Altlasten aus den Weltkriegen

Familienangehörige und Freunde der Besatzung warten sehnlichst darauf, dass das Minenjagdboot HOMBURG festmacht und für den Besuch freigegeben wird. Foto: Kleine
Familienangehörige und Freunde der Besatzung warten sehnlichst darauf, dass das Minenjagdboot HOMBURG festmacht und für den Besuch freigegeben wird. Foto: Kleine - (Bild 1 von 1)

Homburg. Pünktlich passiert das Patenboot der Kreisstadt Homburg, das Minenjagdboot HOMBURG der Deutschen Marine, die Molenköpfe des Marinestützpunktes an der Kieler Förde. Damit kehrt die HOMBURG (M 1069) des 3. Minensuchgeschwaders nach 107 Tagen aus einer sogenannten einsatzgleichen Verpflichtung, dem Ständigen NATO Minenabwehrverband 1 (Standing NATO Mine Countermeasures Group 1, kurz SNMCMG 1), aus der Nord- und Ostsee in ihren Heimathafen Kiel zurück. Es hat aufgeklart und sogar die Sonne lässt sich blicken, als das Minenjagdboot unter dem Kommando von Korvettenkapitän Florian Holzhüter zu den Klängen des Marinemusikkorps Kiel an der Scharnhorstbrücke festmacht.

Neben den Angehörigen und Freunden der Besatzung sind zahlreiche Soldaten des 3. Minensuchgeschwaders auf der Pier angetreten, um die HOMBURG gebührend zu empfangen. Aus Homburg sind dazu Achim Müller, Patenschaftsbeauftragter der Kreisstadt Homburg und Dietrich Peter Kleine, zweiter Vorsitzender der Marinekameradschaft Homburg e. V. sowie MK-Mitglied Jürgen Koßmann als Empfangsdelegation nach Kiel gereist.

Einsatzgleiche Verpflichtung unter der NATO-Flagge

Kommandant Holzhüter und die HOMBURG-Besatzung werden von Fregattenkapitän Terje Schmitt-Eliassen,

Kommandeur des 3. Minensuchgeschwaders, begrüßt. Für die 44-köpfige Besatzung begann die Reise am 12. Juli in Kiel unter der Führung von Kapitänleutnant Finn Fritz, der normalerweise das Kommando über das Minenjagdboot DILLINGEN innehat. Der ursprünglich vorgesehene Kommandant, Korvettenkapitän Florian Holzhüter, schaute seiner Besatzung beim Auslaufen von der Pier aus zu. Der Grund dafür war allerdings kein unbedeutender, denn die Geburt des ersten Kindes stand bevor und so hieß es zunächst für Kapitänleutnant Fritz: „Leinen los und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“.

Zunächst verblieb das Boot im bekannteren Gewässer der Ostsee und steuerte als erstes den Marinestützpunkt Hohe Düne in Rostock an. Dort traf der aus Schiffen und Booten von sieben NATO-Nationen bestehende Verband unter Führung eines US-amerikanischen Stabs das erste Mal so richtig zusammen. Anfang Oktober wurde die Führung der NATO-Group dann an Polen übergeben. Kurz darauf stand das erste Manöver vor der Tür und so konnten in der Eckernförder Bucht eine alte Grundmine sowie eine alte Granate lokalisiert werden. Eine Sprengung unterlieb aufgrund der aktuellen umweltschutzrechtlichen Auflagen und so wurden die beiden explosiven Kontakte lediglich kartographiert und den zuständigen Behörden gemeldet. Weiter ging es über Dänemark nach Norwegen und anschließend von dort aus in die deutlich unruhigere und rauere Nordsee. Die ersten „Brecher“ mussten weggesteckt werden und auch dem letzten „Frischling“ waren nun Seebeine gewachsen. Erneuter Stopp wurde im französischen Cherbourg eingelegt, wo auch der Kommandantenwechsel stattfand. Anschließend ging es wieder auf See, um dieses Mal vor der französischen Nordseeküste nach den gefährlichen und rostenden Altlasten zu suchen. Insgesamt konnten durch den NATO-Verband drei alte Minen unschädlich gemacht werden – ein voller Erfolg also.

Drei alte Minen

unschädlich gemacht

Vor der niederländischen Küste fand anschließend das erste Übungsmanöver „Sandy Coast“ statt, bei dem anstelle echter Minen lediglich Übungsminen gesucht wurden. Das Wetter war erneut nicht auf der Seite der Besatzung und so wurde die Crew in diesen zwei Wochen auf dem 54,4 Meter langen Minenjagdboot ordentlich durchgeschüttelt. Zum weiteren Verlauf des Einsatzes sagte Kommandant Korvettenkapitän Holzhüter: „Nun hieß es Kurs in Richtung britische Inseln zu setzen und neben Cardiff, Glasgow und Belfast wurde nach Absolvieren des Manövers „Joint Warrior“ zu guter Letzt auch die britische Hauptstadt London angelaufen. Auf dem Weg dorthin stellte die HOMBURG, deren Höchstgeschwindigkeit eigentlich 18 Knoten (ca. 33 km/h) beträgt, in der Meerenge zwischen dem nördlichen schottischen Festland und Orkney, dem Pentland Firth, einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Aufgrund der Intensität des Gezeitenstroms erreichte die HOMBURG 26 Knoten (48 km/h). Bevor es wieder in die Ostsee ging, standen noch ein Hafenbesuch in Amsterdam und ein letztes Manöver vor der niederländischen Küste an. Erneut wurden Altlasten aus den beiden Weltkriegen gesucht.

In Cuxhaven erfolgte dann die offizielle Übergabe an das Minenjagdboot BAD BEVENSEN, das dem NATO-Verband bis zum Jahresende unterstellt sein wird“. Dann trennte nur eine letzte Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal die Besatzung noch von ihren Familien und Freunden.

Nach vielen Jahren ständig wechselnder Besatzungen und damit einhergehender unklarer Verhältnisse zur Patenstadt ist nun die Besatzung der HOMBURG wieder fest dem Minenjagdboot zugeordnet. Dementsprechend war die Freude bei der Patenstadtdelegation und der Besatzung groß. Endlich im Marinestützpunkt Kiel festgemacht, wurden Boot und Besatzung durch zahlreiche Anwesende begrüßt und nachdem die Stelling endlich für Besucher freigegeben wurde, kullerte die ein oder andere (Freuden-) Träne selbst beim bärtigsten Seemann. red./jj

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