Alle Ausgaben als ePaper im Überblick

Auf den Spuren de Gaulles

Bildunterschrift: Eine Station der Reise war das Landhaus der Familie De Gaulle „La ­Boisserie“. Foto: Christoph Schmidt
Eine Station der Reise war das Landhaus der Familie De Gaulle „La ­Boisserie“. Foto: Christoph Schmidt - (Bild 1 von 1)

Überherrn. Angeregt durch den ZDF/ARTE-Film „Ein Tag im September“ sowie eine Soirée franco-allemande des Europa-Denkmal-Vereins im Dorfgemeinschaftshaus Felsberg zum Thema „De Gaulle – Adenauer“ reisten insgesamt 45 deutsche und französische Freundinnen und Freunde nach Colombey-les-Deux-Églises. Ziel der Tagesfahrt in die Landschaft des Départements Haute-Marne, dem Rückzugsort Charles de Gaulles, war es, das politische wie auch das private Wirken des französischen Staatsmannes und Humanisten näher kennenzulernen.

Nach der Ankunft stand zunächst das imposante Lothringer Doppelkreuz auf dem Programm – Symbol für ein freies Frankreich. De Gaulle hatte sich, falls überhaupt ein Denkmal entstehen sollte, ausdrücklich ein schlichtes Lothringer Kreuz gewünscht. In der benachbarten Gedenkstätte „Mémorial“ vertiefte die Gruppe in einer Dauerausstellung zentrale Stationen seines Lebens, seine Ideen und insbesondere die Bedeutung der Begegnungen mit Konrad Adenauer, damals Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Die Eindrücke aus der ­Ausstellung wurden beim anschließenden typisch französischen Mittagessen im Restaurant „À la table du Général“ lebhaft diskutiert.

Am Nachmittag folgte die Besichtigung des Familienanwesens „La Boisserie“ am Ortsrand von Colombey. Charles de Gaulle hatte das Haus bereits 1934 erworben und später einen Großteil seiner Zeit dort verbracht. Bei einer Führung wurde auch die besondere Rolle Adenauers hervorgehoben: Er war der einzige Staatsmann, der in „La Boisserie“ empfangen wurde – nicht nur als Politiker, sondern als Freund. Das Treffen vom 14. September 1958 gilt als wichtiger Ausgangspunkt des deutsch-französischen Aussöhnungsprozesses.

Ein weiterer Schwerpunkt des Studientages war der Besuch des Dorffriedhofs. Dort ruhen Charles de Gaulle, seine Frau Yvonne und die Tochter Anne. De Gaulles Wunsch nach Schlichtheit zeigt sich in dem einfachen weißen Grabstein ohne Tafeln und ohne floralen Schmuck. Nathalie Lagrange, Beigeordnete der Stadt L’Hôpital, Prof. Dr. Gerd Waschbusch sowie Organisationsleiterin Elfriede Klein legten ein Blumengebinde in deutsch-französischen und europäischen Farben nieder. Musikalisch begleitet wurde die Zeremonie von Trompeter Helmut Bulle, der die französische Nationalhymne und die Europahymne spielte. In den Ansprachen wurde die deutsch-französische Versöhnung als Grundlage des heutigen Europas gewürdigt und die besondere Symbolkraft dieses Ortes betont. Viele Teilnehmende empfanden die Kranzniederlegung als bewegenden Moment und verweilten anschließend, um die zahlreichen Gedenktafeln auf dem Friedhof zu betrachten.

Im Anschluss besuchte die Gruppe die Dorfkirche von Colombey, in der die Familie de Gaulle regelmäßig den Sonntagsgottesdienst besuchte. Den Abschluss bildete eine Champagnerprobe im Weingut „Champagne Christian Peligri et filles“.

Die Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt, die historische Dimension der privaten Begegnung de Gaulles und Adenauers von 1958 am Originalschauplatz nachvollziehen zu können.

Der Europa-Denkmal-Verein ­Berus e.V. dankte für den gelungenen Studientag insbesondere Organisationsleiterin Elfriede Klein, den Rednern bei der Kranzniederlegung, Trompeter Helmut Bulle sowie allen Mitreisenden. red./jb

  • Jetzt teilen:

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de