Beim Klettern sich selbst erfahren

Die sechs Kinder in (Watt)Matsch-Hosen und Gummistiefeln hatten zusammen mit Kindergärtnerin Tanja Kennel viel Spaß. Foto: v. Waldow
Die sechs Kinder in (Watt)Matsch-Hosen und Gummistiefeln hatten zusammen mit Kindergärtnerin Tanja Kennel viel Spaß. Foto: v. Waldow - (Bild 1 von 1)

Zweibrücken. „Wartet noch. Ihr könnt ins Wasser, aber erst später“. Tanja Kennel, Kindergärtnerin mit Leidenschaft, gelingt es gerade noch, ihre kleine Schar auf dem fließenden Bächlein am unteren Tschifflick-Parkplatz heraus zu halten.

Bis die Walderkundung auf Einladung des Kneippvereins Zweibrücken begann, hatten alle sechs teilnehmenden Kinder in (Watt)Matsch-Hosen und Gummistiefeln bereits die riesigen Pfützen auf dem Parkplatz ausgiebig untersucht und auch die ersten Steine für ein mögliches Mandala in den ausgeteilten Sammeltüten zusammen getragen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Dazu kam es an diesem Tag nicht mehr

Alle waren viel zu beschäftigt mit anderen Dingen wie Staudamm-Bauen oder das Faschingskostüm von Rabe Rudi finden.

Auf der Suche nach dem Faschingskostüm von Rabe Rudi

Nach dem gemeinsamen, ein Gemeinschaftsgefühl bildenden Einstiegslied zählte eines der Kinder die Köpfe, um immer wieder auch kontrollieren zu können, ob alle da sind. „Nie weiter laufen, als Ihr Tanja sehen könnt!“, schärft Tanja Kennel, selbst dreifache Mutter, den kleinen Waldabenteurern ein. Gerade noch rechtzeitig, denn ruckzuck ging es hügelauf. Blitzschnell entdeckten die aufgeweckten Vier- bis Sechsjährigen eine kleine Höhle, bemoste Baumstämme, kleine Bäume oder sonstige Geschenke der Natur.

Die teilnehmenden Mädels, die beiden Schwestern Fiona (5) und Emilia (6) sowie Junia (5) hatten sich sofort im Team verbündet und gingen zumeist gemeinsam auf Erkundung. Furchtlos und geschickt, überquerten sie zuerst auf dem wackeligen Reisigdamm den kleinen Bach, um auf der anderen Seite das erste Teil von Rabe Rudis Löwenkostüm zu finden.

Der kesse Rabe begleitete die kleine Abenteuer-Gruppe und durfte reihum von einem achtsamen Kind getragen werden. Immer wieder allerdings machte sich der Hunger bemerkbar, sodass immer wieder Snack-Pausen eingelegt werden mussten, in denen sich die Kinder an den mitgebrachten Leckereien von belegten Broten über mundgerechte Obst- und Gemüsestücke oder Kräcker gütlich taten. Auf die Erde gefallen?

Im Rahmen der „Fünfminuten-Regel“ konnte zum Glück alles eingesammelt, abgepustet und weiterhin genossen werden. Immer wieder musste Rudi an die Aufgabe erinnern, sein verlorenes Löwenkostüm in seinen Einzelstücken wieder zu finden – so vertieft waren die Kinder in ihr eigenes Spiel. Etwas, das auch Mama Olga faszinierte, die ihren zweieinhalbjährigen Sohn Jonas begleitete und dabei ab und zu ein Auge auch auf den älteren Adam (5) und die übrigen Kinder hatte. „Wir bauen einen Staudamm!“ Was für eine großartige Aufgabe.

Während einige Kinder im Bächlein nach geeignetem Material suchten, erklommen Emilia und Junia den Hang und schleiften mit vereinten Kräften furchtlos einen mannshohen langen Ast ins Tal. Jannis konnte sich gefühlt stundenlang dabei verweilen, trockene Blätter zur Ausgestaltung des Damms zusammen zu tragen und auch Jay-Dee (5) war voll in seinem Element. Aus den mitgebrachten Tüten, gefüllt mit Bachwasser, wurde im Nu ein Akquarium, selbst ohne Fische oder Kaulquappen. Beschäftigung genug – wäre da nicht die Suche nach Rudis Kostüm gewesen. Während die Kinder mit gemsenartiger Sicherheit hangauf / hangab kletterten, ungeachtet möglicher nasser Füße am liebsten tief durch das Bächlein wateten und kleine Steinschnellen meisterten, bedeutete der lange, mit Moos bewachsene Balancier-Baumstamm für den Einen oder die Andere doch eine gewisse Herausforderung, die Tanja Kennel händereichend zu meistern half.

Alles wäre optimal gewesen – ohne die dumme Uhr. Viel zu schnell verrann die Zeit. Noch einmal laut schreiend im Wald die eigene Stimme erheben. Ein Klang, der von einer kleinen Gruppe jugendlicher Sportler mit Freude beantwortet wurde und zur Achtsamkeit einlud. „Horcht, was klingt denn da?“ Das war lauter, als die von den Blättern tropfenden Regentropfen, dem Rauschen des Windes oder dem Gemurmel des Bächleins über den Steinen. Zur großen Freude von Rudi Rabe fanden sich auf dem Rückweg noch fast alle Teile seines Löwenkostüms, so dass er sich zu Fasching verkleiden kann. Während einige Kinder Tanja Kennel bereits von einem Kindergeburtstag oder der Halloween-Party des Kneippvereins kannten, fassten auch die übrigen sofort Vertrauen zu der „Herzblut-Erzieherin“, die sich geschickt und flexibel zu jeder Zeit gekonnt auf die Bedürfnisse der Kinder einließ und das Walderlebnis sich selbst entfalten ließ. Dabei zeigte sich: Spielzeug wird völlig überbewertet, wenn Kinder ihre eigene Kreativität ausleben dürfen. Die Eltern waren sich einige: „Raus in die Natur ist viel besser, als daheim rum zu sitzen.“

Termine an den

Adventsamstagen

Der nächste Termin beim Kneippverein Zweibrücken dafür ist der dritte Samstag im Monat, 17. Dezember. Jeweils 9.30 Uhr für die bis Fünjährigen und ab 14 Uhr für die Sechsjährigen. Treffpunkt ist am unteren Tschifflick-Parkplatz hinter den Gleisen. Anmeldung bei Saskia Griffin, Tel. (01 57) 86 87 28 51, Info: www.kneippverein-zw.de cvw

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