Der MGV soll weiter leben

Großbundenbach. „Wir geben nicht auf, bloß, weil aktuell ein paar Sänger fehlen“ – darin waren sich die knapp 15 Vereinsmitglieder des Männergesangsvereins Frohsinn 1887 Großbundenbach bei der Jahreshauptversammlung im Restaurant „Wurzelwerk“ einig.

Bald 150 Jahre alt

Der bald 150-jährige Verein hat die männerarme Zeit nach zwei Weltkriegen überstanden und soll auch jetzt erhalten bleiben. Statt einer in Erwägung gezogenen Auflösung wird der Traditionsverein, der Jahrzehnte lang das Kulturleben in dem Dorf auf der Sickinger Höhe geprägt und bereichert hat, weiterhin mitgliedsfrei ruhen gelassen, um nach den Durststrecken durch zwei Weltkriege auf seinen vierten Frühling zu warten. Bereits seit vielen Monaten fanden auf Grund des Sängermangels keine Gesangsproben mehr statt, zumal der Durchschnittsalter mit jedem Jahr steigt. Der Tod des langjährigen, sehr geschätzten Chorleiters Kurt Bubis vor zweieinhalb Jahren, der mit anspruchsvoller Lied-Literatur seine Mannen forderte und zu manchen musikalischen Höhenflügen führte, hat eine ebenso große Lücke gerissen, wie der Tod von Walter Rubly. Der in der weiten Region ob seiner großartigen Stimme bekannte Bass-Sänger hatte klanglich ein großartiges Fundament gelegt. „Danach haben wir nur noch dreistimmig gesungen“, streicht Ortsvorsteher Dieter Glahn heraus, der zudem als Vorsitzender die Geschicke des Männergesangsvereins Frohsinn 1887 Großbundenbach leitet.

Die Bestandspflege des Traditionsvereins hält der 62-jährige Landwirt, der Zweiten Tenor oder noch lieber Bass singt, aus vielen Gründen für wichtig. Singen hält jung und ist die beste Gesundheitsprophylaxe, da der Chorgesang die kleinen, grauen Zellen trainiert, Spaß macht und die Geselligkeit in der Gemeinschaft pflegt. Zudem verfüge der Verein über eine Wirtschaftsgüter, neben dem Klavier und dem umfangreichen Notenmaterial auch eine Ausstattung, um große Feste zu feiern. In den Schränken ruhen über 500 zumeist vierstimmige Notensätze quer durch die Chorliteratur, von Volksliedern über Kirchenmusik und Liedern von Franz Schubert oder Wolfgang Amadeus oder Leopold Mozart bis hin zu deutschen Gospels oder Musicals. Geplant sei jetzt, zu Weihnachten als Projekt-Chor mit Liedern den Heilig-Abend-Gottesdienst zu gestalten. Neue Sängerinnen und Sänger sind jederzeit herzlich willkommen!

Neue Sängerinnen und Sänger sind herzlich willkommen!

Wer Interesse hat, kann sich bei Dieter Glahn, Tel. (0 63 37) 67 78, oder Birgit Schwarz, Tel. (0 63 37) 12 23 gerne melden Im Juni 1887 gründeten Sangesfreunde den Männergesangverein „Frohsinn“ Großbundenbach. Erster Vorsitzender war Philipp Stucky, die Dirigententätigkeit übernahm der ortsansässige Lehrer Jakob Schweppenhäuser. Bereits im Jahr 1893 konnte sich der noch junge Verein eine Vereinsfahne zulegen, die heute noch bei entsprechenden Anlässen präsentiert wird. Diese ist in den Vereinsfarben grün und weiß gehalten und trägt die Aufschrift: „Sangeslust erhebt die Brust, Gott segne unsere Lieder“. Mit Liederabenden, der Teilnahme an Sängerfesten und Wertungssingen, sowie durch die Mitwirkung bei Gottesdiensten bereicherte der Verein das kulturelle Leben in Großbundenbach. Als die französische Militärregierung ab 1. Januar 1950 die Tätigkeit der Gesangvereine nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erlaubte, konnten altgediente Sänger zusammen mit begeisterten jungen Männern den MGV „Frohsinn“ zu neuem Leben erwecken. Vorsitzender wurde Hermann Forsch und den Dirigentenstab führte der spätere Ehren-Chorleiter Albert Ziegler aus Kleinbundenbach. Wie schon in der Vorkriegszeit, fand sich auch wieder eine Laienspielerschar zusammen, um mit Theaterabenden den Dorfbewohnern schöne Stunden zu bescheren. Mitte Juli 1967 wurde das 80-jährige Vereinsjubiläum erstmals in einem Festzelt begangen. Die Festansprache dazu hatte Pfarrer Ballod, der spätere Bürgermeister, unter das Motto gestellt: „Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts“. Sein Nachfolger wurde 1979 Josef Kleber aus Mörsbach.

Den musikalischen Höhepunkt in seiner weit über 100-jährigen Vereinsgeschichte erreichte der Chor beim Wertungssingen am 22. November 1986. In einer Feierstunde des Rheinland- Pfälzischen Sängerbundes erhielt der Vereinsvorsitzende Walter Ruble am 2. Mai 1987 die vom Bundespräsidenten verliehene „Zelter-Plakette“.

Verleihung der

„Zelter-Plakette“ 1987

Erika Schäfer, die zwischenzeitlich die Leitung dieses Chores übernommen hatte, kam dem Wunsch der Sängerinnen und Sänger gerne nach, nicht nur bei solchen Anlässen zu singen, sondern auch weltliche und geistliche Lieder einzuüben und vorzutragen. Ab August 1998 bis zum Januar 2000 übernahm Jürgen Leineweber, der bereits den Männerchor dirigierte, auch den Gemischten Chor. Danach engagierte der MGV den mittlerweile verstorbenen Kurt Bubel aus Bierbach als neuen Chorleiter. Ungefähr 20 Veranstaltungen pro Jahr wurden vom MGV durchgeführt: Konzerte, Freundschaftssingen und Geburtstagsständchen sowie die Mitwirkung bei verschiedenen kirchlichen Anlässen. Dabei waren die Liederabende im Frühsommer und vor allem die anspruchsvollen Adventskonzerte zur Vorweihnachtszeit die Höhepunkte im jeweiligen Sängerjahr. cvw

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