Saarbrücken. Jüngst versammelten sich zahlreiche Vertreter aus Hotellerie und Gastronomie im Zeltpalast des Alexander Kunz Theatre in Saarbrücken, um beim Neujahrsempfang des DEHOGA Saarland e. V. auf das neue Jahr anzustoßen. Der Einladung folgten rund 130 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verbänden, Kammern, Institutionen und Medien. Wo sonst hochkarätige Live-Musik und Kulinarik verschmelzen, lag beim Jahresauftakt der Fokus auf Austausch, Standortbestimmung und Zuversicht. Im Mittelpunkt stand der vorsichtige Optimismus einer Branche, die nach vorne blickt.
Ein Rückenwind, der Luft verschafft
Ganz der Tradition folgend nutzte der saarländische DEHOGA-Präsident Michael Buchna die Bühne für einen Rückblick auf ein Jahr, das der Branche erneut alles abverlangt hatte. 2025 markierte bereits das sechste Verlustjahr in Folge. Pandemie-Nachwehen, Fachkräftemangel sowie explodierende Energie- und Lebensmittelpreise haben tiefe Spuren hinterlassen. Auch im Saarland blieb das Gastgewerbe nicht verschont von Betriebsaufgaben und Insolvenzen – stille Abschiede aus Innenstädten und Dörfern, die mehr verloren haben als nur einen Ort zum Einkehren. Umso größer war die Bedeutung eines politischen Signals, das in den Küchen und Gasträumen des Landes spürbar ankommt: die dauerhafte Rückkehr zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen zu Beginn des Jahres. Kein Geschenk, sondern ein Bekenntnis zum Mittelstand. „Es ist eine Anerkennung für eine Branche, die Ausbildung sichert, Regionen stärkt und Lebensqualität schafft“, betonte Michael Buchna. Für die saarländische Gastronomie ist das mehr als ein Signal. Es ist ein Stück Planungssicherheit und Fairness, das in den Betrieben unmittelbar wirkt. Und die Gastgeber benötigen diese Entlastung dringend, um ihre Häuser wieder auf Kurs zu bringen. „Doch dieser Erfolg ist auch ein Auftrag: Wir müssen ihn nutzen – für Investitionen, für faire Löhne, für Qualität, Innovationen und Nachhaltigkeit“, sagte der DEHOGA-Präsident. Ein besonderer Dank richtete er in diesem Zusammenhang an die saarländische Landesregierung unter Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die die Senkung der Mehrwertsteuer stets unterstützt und sich konsequent dafür eingesetzt habe. Ergänzt wird dieses Signal durch ein Förderprogramm des Landes mit einem Volumen von 25 Millionen Euro – ein Rückhalt, der in der Branche als alles andere als selbstverständlich gilt. Rehlinger selbst war beim Neujahrsempfang anwesend und überbrachte die Grußworte der Landesregierung. „Neujahrsempfänge sind traditionell Orte der Zuversicht. Aber wir wissen auch: Zuversicht allein füllt keine Speisekarte, zahlt keine Energierechnung und ersetzt auch keine Fachkraft. Wir haben uns gemeinsam vehement für die dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer in der Gastro auf sieben Prozent eingesetzt. Und wir haben es geschafft: Ein ganz wichtiger Schritt, um der Branche etwas Luft zu verschaffen“, erkläre die Ministerpräsidentin.
Die Wahrheit hinter der Preisfrage
Natürlich stand auch die Frage im Raum, die in letzter Zeit vielerorts diskutiert wurde: Gehen mit der Mehrwertsteuersenkung nun die Preise in Restaurants und Gaststätten zurück? Doch Preissenkungen sind weniger eine Frage des Wollens als des Könnens. Viele Betriebe konnten gestiegene Kosten in den vergangenen Jahren kaum weitergeben, da die Preissensibilität der Gäste hoch blieb. Alles wird teurer – doch nicht jede Belastung lässt sich an die Kundschaft weiterreichen. Die Mehrwertsteuersenkung erweitert nun die Spielräume, etwa indem notwendige Erhöhungen vermieden oder Kosten an anderer Stelle abgefedert werden. Wo es möglich ist, werden Mittel zudem für Investitionen genutzt – Maßnahmen, die angesichts der prekären Lage lange aufgeschoben wurden. Einheitliche Lösungen wird es dennoch nicht geben: Jede Kalkulation bleibt individuell, jedes Konzept folgt eigenen Regeln.
Investitionswillen und Kostendruck
Doch der Neujahrsempfang war kein reines Zahlenwerk. Er war auch ein Appell, den Schwung zu nutzen. Investitionen in Qualität, faire Bezahlung, nachhaltige Konzepte und zeitgemäße Angebote standen ebenso im Fokus wie der Blick auf kommende Herausforderungen. Denn der Weg bleibt anspruchsvoll: steigende Löhne, wachsende Auflagen, Fachkräftemangel und hohe Energiekosten begleiten den Alltag der Betriebe weiterhin. „Die nächste staatliche Mindestlohnerhöhung ist bereits beschlossene Sache und wird im Januar 2027 erneut wirken“, legte Buchna den Finger in die Wunde. Jede Anhebung setzt in den Unternehmen eine Lohnspirale in Bewegung: Steigt die Untergrenze, erwarten Fachkräfte verständlicherweise ebenfalls spürbare Zuschläge. Diese Dynamik muss in die Kalkulation einfließen – und dadurch fällt der durch die Mehrwertsteuersenkung entstehende Spielraum deutlich kleiner aus.
Bürokratie bleibt der Bremsklotz
Der Jahresauftakt folgte keinem leeren Blatt. Er knüpfte an Themen an, die weiter an Dynamik gewonnen haben und vielen Gastgebern unter den Nägeln brennen. Besonders die Bürokratie habe ein Ausmaß erreicht, das kleine und familiengeführte Betriebe zunehmend überfordere. Formulare, Auflagen und Doppelprüfungen prägen den Alltag, hinzu kommen ausufernde Dokumentationspflichten. Schon heute machen Bürokratiekosten im Gastgewerbe rund 2,5 Prozent des Jahresumsatzes aus. Ein spürbarer Abbau dieser Belastungen ist daher dringend notwendig, um die Attraktivität der Branche als Arbeitgeber zu stärken und den Fokus wieder auf das Wesentliche zu lenken. Die Forderung ist klar: weniger Papierkram, digitale und einheitliche Verfahren, Vertrauen statt Misstrauen. „Bürokratie frisst Zeit. Bürokratie frisst Geld. Und vor allem: Bürokratie frisst Motivation und Innovation. Wir wollen Gastgeber sein – keine Aktenverwalter“, unterstrich Michael Buchna in seiner Ansprache. Der Wunsch nach Entlastung ist nicht neu, aber dringlicher denn je. Entsprechend deutlich machte der DEHOGA-Präsident klar, dass die Arbeit noch lange nicht erledigt sei. Die Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll, viele Herausforderungen sind nicht über Nacht verschwunden.
Leise Töne, klare Haltung
Doch am Ende des Jahresauftaktes stand kein Klagelied, sondern ein gemeinsamer Blick nach vorne. Die Branche versteht sich als Spiegel der Gesellschaft: bunt, vielfältig und international. Gastronomie und Hotellerie integrieren, qualifizieren und bieten Perspektiven – gerade im ländlichen Raum oft als letzter sozialer Treffpunkt. „Wir sind Wirtschaftsfaktor und Kulturträger zugleich“, sagte Buchna. Und so zeigte der Neujahrsempfang des DEHOGA Saarland, dass Aufbruch auch leise Töne kennt. Mit Mut, klaren Zielen und starkem Zusammenhalt kann 2026 mehr werden als nur ein weiteres Jahr im Krisenmodus. Es begann mit einem Anstoßen – und es geht weiter mit dem festen Willen, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. red./jj
