70 Jahre Europäische Akademie

Das „Europäum“ der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO). Foto: Kerstin Adam
Das „Europäum“ der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO). Foto: Kerstin Adam - (Bild 1 von 1)

Otzenhausen. Otzenhausen – ein kleines Dorf im Saarland, und doch in vielen Orten auf der ganzen Welt bekannt. Grund dafür sind die 10000 Menschen aus aller Welt, die jedes Jahr an die Akademie kommen, um anderen Menschen zu begegnen, sich auszutauschen und gemeinsam über eine freie, friedliche, tolerante und nachhaltige Welt nachzudenken.

70 Jahre ist es nun her, dass 5000 Menschen – darunter 20 Mitglieder des Europarates – die Einweihung des Europa-Hauses feierten. Was Gründungsdirektor Arno Krause 1954 anstrebte, nämlich der europäischen Jugend einen Raum für Begegnung zu schaffen, hat bis heute Bestand.

Grund genug für ein quicklebendiges Festkonzert mit dem „Orchestre Symphonique SaarLorraine“ am Sonntag, 10. März, in der Europäischen Akademie Otzenhausen. Bei aller Vorfreude gibt es doch einen kleinen „Wermutstropfen“: Das Konzert ist bereits ausgebucht. Zu den Gratulanten am 10. März gehört auch Staatssekretär David Lindemann, Chef der Staatskanzlei des Saarlandes und Bevollmächtigter für Europaangelegenheiten. Er vertritt Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die die Schirmherrschaft übernommen hat.

„Wir freuen uns sehr, dass die saarländische Politik unser Doppeljubiläum so würdigt,“ sagt Stéphanie Bruel, die gemeinsam mit Marco Wölflinger mit der Geschäftsführung der Akademie betraut ist. „Dabei ist dieses Konzert nur der Auftakt zu einer Reihe weiterer Jubiläumsveranstaltungen zu unserem 70. – mal festlich, mal wissenschaftlich, mal kulturell, mal besonderer Bildungsevent, mal Open-Air-Fest und immer mit Bezug auf unser Thema Europa. Lassen Sie sich im Laufe des Jahres überraschen!“

Im Laufe der Jahre ist viel passiert an der Europäischen Akademie Otzenhausen. Vor allem die Anfangsjahre waren von wegweisenden Entwicklungen geprägt. Hierzu zählten die Gründung des Instituts für politische Bildung und die Förderung der deutsch-französischen Zusammenarbeit im Jahr 1959, die Mitbegründung der Internationalen Föderation der Europahäuser (FIME) im Jahr 1962 sowie die Gründung des Instituts für Rhetorik und Methodik der politischen Bildung (IRM) im Jahr 1968.

Letzteres war insofern ein besonderer Meilenstein für die EAO, als dass nun das Tätigkeitsfeld Rhetorik etabliert wurde: Rhetorik in der politischen Bildung. Das war neu und einzigartig. Und bleibt es auch, bis heute. Auch räumlich erweiterte sich die EAO. 1993 wurde das größte Gebäude der EAO, das Europaeum eingeweiht und das Arboretum Europaeum eingerichtet.

Inhaltlich kam 2006 ein bedeutendes Tätigkeitsfeld hinzu. Mit der Bildungsinitiative „Mut zur Nachhaltigkeit“ engagiert sich die EAO seitdem gemeinsam mit der Asko Europa Stiftung und der Stiftung Forum für Verantwortung in den vielfältigen Themen der nachhaltigen Entwicklung.

Zur etwa selben Zeit wurde es internationaler an der Akademie: Studierende aus der ganzen Welt treffen sich seitdem an der EAO, fern der Heimat, um sich auszutauschen und zu erfahren, wie Europa tickt.

Ein besonderer Schwerpunkt der EAO darf nicht unerwähnt bleiben. Seit ihrer Gründung war es den Verantwortlichen stets ein Anliegen, Werte wie Kreativität, Toleranz und Offenheit durch Kunst und Kultur zu vermitteln. Gemeinsam mit der Stiftung Europäische Kultur und Bildung (SEKB) führt die EAO regelmäßig unterschiedliche Kulturveranstaltungen durch, getreu dem Motto: „Europa ist auch Kultur – und Kultur ist Bildung!“ (Arno Krause).

Die letzten 70 Jahre haben gezeigt, dass Entwicklung und Veränderung nur stattfinden können, wenn man sich auf neue Wege begibt – ohne jedoch die grundlegenden Ziele aus den Augen zu verlieren. Deshalb erschließt die Akademie immer wieder neue Horizonte. Im Zentrum der Arbeit steht aber nach all den Jahren nach wie vor die Begegnung. Und dazu gehört auch, Gästen das Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft zu vermitteln. Oder wie es Arno Krause zum 60-jährigen Jubiläum der Akademie formulierte: „Du brauchst ein gastliches Haus. Die Leute müssen das Gefühl haben ‚Hier bin ich dahämm‘.“ red./hr

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