Saarbrücken. Einsamkeit bleibt das bestimmende Thema der Anrufer bei der Evangelisch-katholischen TelefonSeelsorge (TS) Saar. Bei fast einem Drittel (29,9 Prozent) aller Gespräche war Einsamkeit der Anlass für einen Anruf. Danach folgen Familienprobleme (15,4 Prozent), Depression (14,9 Prozent) und Ängste (13,8 Prozent). Das geht aus dem Jahresbericht 2025 hervor, den die TS Saar jetzt am neuen Standort in der Hochstraße in Burbach vorgestellt hat. Träger der Beratungsstelle, die 2025 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, sind das Bistum Trier und der Evangelische Kirchenkreis an der Saar.
Insgesamt klingelte das Telefon im Vorjahr 10351 mal, in 8465 Fällen führten die Mitarbeiter Seelsorge- oder Beratungsgespräche. Die Gespräche dauerten im Durchschnitt 22 Minuten. Damit blieb das Anrufvolumen auf hohem Niveau konstant. „Mit dem, was wir derzeit personell leisten können, stoßen wir an eine Grenze. Der Bedarf ist höher“, sagt der katholische Leiter der TelefonSeelsorge Saar, Diplom-Psychologe Ulrich Monzel. Knapp zwei Drittel der Anrufer waren Frauen, über die Hälfte älter als 50 Jahre. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass der Anteil jüngerer Anrufer leicht gestiegen ist.
„60 Prozent der Menschen, die uns kontaktieren, leben allein“, sieht Monzel einen Grund darin, dass das Thema seit Jahren häufigster Beratungsanlass ist. „Einsamkeit ist längst kein individuelles Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem der Gesellschaft“, ergänzt der evangelische Leiter, Pfarrer Volker Bier. Trotz digitaler Kommunikationsmöglichkeiten und vielfältiger sozialer Angebote, die scheinbar eine Verbindung zu anderen jederzeit ermöglichen, fühlten sich immer mehr Menschen dauerhaft allein und suchen über einen Anruf auch Kontakt. Vergleichsweise neu unter den Ratsuchenden sei bei älteren Menschen zunehmend das Thema assistierter Suizid, hat Bier beobachtet. Aber auch Probleme des interkulturellen Zusammenlebens verzeichnen die Hauptamtlichen vermehrt. So riefen etwa junge Erwachsene an, die darunter litten, dass ihre aus dem Ausland stammenden Eltern nach wie vor über ihr Leben bestimmen wollen. Auch im Bereich der Online-Beratung, auf der ein Schwerpunkt des Jahresberichts liegt, verzeichnet die Telefonseelsorge eine Steigerung. Hier gab es 553 Beratungskontakte. Das Angebot werde vor allem von Jüngeren genutzt, so ist mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) unter 30 Jahren, aber zunehmend auch von Menschen ab 50 Jahren. Daher sei es gut, dass zehn Ehrenamtliche neu für die Online-Beratung geschult werden konnten, sagt Beraterin Katja Stolle-Spies. Nach personellen Engpässen konnte zudem die Chatberatung schrittweise wieder aufgenommen werden – ein Angebot, das vor allem von jungen Menschen genutzt wird. „Wir spüren einen sehr hohen Leidensdruck bei vielen sehr jungen Menschen“, sagt Beraterin und Psychologin Lisa Schwarz. „Viele Jüngere haben Angst zu telefonieren oder können das Erlebte wie Missbrauch oder Suizidgedanken nicht aussprechen. Ihnen fällt es leichter, sich schriftlich mitzuteilen.“ Während es bei der Telefon-Beratung häufig bei einem Gespräch bleibe, stehen die Berater in der Mail- und Chatberatung häufig über einen längeren Zeitraum mit den Ratsuchenden in Kontakt, Schreiben bietet eine andere Distanz. Rund ein Drittel der Mailer thematisierten Suizid, seien es Gedanken oder bereits konkrete Versuche. Auch mangelnder Selbstwert sei häufiges Thema. „Das ist bei einer so jungen Altersgruppe erschreckend“, sagt Volker Bier. Er wünscht sich eine bessere Suizidprävention. „Die effizienteste Vorbeuge ist die mechanische: Wenn man Brücken so absichert, dass ein Zugang unmöglich wird, kann keiner mehr springen.“Auch die persönliche Beratung vor Ort gewann weiter an Bedeutung. Mit 335 Gesprächsterminen wurde ein Plus von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Besonders häufig suchten Ratsuchende Unterstützung bei Themen rund um Familie, Partnerschaft und Arbeit. „Hier schlägt uns der Mangel an Therapieplätzen entgegen“, sagt Bier.
Ehrenamtliche gesucht
Die Gespräche und die Online-Seelsorge führten vor allem die 65 ehrenamtlichen Mitarbeiter (53 Frauen, 12 Männer) der Evangelisch-katholischen TelefonSeelsorge Saar. Sie sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr bereit, Neun weitere befinden sich aktuell in Ausbildung. Hauptamtliche Kräfte begleiten die Beratungen am Telefon, die Mail- und Chat-Beratung. Sie unterstützen die ehrenamtlich Mitarbeiter und bieten persönliche Gespräche in der Beratungsstelle an. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Leuten“, betonen Monzel und Bier. Neue Ehrenamtler für Telefonseelsorge zu gewinnen, sei eine große Herausforderung. Es sei ihr Wunsch, gerade in den Abendstunden und am Wochenende, wenn besonders viele Leute anrufen, die Schichten doppelt zu besetzen. Wünschenswert wären 80 Ehrenamtliche. Auch der Blick auf andere Lebensentwürfe ist neben der reinen Sinnhaftigkeit ein Anreiz für diese Arbeit.
Der nächste Ausbildungskurs startet im Januar 2027. Die kostenlose Ausbildung findet abends und an Wochenenden statt.Die Telefonseelsorge ist bundesweitanonym unter Tel. (0800) 1110111 erreichbar. Info: www.telefonseelorge-saar.de jj





