Der Saarlandpokal und seine Bedeutung

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Am 29. Mai war es soweit, dass am Finaltag der Amateure auch das Endspiel im Saarlandpokal stattfand. Zum insgesamt 46. Mal wurde der beste Verein des Saarländischen Fußball-Verbandes auserkoren. Wie auch schon im Jahre zuvor heißt der Sieger des Pokals SV 07 Elversberg, womit sie nicht nur den Titel verteidigen konnten, sondern auch innerhalb von vier Jahren dreimal erfolgreich waren. Eine hervorragende Bilanz für die Elversberger, die nun mit sechs Titeln auf dem dritten Rang der Rekordsieger des Saarlandpokals stehen, den sie sich mit dem FC 08 Homburg teilen.

Gegner des Endspiels war der 1. FC Saarbrücken, welcher mit insgesamt elf Titeln der unangefochtenen Rekordsieger des Turniers ist. In der langen Geschichte des Clubs aus der saarländischen Landeshauptstadt wurde schon häufig Erst- und Zweitligaluft geschnuppert. Die nun abgelaufene Saison wurde von ihm auf dem fünften Platz der 3. Liga beendet. Der SV 07 Elversberg selbst spielt in der Regionalliga Südwest, wo sie aktuell auf Platz zwei stehen. Trotz der starken Saison steht in dieser Liga der Meister und direkte Aufsteiger mit dem SC Freiburg II bereits fest. 22 Mannschaften spielten in der Liga, wodurch sich ganze 42 Spieltage ergeben. Auf lange Sicht möchten die Elversberger in die 3. Liga zurückkehren, die bis dato höchste Klasse, in der der SV 07 in seiner Historie spielte. Obwohl es mit dem Aufstieg dieses Jahr also nicht funktioniert, freut man sich in Elversberg über die Teilnahme am DFB-Pokal in der kommenden Saison.

Große Chancen auch für kleinere Vereine

Denn genau diese Teilnahme am DFB-Pokal ist der Lohn für den Gewinn des Landespokals, der seit 1975 ausgespielt wird. Und in den vielen Jahren wurden, wie für Pokale im Fußball üblich, einige kuriose Geschichten geschrieben, in denen Kreisligisten Oberligisten schlugen und große Vereine gegen den Underdog verloren. Das macht den Anreiz aus. Die Zuschauerzahlen stiegen über die Jahre stetig bei den Amateurbegegnungen und die Emotionen waren durchweg groß. Auch renommierte Wettanbieter mit deutscher Lizenz wissen um den Reiz der Landespokale und haben den Saarlandpokal längst in ihr Portfolio aufgenommen. In diesem Jahr gab es aufgrund der Ausnahmesituation einige Besonderheiten wodurch sich eine spezielle Saison ergab. So konnten genau wie im vergangenen Jahr beim Finale leider keine Zuschauer anwesend sein.

Außerdem zogen sich alle Vereine bis auf drei, aus der laufenden Saison zurück, wofür sie finanziell entschädigt wurden. So wurde der Sieger zwischen Saarlands höchstklassigen Vereinen, dem 1. FC  Saarbrücken, dem FC 08 Homburg und dem SV 07 Elversberg ausgespielt. Grund dafür war, dass die anderen Clubs den Spielbetrieb im Oktober 2020 durch die Regelungen einstellen mussten, wodurch ohnehin eine unfaire Situation entstanden wäre. Grundsätzlich wird im System des Saarlandpokals per K.-o.-Prinzip entschieden. So wird zuerst auf Kreisebene ermittelt, welche Vereine in die saarlandweiten Runden weiterkommen. Die Kreispokale gehen über drei Runden in den Kreisen Nordsaar, Ostsaar, Südsaar und Westsaar. Ab der darauffolgenden Runde steigen die Regionalligamannschaften und Drittligamannschaften aus dem Saarländischen Fußballverband in den Pokal ein.

Dass die höherklassigen einen Vorteil haben ist insofern logisch, als dass die Professionalität in diesen Klassen eine relativ große Diskrepanz aufweist. Tatsächlich standen in den Finals von 2014 bis zu diesem Jahr ausschließlich die drei großen Vereine des Saarländischen Fußballverbandes und seit 2008 gewann außer ihnen kein anderer Verein den Pokal. 2013 war es noch der FC Hertha Wiesbach, der in das Endspiel einziehen konnte und in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar agierte. In den beiden Jahren davor hießen die Zweitplatzierten des Pokals Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler und SV Mettlach, die beide in der sechstklassigen Saarlandliga spielten. Alle drei Mannschaften mussten sich dem 1. FC Saarbrücken geschlagen geben. Die letzte mehr oder minder große Überraschung, war der Pokalgewinn von Hasborn-Dautweiler, die 2007 als fünftklassige Mannschaft in der Oberliga Südwest spielten. Damals schlugen sie den zu diesem Zeitpunkt Ligakonkurrenten FC 08 Homburg.

Überraschungen und Emotionen

Doch über die Jahre gab es noch deutlich größere Überraschungen. Im Jahr 1991 zog mit dem VfB Gisingen ein Kreisligist in das Endspiel des Pokals ein, nachdem sie den absoluten Favoriten 1. FC Saarbrücken II im Halbfinale schlugen. Auch im Finale selbst hielten sie lange gut mit, mussten sich unterm Strich aber dem SV Hasborn geschlagen geben. 2009 schaffte es Bezirksligist SC Reisbach ins Finale, wo sie dem SV 07 Elversberg 0:7 unterlagen. Nichtsdestotrotz wurde die Teilnahme am Endspiel wie ein Sieg gefeiert. 1994 gewann der SC Großrosseln als Landesligist den Pokal und ist damit klassentiefster Sieger aller Zeiten.

Diese Geschichten unterstreichen die Bedeutung des Saarlandpokals für den Sport und die Region. Neben den unglaublichen Emotionen die dort vorherrschen, ist das Saarland als kleinstes Bundesland durch den Pokal in der Lage, auch kleineren Vereinen die Teilnahme am DFB-Pokal möglich zu machen. Dort kann anschließend alles passieren, hauptsächlich geht es aber um die Erfahrung, die Spieler, Fans und Trainer dort sammeln. So konnte Borussia Neunkirchen, die heute in der Saarlandliga und somit sechsten Klasse spielen, im Jahr 2003 noch gegen den großen FC Bayern München antreten, ein Erlebnis, dass wohl keiner der Anwesenden je vergessen wird.

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