App für Erinnerungsorte

Homburg. Nach dem Projekt „Zeitkapsel“ steht ein weiteres Kooperationsprojekt zwischen Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums und dem Stadtarchiv Homburg vor dem Abschluss. Die Seminarfach-Klasse erarbeitete in der Stufe 11 zusammen mit ihrem Lehrer Matthias Pöhler eine App zu „NS-Erinnerungsorten in Homburg“, die ab dem 9. November benutzbar sein soll. Über 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Zeit des Nationalsozialismus leben heute kaum noch Zeitzeugen, die über diese schreckliche Zeit berichten können. Ziel der von den Schülern entwickelten App ist es, einen lebendigen Beitrag zur Erinnerungskultur zu leisten und besonders die junge Generation anzusprechen. Zu den Stationen der App gehören in der Altstadt der jüdische Friedhof, die Synagoge, das „Mahnmal gegen das Vergessen“ am Marktplatz sowie das Haus der Kaufmannsfamilie Salmon in der Eisenbahnstraße 6. Etwas außerhalb der Stadtmitte erforschte die Seminarfach-Klasse bei ihren Übungen zur wissenschaftlichen Arbeit das Polizeihaftlager Homburg-Nord, heute das Gewerbegebiet „Salvia“ in Erbach. Eine weitere Station erläutert die Hintergründe zu dem noch neuen Stelen-Mahnmal der Universitätskliniken des Saarlandes auf dem Klinik-Friedhof in der Cappelallee.

Das Stadtarchiv unterstützte die Klasse inhaltlich auf vielfältige Weise. Dazu gehörten Bild- und Text-Dokumente und Informationen, die im Vorfeld von Interview-Aufnahmen genutzt wurden. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs organisierten zusammen mit dem Historischen Verein Homburg und Umgebung eine Führung zu den Erinnerungsorten und hielten während mehrerer Besuche im Archiv Kurzvorträge zu den Forschungsthemen.

Die App transportiert diese Inhalte weiter. So lässt eine Audio-Datei den Kantor der Synagogengemeinde Saar ein Totengebet vortragen. Interviews mit Prof. Dr. Klaus Kell, früherer Amtsleiter für Kultur und Tourismus, und mit dem Initiator des städtischen „Mahnmals gegen das Vergessen“, Izhak Hirsch, erläutern die Entwicklungsschritte hin zur Gestaltung durch den Bildhauer Klaus Glutting. Neu im öffentlichen Fokus der Erinnerung ist das Polizeihaftlager Homburg-Nord. Es entstand 1939 auf dem Gelände der ehemaligen Tabakfabrik „Hewimsa“. Die App gibt Einblick in den Lageralltag der Gefangenen, die am Bau des Westwalls arbeiteten. Zu den Kooperationspartnern gehört auch die Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes, namentlich Dr. Sabine Graf. Die Schüler-App kann mit Mitteln des Jugendforums Saarpfalz finanziert werden. Hier kooperieren der Fachbereich Familien- und Jugendhilfe/Jugendamt des Kreises, das Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel, die Protestantische Jugendzentrale des Dekanats Homburg miteinander. Die Schüler freuen sich über Projektmittel in Höhe von 1 000 Euro. red./jj

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