Brandschlag in Fraulautern

Die Tafel soll an das Schicksal von Samuel Yeboah erinnern. Foto: Molitor
Die Tafel soll an das Schicksal von Samuel Yeboah erinnern. Foto: Molitor - (Bild 1 von 1)

Saarlouis. 30 Jahre ist es her, dass der damals 27-jährige Samuel Yeboah bei einem Brandanschlag in Fraulautern gewaltsam zu Tode kam. An die heimtückische Tat vom 19. September 1991, ihre Opfer und den historischen Kontext erinnert nun eine Informationstafel, die die Kreisstadt Saarlouis nahe dem damaligen Tatort errichten ließ.

Neben Samuel Yeboah waren zum Tatzeitpunkt noch 18 weitere Flüchtlinge in der Asylbewerber-Unterkunft in der Saarlouiser Straße untergebracht, die bei ihrer Flucht aus den Flammen teils schwere Verletzungen erlitten. Im August 2020 wurde bekannt, dass die Ermittlungen im Mordfall Samuel Yeboah wieder aufgenommen und vom Generalbundesanwalt übernommen wurden, weil „gravierende Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund des Anschlags“ vorlagen.

Die Täter wurden bis heute nicht gefasst. Der Brandanschlag in der Saarlouiser Straße reiht sich ein in eine Serie von Anschlägen und Angriffen auf Flüchtlingswohnheime in ganz Deutschland zu Beginn der neunziger Jahre.

Auch darüber informiert die Tafel: Zeitgleich mit dem Brandanschlag in Fraulautern wurden Attentate in Hoyerswerda (17. bis 23. September) und Saarwellingen (19. September) verübt. In den Jahren 1991/92 waren Asylbewerber-Heime in Saarlouis innerhalb von nur 13 Monaten fünfmal Ziel von Anschlägen. Betroffen waren damals die Unterkünfte in Roden, Fraulautern, Beaumarais (Orannaheim) sowie in der Innenstadt (Gutenbergstraße).

Der damalige Tatort existiert nicht mehr, an selber Stelle wurde später ein Privathaus errichtet. Die Informationstafel befindet sich auf einem städtischen Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft dazu.

Am Sonntag jährt sich der Todestag von Samuel Yeboah zum 30. Mal. Zu diesem Anlass gestalten die Kreisstadt und der Integrationsbeirat Saarlouis, die evangelische Kirchengemeinde Saarlouis sowie die katholische Pfarreiengemeinschaft rechts der Saar am Sonntag, 19. September, einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der evangelischen Kirche Saarlouis. Eingeladen sind Bürger, die Samuel Yeboah an seinem Todestag gedenken wollen. Beginn ist um 18 Uhr, vor Ort gelten die aktuellen Corona-Bestimmungen (Abstandsregeln, Mundschutzpflicht bis zum Platz). Besucher*innen werden gebeten, etwas früher einzutreffen, da eine Kontaktdatenerfassung erfolgt.

Im Vorfeld des Gottesdienstes legt Beigeordneter Günter Melchior gemeinsam mit den Kirchengemeinden und dem Integrationsbeirat einen Kranz am Grab von Samuel Yeboah nieder. red./jb

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de