Ein Weltunternehmen aus der Saarregion

Von links: Michael Burkert, der Vorsitzende des Fördervereins für das Historische Museum Saar, Christa Adt (Ehefrau von Engelbert Adt), ihr Sohn Jürgen Adt und Museumsdirektor Simon Matzerath mit Objekten aus der neu erworbenen Sammlung. Foto: Historisches Museum Saar, Stephan Hett
Von links: Michael Burkert, der Vorsitzende des Fördervereins für das Historische Museum Saar, Christa Adt (Ehefrau von Engelbert Adt), ihr Sohn Jürgen Adt und Museumsdirektor Simon Matzerath mit Objekten aus der neu erworbenen Sammlung. Foto: Historisches Museum Saar, Stephan Hett - (Bild 1 von 1)

Saarbrücken. Das Historische Museum Saar hat mit Unterstützung seines Fördervereins die umfangreiche Sammlung des Heimatkundlers und Sammlers Engelbert Adt von seiner Ehefrau und dem Sohn erworben.

Engelbert Adt (verstorben 2004) aus Ensheim stammte nicht direkt aus der Unternehmerfamilie, sondern war Mitglied eines anderen Zweigs der Familie. Seine Sammlung spiegelt die umfangreiche Produktpalette der Pappmachéfabrik Adt aus der Unternehmensgeschichte des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts. Zudem legte er eine umfangreiche Materialsammlung zur Unternehmens- und Familiengeschichte der Adts an. Gemeinsam mit dem darin ebenfalls enthaltenen Material seines Verwandten Daniel Adt aus Chaumont in Frankreich handelt es sich um die umfassendste Sammlung von Materialien, die aus Archiven, Museen, Bibliotheken und der Familie selbst zusammengetragen wurde, bemerkenswerter Weise vom deutschen und vom französischen Zweig der Familiendynastie.

Die „Pappmachédynastie Adt“ entwickelte sich aus der in Ensheim schon lange verwurzelten Tradition der Herstellung von Gebrauchsgütern aus Pappmaché. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand daraus ein weltweit agierendes Unternehmen. Papierlackwaren, das heißt mit mehreren Lackschichten überzogene Gegenstände aus Pappmaché, waren die Vorläufer von Kunststoffprodukten und in den Haushalten aller sozialen Schichten massenhaft vertreten. Um sich den französischen Markt zu erschließen, wurde bereits 1853 als Ableger des Ensheimer Werkes eine Fabrik in Forbach gegründet. Nach dem Anschluss Lothringens an das Deutsche Reich entstand eine Niederlassung in Pont-à-Mousson. Das Werk in Forbach wurde zum Hauptsitz der Firma, die einen entscheidenden Einfluss auf die Stadtentwicklung nahm. Ab dem frühen 20. Jahrhundert führten die Verbreitung synthetischer Kunststoffe sowie politische Entwicklungen in Folge des Ersten Weltkriegs zum Niedergang des Unternehmens. In der rapide wachsenden Elektroindustrie wurden neue Aktivitätsfelder erschlossen, die den Niedergang aber nicht aufhalten konnten. Heute ist das einstige Weltmarkt-Unternehmen aus dem öffentlichen Bewusstsein weitestgehend verschwunden.

Museumsdirektor Simon Matzerath erklärte: „Der Name Adt steht wie sonst nur Villeroy & Boch für einen Global Player aus dem Saarland. Mit seinen in Frankreich angesiedelten Werken steht das ehemalige Unternehmen darüber hinaus für die Besonderheiten der Wirtschaftsgeschichte unser grenzübergreifenden Region“.

red./tt

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