Neunkirchen. Das Haus der Geschichte in der Bundesstadt Bonn gehört zu den beliebtesten und am meisten besuchten Museen in Deutschland. Jährlich strömen rund 850000 Besucher dorthin und bestaunen deutsche Geschichte von der Nachkriegs-Zeit bis zur Gegenwart auf 4000 Quadratmetern. So auch jetzt die Teilnehmer einer Tagesfahrt des Kreisverbandes Neunkirchen des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrer-Verbandes (SLLV).
Adenauers Mercedes, ein Kino aus den 1950er-Jahren oder ein Eisenbahn-Waggon – die Dauer-Ausstellung „Du bist Teil der Geschichte!“ lässt die Entwicklung Deutschlands von der Nachkriegs-Zeit bis heute entdecken – lebendig, interaktiv und aus verschiedenen Perspektiven. Auf einem Rundgang über mehrere Etagen begegnet man in fünf Zeiträumen Menschen, Ereignissen und Objekten, die die Geschichte unseres Landes geprägt haben. Positive wie negative Aspekte werden gleichermaßen aufgegriffen und verständlich dargestellt. In chronologischer Reihenfolge präsentiert die Ausstellung rund 7000 Fundstücke aus der deutschen Politik-, Wirtschafts-, Kultur- und Alltags-Geschichte seit 1945. Dazu gehören etwa der Eisenbahn-Salonwagen der Bundeskanzler, Abgeordneten-Bänke aus dem alten Bonner Plenar-Saal, originale Steine aus der Berliner Mauer oder der Hippie-Bulli. Historische Ereignisse, Entwicklungen und Strömungen wie der Kalte Krieg, die Teilung Deutschlands in Ost und West und der Wieder-Aufbau finden ihren Platz. In einem neuen Bereich erfahren Besucher/innen mehr über die Globalisierung, die Migrations-Debatte, die Digitalisierung und den Terrorismus.
Lebens- und liebenswert
Entlang der Museums-Meile, der Zentrale der Telekom – der größten Arbeitgeberin Bonns – und dem „Weg der Demokratie“ führte anschließend eine Stadt-Rundfahrt. Dabei begegnete man wichtigen Orten der deutschen Demokratie-Geschichte und zahlreichen Gebäuden mit historisch-politischer Bedeutung: Im Nordflügel des Bundeshauses tagte der Bundesrat von 1949 bis 2000. Der Parlamentarische Rat und der Deutsche Bundestag kamen in der ehemaligen Pädagogischen Hochschule zusammen. Hier wurde das Grundgesetz verabschiedet. Der Deutsche Bundestag nutzte das umgebaute Wasserwerk als Tagungsort von 1986 bis 1992, während das neue Plenar-Gebäude entstand. Danach tagte er darin bis Juli 1999. Das 1969 fertiggestellte Abgeordneten-Hochhaus, der „Lange Eugen“, wurde zu einem der Wahrzeichen der damaligen Bundes-Hauptstadt (1949 bis 1990). Heute beherbergt es zahlreiche Organisationen der Vereinten Nationen. Die Bundes-Presse-Konferenz hatte von 1968 bis 1999 ihren Sitz im „Tulpenfeld“. In unmittelbarer Nähe zu den politischen Organen befanden sich die Redaktionen der deutschen und internationalen Medien. Von 1949 bis 1976 war der Palais Schaumburg Amtssitz der Bundeskanzler, danach bis 1999 das Bundeskanzleramt. In der Villa Hammerschmidt residierten die Bundespräsidenten seit 1950. Seit 1994 ist sie ihr zweiter Amts- und Wohnsitz nach Schloss Bellevue. Im Museum Alexander Koenig fand am 1. September 1948 der Festakt zur feierlichen Eröffnung des Parlamentarischen Rates statt. Nicht zu vergessen ein weiteres Wahrzeichen der Bundesstadt: das Bonner Münster (Münster-Basilika) ist die größte Kirche Bonns.
Insgesamt präsentierte sich Bonn auf der Rundfahrt als Stadt mit ruhiger und doch weltoffener Seele, die historische Eleganz, internationale Kultur und ein starkes Engagement für Nachhaltigkeit vereint. Der Stadtpark Bad Godesberg, naturnahe, artenreiche Grünflächen und fast überall prächtige Straßenbäume lassen die Bundesstadt in besonderem Maße lebens- und liebenswert erscheinen. red./jj





