Zweibrücken. Der Historische Verein Zweibrücken lädt am Mittwoch, 15. Juli, um 19 Uhr zu einem Vortrag in den Herzogsaal beim Stadtmuseum Zweibrücken ein. Referent ist Dr. Andreas Becker, wissenschaftlicher Archivar und Leiter des Universitätsarchivs Regensburg. Er stellt sein mit dem Pfalzpreis für Geschichte und Volkskunde 2025 ausgezeichnetes Buch „Obermoschel im Zeitalter der Französischen Revolution“ vor.
Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Entwicklung der Kleinstadt Obermoschel zwischen 1770 und 1815, einer Zeit tiefgreifender Umbrüche vom Ancien Régime hin zu den Anfängen des bürgerlichen Zeitalters. Aufgrund ihres Bergbaus war Obermoschel bis zum Untergang des Herzogtums ein bedeutender Wirtschaftsstandort von Pfalz-Zweibrücken.
Ausgangspunkt der Forschungsarbeit war das persönliche Interesse Andreas Beckers an den Lebensumständen seines Vorfahren Peter Homburger, der um 1800 als lutherischer Pfarrer in Obermoschel wirkte. Eine Familienerzählung, wonach Homburger an der Jagd auf den Schinderhannes beteiligt gewesen sein soll, führte Becker zur Geschichtswissenschaft. Nach mehr als zwei Jahrzehnten intensiver Forschung veröffentlichte er 2024, anlässlich des 675-jährigen Jubiläums der kleinsten Stadt der Pfalz, seine umfassende Mikrostudie, die inzwischen mit dem Pfalzpreis für Geschichte und Volkskunde ausgezeichnet wurde. Auf Grundlage einer breiten archivalischen Überlieferung zeichnet Becker nach, wie sich das Leben in Obermoschel durch die Französische Revolution veränderte. Dabei beleuchtet er unter anderem den Konflikt zwischen Amtmann und Stadtrat, den Überfall des Schinderhannes im Jahr 1801 sowie die Reaktionen der namentlich bekannten Einwohner auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen.
Die Studie basiert auf einer umfangreichen Quellenrecherche in Archiven zwischen Paris, Berlin und Wien. Besonders aufschlussreich sind die Protokolle der Zeugenvernehmungen nach dem Überfall des Schinderhannes. Sie dokumentieren eindrucksvoll, wie sich die Obermoscheler Bürgerschaft als einzige Gemeinde geschlossen für ihre jüdischen Mitbürger einsetzte und gewähren zugleich faszinierende Einblicke in den Alltag um 1800.
Der Vortrag verbindet die Entstehungsgeschichte des Buches, seine wissenschaftliche Methodik und ausgewählte Fallstudien zu einem lebendigen Bild der Stadtgeschichte Obermoschels und ihrer Einbettung in die europäische Geschichte.red./wj

