Der Inschriftenfälscher von Nennig

Der Tatort: Blick auf das große Gladiatorenmosaik von Nennig im historischen Schutzhaus, 3. Jahrhundert nach Christi, gefunden 1852, 15,65 x 10,3 Meter, ­Römische Villa Nennig – Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. 
Foto: Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken / Tom Gundelwein
Der Tatort: Blick auf das große Gladiatorenmosaik von Nennig im historischen Schutzhaus, 3. Jahrhundert nach Christi, gefunden 1852, 15,65 x 10,3 Meter, ­Römische Villa Nennig – Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Foto: Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken / Tom Gundelwein - (Bild 1 von 1)

Wadgassen. 1852 stieß ein Landwirt in dem kleinen Weinort Nennig im Moseltal auf ein Stück Mosaikboden aus bunten, leuchtenden Steinen mit der Darstellung eines Löwen. Er hatte die Eingangshalle einer luxuriösen, römischen Landvilla von gigantischen Dimensionen entdeckt.

In Grabungen kam ein prachtvoller Mosaikteppich zum Vorschein – mit 160 Quadratmeter Größe, zusammengesetzt aus über drei Millionen Steinchen, eines der bedeutendsten Zeugnisse römischer Kunst nördlich der Alpen, dessen Realismus und Detailreichtum jedes Jahr tausende Besucher aus aller Welt zum Staunen bringt. Das herausragende Sammlungsobjekt der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz ist bis heute noch am originalen Fundort zu bewundern.

In den 1860er Jahren erlangte die Villa Nennig jedoch unrühmliche Bekanntheit durch einen Fälscher-Skandal, der deutschlandweit durch die Tagespresse ging und sich zu einem polemisch geführten Wissenschaftlerstreit auswuchs. Im Zentrum stand der illustre Fälscher Heinrich Schaeffer und die Frage der Echtheit kaiserlicher Inschriften, die einen Palast Trajans in Nennig belegen sollten: 1866 wurden spektakuläre Inschriften entdeckt – auf römischen Wandputz gemalt, sowie in Stein gemeißelt –, die einerseits große Freude, andererseits umgehend Zweifel weckten. Der Fund war einfach zu schön, um wahr zu sein. Die bedeutendsten Gelehrten jener Zeit wie Theodor Mommsen beschäftigten sich mit dem Fall.

Neben Fachdiskussionen, bis in die Akademie der Wissenschaften zu Berlin hinein, wurde eine kriminalistische Untersuchung anberaumt, die am Tatort Klärung bringen sollte. Letztlich deuteten die Indizien darauf hin, dass Schaeffer, als örtlicher Grabungsleiter eingestellt, die Inschriften selbst gefälscht und vergraben hatte, um sie von seinen Grabungsarbeitern als Sensationsfund neu entdecken zu lassen.

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte nimmt die aktuelle Ausstellung „Breaking News –Making News – Faking News. Von Gutenberg bis Trump“ im Deutschen Zeitungsmuseum zum Anlass, anhand von rund 40 Objekten wie Grabungsplänen, Fotografien, historischen Publikationen, Zeichnungen, Mosaik- und Putzfragmenten diese spannende und ungewöhnliche Episode aus der Entdeckungsgeschichte der Villa zu erzählen – eine wahrliche „Räuberpistole“ mit Zeugenvernehmungen, im Laternenschein angefertigten Kunstfälschungen, mysteriösen Hammerschlägen und einer „Fake News-Fundmeldung“ aus der Feder des Fälschers. Als besondere Leihgaben der Gesellschaft für nützliche Forschungen und des Rheinischen Landesmuseums Trier werden zwei originale Steininschriftenfälschungen Schaeffers erstmalig seit ihrer Anfertigung im 19. Jahrhunderts wieder öffentlich zu sehen sein. Ausstellungsort ist das Deutsche Zeitungsmuseum Wadgassen, Am Abteihof 1. Die Ausstellung „Der Inschriftenfälscher von Nennig – ein deutscher Archäologie-Krimi im 19.

Jahrhundert“ ist bis zum 5. September in Wadgassen zu sehen.

Alle weiteren Information zu den aktuellen Corona-Regeln und zur Ticketbuchung stehen auf www.kulturbesitz.de.

red./jb

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