Anträge ausfüllen und gemeinsam essen

Saarbrücken. Regelmäßig einmal im Monat trafen sich vor der Ausbreitung der Corona-Pandemie die Mitglieder der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Arm- oder Beinamputation im Regionalverband Saarbrücken und Umgebung. Da viele von ihnen stark gehbehindert oder auf den Rollstuhl angewiesen sind, war man auf barrierefreie Zugangsmöglichkeiten angewiesen, die man im Restaurant „Brockenhaus“ am Fuße des Halbergs fand.

Doch die ampuSHG-RV SB u.U. – so die Kurzbezeichnung der Gruppe – ereilte coronabedingt das gleiche Schicksal wie viele andere, die derzeit auf ihre Treffen verzichten müssen. Doppelt schlimm: Etwa 95 Prozent der Mitglieder sind weitgehend immobil und leiden besonders unter der Einsamkeit. Viele von ihnen haben keine Internetverbindung, da bleibt dann nur das Telefon als Draht zur Außenwelt.

Doch Ilona-Maria Kerber, die Vorsitzende der Saarbrücker Selbsthilfegruppe sowie der Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen für Menschen mit Arm- oder Beinamputation im Saarland, ist eine engagierte und leidenschaftliche Kämpferin für die Rechte ihrer Mitglieder, und so kam sie auf die Idee, privat Besuchernachmittage durchzuführen und dazu coronakonform die Mitglieder aus der Saarbrücker Selbsthilfegruppe und drei weiteren im Saarland (Landkreise Merzig-Wadern, Saarlouis und Saarpfalz) einzeln zu sich nach Hause nach Saarbrücken einzuladen.

Da sie selbst seit kurzer Zeit über einen Treppenlift verfügt, ist Barrierefreiheit im Haus gegeben. Die Fahrten mit speziellen Fahrzeugen werden von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Persönliche Gespräche

gegen die Einsamkeit

Beim Besuch werden dann gemeinsam Schreiben formuliert, Formulare ausgefüllt o.ä. Und weil die Gastgeberin leidenschaftlich gerne kocht, gibt‘s auch immer – nach vorheriger Absprache – etwas Leckeres zu essen. Das persönliche Gespräch, weiß Ilona-Maria Kerber, ist mindestens so wichtig wie der anstehende „Papierkram“.

Seit dem 6. Januar kommt außer dienstags und donnerstags auch an den Wochenenden jeden Tag ein Gast aus dem Kreis der Selbsthilfegruppen für Menschen mit Arm- oder Beinamputation aus dem gesamten Saarland. Dass die 15-km-Regel bei entsprechender Inzidenz dem einen Riegel vorschieben könnte, glaubt Ilona-Maria Kerber nicht. Sie hat sich bereits kundig gemacht und erfahren, dass diese Regelung, so sie denn käme, nur tagestouristische Ausflüge unterbindet.

Schon im Advent hat die engagierte Kämpferin für die Rechte der Menschen mit Behinderung einen Fahrdienst organisiert, der den Mitgliedern der Selbsthilfegruppen coronakonform ein kleines Präsent vorbeibrachte – sehr zu deren Überraschung. Es geht schließlich darum, die Kommunikation nicht abreißen zu lassen und dort Unterstützung zu leisten, wo es notwendig ist. Und es geht darum, der Einsamkeit den Kampf anzusagen.tt

  • Jetzt teilen:

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de