Ein Verrat kostete allen das Leben

Im Klostergarten Gräfinthal wurde eine Gedenkstätte mit neun Apfelbäumchen für die Familie Ulma errichtet. 
Foto: Besserdich
Im Klostergarten Gräfinthal wurde eine Gedenkstätte mit neun Apfelbäumchen für die Familie Ulma errichtet. Foto: Besserdich - (Bild 1 von 1)

Bliesmengen-Bolchen. Eine Woche, bevor sich der Todestag der Familie Ulma zum 80. Mal jährte, ist am Kloster Gräfinthal eine Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordete polnische Familie aus Markowa im Landkreis Lancut eingeweiht worden. Das Ehepaar Jozef und Wiktoria Ulma versteckte während der deutschen Besetzung Polens trotz drohender Lebensgefahr zwei jüdische Familien, um sie vor dem Holocaust zu retten. Ein Verrat kostete sie alle das Leben.

Für jeden der neun Ermordeten wurde ein Apfelbaum gepflanzt

Zunächst erlebten die Gäste, unter ihnen auch eine Delegation aus Polen und aus der Ukraine, in der Kapelle zu Gräfinthal eine Heilige Messe, zelebriert von Weihbischof Stanislaw Jamrozek aus Przemysl und Pater Petrus vom heimischen Benediktiner-Priorat Gräfinthal. Das Collegium Vocale aus Blieskastel unter Leitung von Christian von Blohn sorgte dabei für Gänsehautmoment. Anschließend wurden im Klostergarten neun Apfelbäumchen – jeweils ein Bäumchen für ein Mitglied der Familie Ulma – ihrer Bestimmung übergeben.

Es war ein besonderes Anliegen von Landrat Dr. Theophil Gallo, diese Gedenkstätte zu errichten. Im Rahmen der Seligsprechung der Familie Ulma am 10. September 2023 im polnischen Partnerkreis Lancut erörterte er mit Landrat Adam Kryszton sein Anliegen, der sich von der Idee einer Parallelgedenkstätte im Saarpfalz-Kreis sehr angetan zeigte. Das Kloster Gräfinthal in der Gemeinde Mandelbachtal erwies sich als prädestiniert, da sich dort das Grab von Anna Leszczynska, der Tochter des polnisch-litauischen Königs Stanislaus I. Leszczynski befindet. Die beiden Benediktiner-Brüder Petrus und Wilhelm mussten nicht lange überzeugt werden.

Beim Besuch einer saarländischen Delegation um Ministerpräsidentin Anke Rehlinger im November 2023 schenkte Wladyslaw Ortyl, Marschall der Woiwodschaft Karpatenvorland, anlässlich einer Kranzniederlegung am Museum der Familie Ulma der Ministerpräsidentin sowie Landrat Dr. Theophil Gallo je ein Apfelbäumchen aus dem Garten der Familie Ulma. Im Rahmen der Aktion „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ erinnern die Apfelbäume mit außerordentlicher Symbolkraft an Jozef Ulma, seine Frau Wiktoria und ihre sieben kleinen Kinder. Wiktoria Ulma befand sich zum Zeitpunkt ihrer Ermordung im letzten Monat ihrer Schwangerschaft.

Anschließend wurden Namensschilder symbolisch für die Baumpflanzung vor den in einer langen Reihe angeordneten Bäumchen aufgestellt: von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger für die Mutter Wictoria Ulma (31 Jahre); von Maria Vermeulen, Bürgermeisterin von Mandelbachtal, für das jüngste Kind, das bei der Erschießung zur Welt kam und ohne Namen blieb; von Konsulin Anita Mikolajczak für Maria Ulma (18 Monate); von Bischof Stanislaw Jamrozek für Antoni Ulma (zwei Jahre); von Pater Petrus für Franciszek Ulma (drei Jahre); von Marschall Wladyslaw Ortyl für Wladyslaw Ulma (fünf Jahre); von Piotr Pilch, Vizemarschall der Woiwodschaft Podkarpackie, für Barbara Jadwiga Ulma (sechs Jahre); von Adam Kryszton für Stanislawa Ulma (sieben Jahre); und von Landrat Dr. Theophil Gallo für den Vater Jozef Ulma (44 Jahre). red./jj

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