Merzig. 31 Sänger des Projektchores „Ein Licht für Afrika“ reisten jüngst nach Mosambik – in den afrikanischen Winter, während Deutschland unter einer Hitzewelle litt. Die Reise stand von Beginn an unter besonderen Vorzeichen: Da die Gruppe mit Qatar Airways über Doha flog, sorgte die angespannte Lage im Nahen Osten lange für Ungewissheit, ob der Flug wie geplant stattfinden könnte. Auch am Tag des Rückfluges verschärfte sich die Situation erneut.
Fast zwanzig Jahre Engagement
Was einst mit einer Begegnung im Saarland begann, hat sich zu einem außergewöhnlichen Hilfsprojekt entwickelt. An der Christian-Kretzschmar-Schule Merzig entstand 2007 zunächst ein Projektchor, später ein Benefizkonzert und schließlich der Verein „Ein Licht für Afrika e. V.“. Durch zahlreiche Konzerte und Aktionen konnten bislang mehr als 100.000 Euro für Hilfsprojekte in Afrika gesammelt werden. Mit diesen Mitteln entstanden im mosambikanischen Dorf Guigobane zwei Schulen und ein Gesundheitszentrum. Einige Mitglieder der Reisegruppe hatten an den Schulgebäuden selbst mitgebaut.
Gottesdienst und stilles Gedenken
Nach der Ankunft sang der Chor in einem Gottesdienst in der Pfarrei São Francisco de Assis – jener Gemeinde, zu der auch die Mosambikanerin Joaquina Siquice gehörte, deren Begegnung mit Chor- und Projektleiter Christoph Goergen vor fast zwanzig Jahren den Grundstein für das Projekt gelegt hatte. Die Gottesdienstbesucher begegneten den ungewohnten Gästen zunächst mit Zurückhaltung. Als der Chor das erste Lied anstimmte, wandelte sich die Atmosphäre: Aus neugierigen Blicken wurden lächelnde Gesichter, bald wurde mitgeklatscht und mitgesungen.
Ein bewegender Moment war der gemeinsame Besuch des Friedhofs, auf dem Joaquina Siquice ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Für Goergen war es die Erfüllung eines Versprechens, nach vielen Jahren mit dem Chor an diesen Ort zurückzukehren. Ein gemeinsames Fest mit Joaquinas Familie rundete den Tag ab. Viele Familienmitglieder sind dem Chor bereits seit dem ersten Besuch im Jahr 2008 verbunden; manche, die damals noch Kinder waren, begrüßten die Gäste nun als Erwachsene.
Empfang beim Gouverneur
Noch vor Sonnenaufgang machte sich die Gruppe auf den Weg in die Provinz Inhambane, rund 500 Kilometer entfernt – über Straßen, die durch einen Tropensturm im Februar stark beschädigt worden waren und Geduld verlangten. In der Provinzhauptstadt empfing der Gouverneur die Reisegruppe. Als der Chor ihn mit einem Lied begrüßte, sorgte das für eine entspannte Atmosphäre, auch wenn es nicht dem Protokoll entsprach. Der Gouverneur zeigte sich beeindruckt vom Gesang und vom langjährigen Engagement des Vereins und lud die Gäste anschließend zu frischen Kokosnüssen ein.
Ankunft in Guigobane
Das Projektdorf Guigobane, am Indischen Ozean im größten Palmenwald der Welt gelegen, war von der Unterkunft des Chores nur zu Fuß zu erreichen. Der letzte Abschnitt des Weges führte durch einen Seerosenteich, stellenweise durch hüfthohes Wasser. Nach rund 90 Minuten erreichte die Gruppe ihr Ziel. Noch bevor das Dorf zu sehen war, war Musik zu hören. Am Eingang des Schulgeländes wartete die Dorfgemeinschaft mit Trommeln, Gesang und Tanz.
Die Schulkinder sangen ein Willkommenslied, bald wurden Chormitglieder zum Mittanzen aufgefordert. Das Freundschaftsfest hatte begonnen. Über offenem Feuer bereiteten die Frauen des Dorfes aus einem Rind, 20 Hühnern, 100 Kilogramm Reis, Gemüse und vielen Kokosnüssen einen Festtagsschmaus zu. Für viele Reiseteilnehmer wurde in diesem Moment Wirklichkeit, was sie bislang nur aus Erzählungen und Bildern kannten.
Schäden und Hilfe zugesagt
Der Schuldirektor wies auf Schäden hin, die der Tropensturm im Februar verursacht hatte: Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen, Teile des Daches zerstört worden, und die Batterie der Solaranlage muss ersetzt werden. Provisorisch sei vieles wieder hergerichtet worden; nun werde finanzielle Unterstützung für eine dauerhafte Lösung erhofft. Der Verein sicherte Hilfe zu. Erste Angebote liegen vor und sollen nach der Sommerpause beraten werden.
Gesundheitszentrum in Betrieb
Zum Besuchsprogramm gehörte auch das Gesundheitszentrum, das durch „Ein Licht für Afrika“ entstanden ist. Da das Projekt pandemiebedingt nicht persönlich begleitet werden konnte, war die Freude groß, die Einrichtung nun in Betrieb zu erleben. Der leitende Arzt führte die Gruppe durch die Räumlichkeiten. Zwei Krankenschwestern wohnen dauerhaft auf dem Gelände und stehen den Menschen rund um die Uhr zur Verfügung. „Das ist alles viel besser, als wir es uns jemals erhofft hatten“, sagte Goergen.
„Wir nahmen bislang an, dass die Station nur an wenigen Tagen zu bestimmten Zeiten besetzt werden könnte!“ Ein Schwerpunkt ist die gynäkologische Abteilung. Impfungen können direkt vor Ort durchgeführt werden, da eine solarbetriebene Kühlanlage die Lagerung der Impfstoffe sicherstellt.
Blick nach vorn
Die Reise bestätigte den Chor in seinem Ansatz, Hilfe nicht nur bereitzustellen, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten. Die Dorfgemeinschaft identifiziert sich mit den Schulen und dem Gesundheitszentrum, übernimmt Verantwortung und kümmert sich um deren Erhalt. „Wir möchten keine kurzfristigen Lösungen schaffen, sondern Menschen befähigen, ihre Zukunft selbst zu gestalten, oder wie ein afrikanisches Sprichwort sagt: Wir wollen keine Fische verschenken, sondern Angeln kaufen!“, so Goergen.
Mit dem neu gegründeten Nachwuchschor „Kleine Lichter für Afrika“ soll die Idee auch an kommende Generationen weitergegeben werden. Wenn „Ein Licht für Afrika“ am Fronleichnamswochenende des kommenden Jahres mit einem großen Jubiläumskonzert sein 20-jähriges Bestehen feiert, sollen auch die jungen Sänger auf der Bühne stehen.
red./jb



