Zweiter Preis für Familie Caroli

Ihr Bauernhaus in Mainzweiler wurde liebevoll und aufwendig restauriert

MAINZWEILER Das historische Bauernhaus von Rieke und Timo Caroli in Mainzweiler wurde beim Wettbewerb „Saarländische Bauernhäuser – Zeugnisse unserer Heimat“ mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Dazu wurde feierlich eine Plakette an der Außenwand angebracht.

In der heutigen Geschichtswissenschaft habe man sich immer mehr darauf besonnen, erklärte Staatssekretär Roland Krämer bei der Veranstaltung, dass nicht nur Herrscher und Staaten, sondern auch Arbeiter und Bauern aus dem Dorf „eine Geschichte haben, und dass sie eine eigene Kultur haben.“

Diese „prägt sich in ganz besonderem Maße in einem Haus.“ Hier fällt auf, dass der Hausbau „sehr unterschiedlich ist in den verschiedenen Gegenden, je nachdem, wie die Kultur und die wirtschaftlichen Gegebenheiten waren.“

So kann ein Altbau von der individuellen Geschichte der einfachen Menschen eines Dorfes erzählen, und ein wertvolles kulturelles Erbe sein, wenn er erhalten oder stilgerecht restauriert wird. Es ist „ein Zeitzeuge“, der „über viele Generationen hinweg Heimat war“, so Landrat Sören Meng.

Da heute kaum noch regionaltypisch gebaut wird, bewahrt ein historisches Haus außerdem den individuellen Charakter seines Dorfes.

Um zum Erhalt der alten Häuser beizutragen, wurde 1984 der saarländische Bauernhauswettbewerb begonnen. Er fand 2018 im 18. Durchgang statt und wird wissenschaftlich und organisatorisch von Prof. Dr. Heinz Quasten begleitet.

Familie Caroli, die dieses Mal zu den Preisträgern gehört, hat ihr vor 1766 entstandenes Gebäude liebevoll restauriert: die originellen Klappläden wurden instand gesetzt, der grau-hellbeige Außenputz angebracht, ein Scheunentor hat das Garagentor ersetzt.

Es ist ein Arbeiterbauernhaus, und damit besonders charakteristisch für das Saarland. Viele Saarländer waren Bergmannsbauern. Sie arbeiteten im Bergbau, aber betrieben zusätzlich Landwirtschaft, um sich zu versorgen, da oft Armut herrschte. Als der Wohlstand aber stieg, wurden im Garten nicht mehr nur Lebensmittel angebaut, sondern sich auch „den schönen Dingen zugewandt“ und Blumen gepflanzt. Dieses Stück Geschichte erzählt auch das Haus in Mainzweiler, wie Krämer feststellt, und er bedankt sich mit den anderen offiziellen Vertretern für das Engagement der Familie Caroli. Denn eine stilgerechte Renovierung erfordert Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail und ist oft kostspielig, da beispielsweise handgefertigte Materialien verwendet werden müssen.

Dabei hilft auch die neue Saarländische Arbeiterhausfibel, die er ebenfalls vorstellte. Sie enthält Informationen zu finanziellen Fördermöglichkeiten des Umweltministeriums und ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes) sowie Anregungen für die Restaurierung und gibt Einblicke in die geschichtliche Entwicklung und Formenvielfalt der Arbeiterhäuser.

Auf der Homepage des Ministeriums kann sie kostenlos bestellt werden: www.saarland.de/SID-6BCF3C58-F8F4037A/ 244183.htm. sg

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