Zwischen Jazz und Pop

Der zweite Tag des Internationalen Jazzfestivals bringt Partystimmung in die Stadthalle

ST. INGBERT Wenn der Begriff Jazz fällt, so verbinden viele Leute damit immer noch die sperrigen Klänge, die in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts diese Musik zum intellektuellen Abenteuer machen.

Doch zum Glück hat sich das grundlegend geändert. Jazz ist vielmehr eine Melange aus ganz unterschiedlichen Einflüssen. Und der kann auch durchaus nach Pop und Party klingen, was man am zweiten Abend des 32. Internationalen Jazzfestivals St. Ingbert erleben kann.

Indra Rios-Moore

Am Freitag, 20. April, stehen zwei ganz unterschiedliche Formationen auf der Bühne der Stadthalle. Dennoch verbindet sie eines, nämlich die Offenheit für populäre Klänge, mit denen sie ihre grundsolide Jazzbasis ausbauen. Den Auftakt macht die aus Manhattan stammende und heute in Dänemark lebende Sängerin Indra Rios-Moore. Zusammen mit dem Saxophonisten Benjamin Trrup und Thomas Sejthen am Bass steht sie seit 2007 auf den Bühnen der Welt. Das Repertoire von Indra ist auf ihre frühen musikalischen Erfahrungen mit der Plattensammlung ihrer Mutter begründet. Daher erlebt man bei den Auftritten des Trios eine bunte Mischung aus Songs, die sowohl aus dem Great American Songbook als auch eindrucksvollen Pop-Stücken besteht. Durch die sanften Arrangements im Retro-Sound passen sie zur seidigen Stimme der Sängerin. Wer jedoch Ausflüge in nostalgische Biotope erwartet, wird enttäuscht sein. Denn Indra Rios-Moore und ihre Musiker verstehen immer wieder zu überraschen. Das neue Album mit dem „Titel Carry My Heart“ beinhaltet eine Songauswahl von Curtis Mayfield über die Isley Brothers und Steely Dan bis hin zu George Gershwin und Duke Ellington.

No Jazz

Als Überschrift des zweiten Konzertteils könnte eine provokante Frage stehen: Darf Jazz auch Spaß machen? Die Antwort ist an diesem Abend einfach: Er muss sogar! Jedenfalls, wenn man der französischen Formation „No Jazz“ Glauben schenken darf, die seit mehr als 15 Jahren Jazzkonzerte zum Dancefloor verwandelt. Wie das klingt, durften die Besucher des St. Ingberter Jazzfestivals bereits 2004 erfahren. Schon damals überzeugten die fünf Franzosen mit unbändiger Freude an Rhythmus und verwandelten den Konzertsaal in eine Partymeile. Kaum anders dürfte es beim aktuellen Besuch in St. Ingbert sein. Denn die Auftritte von „No Jazz“ – die entgegen ihrem Namen durchaus Jazzmusik machen – begeistern mittlerweile auf allen Festivals von Montreux, Paris und Montreal. „NoJazz, noJazz, noJazz - you never know what‘s going to happen, but you‘ll have fun!“ lautet das Motto der Franzosen. Und damit sorgen sie in der europäischen Jazzszene durchaus für Wirbel. Indem sie ganz einfach vormachen, wo es im Jazz langgeht. Funk und Hip Hop als Basis fusionieren mit den druckvollen Elementen moderner Clubmusik und ausgewählten Weltmusikanleihen aus der Karibik oder dem Nahen Osten. Scratches, Samples und sonstiger Elektronikzauber verschmelzen mit den ‚echten‘ Instrumentalisten.

Karten gibt es u.a. in allen Verlagsbüros von WOCHENSPIEGEL und DIE WOCH saarlandweit und unter www.WochenspiegelOnline.de/tickets. red./jj

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