraße wurden beschädigt und der jüdische Friedhof verwüstet.

Die Reichspogromnacht, oft als Reichskristallnacht bezeichnet, steht sinnbildlich für staatsoffiziellen Antisemitismus und markierte den Übergang zu einer systematischen Verfolgung der Juden, die im Holocaust ihren grausamen Höhepunkt fand.

Oberbürgermeister Hoffeld betonte in seiner Rede, dass Diskriminierung, Verfolgung, Bedrohung oder Todesdrohungen aufgrund Herkunft, Glaubens oder Überzeugung keinesfalls wieder vorkommen dürfe.

„In einer Zeit von Extremismus, Rassismus und Antisemitismus sei es wichtiger denn je, wachsam zu bleiben, Brücken zwischen Kulturen und Religionen zu schlagen und sich aktiv für eine Zukunft einzusetzen, in der alle Menschen friedlich und frei leben können, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung. Er forderte, dass wir aus der Geschichte lernen und die ­Schrecken der Pogromnacht in unserem täglichen Handeln bedenken.“

Gemeinsame Aktion zum Gedenken in Merzig

Im Vorfeld dieser Gedenkveranstaltung wurde, in Kooperation mit dem Jugendhaus Merzig und den Auszubildenden der Kreisstadt Merzig, Stolpersteine in der Merziger Innenstadt gereinigt. An insgesamt sieben Stationen wurden die Gedenksteine, die an die Opfer der NS-Zeit erinnern, mit Schwämmen und Lappen sorgfältig gesäubert.

Durch die gemeinsame Aktion wurden die Namen auf den Stolpersteinen wieder sichtbar gemacht und ein Zeichen des Erinnerns gesetzt. red./jb

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