Zwei enorm wichtige Punkte

VTZ dreht verloren geglaubtes Spiel gegen TVS 1907 Badeb-Baden

ZWEIBRÜCKEN Die Spiele der VTZ-Handballer sind in dieser Saison nichts für schwache Nerven. Am gestrigen Abend gewannen sie auswärts beim TVS 1907 Baden-Baden knapp mit 31:33 (19:16). Fünf Minuten vor dem Ende lagen sie schon fast aussichtslos mit 31:27 in Rückstand, um dann im Schlussspurt einen Gang hochzuschalten und die Partie zu drehen. Bester Werfer auf Seiten der VTZ war Tom Paetow mit elf Treffern.

„Der Sieg freut mich einfach ungemein für die Jungs. Sie haben heute viel Moral gezeigt und sind mit zwei enorm wichtigen Punkten für uns belohnt worden“, sagte VTZ-Trainer Danijel Grgic nach der Partie, dem die Erleichterung in jedem Wort anzumerken war. Grgics Gegenüber Ralf Ludwig hingegen fand kaum Worte um das zu beschreiben, was in der Schlussphase abgelaufen war. „Aufgrund der guten Anfangs- und Schlussphase der VTZ ist der Sieg nicht unverdient. Es ist nicht leicht zu erklären was am Ende passiert ist. Besonders bitter ist vor allem, dass uns das gegen einen direkten Mitkonkurrenten passiert ist“, ärgerte sich Ludwig.

Die Partie begann aus Sicht der VTZ sehr vielversprechend. Die 3:2:1-Abwehr der Saarpfälzer zeigte sich sehr aggressiv und beweglich. Die Gastgeber hatten gerade in den ersten Minuten einige Probleme und die VTZ ging schnell mit 1:4 (7.) in Führung. Auch Yannic Klöckner im VTZ-Tor zeigte gerade in der ersten Halbzeit ein deutliche Steigerung zur Vorwoche und wusste mit einigen guten Paraden auf sich aufmerksam zu machen. Ähnlich wie die VTZ agierten auch die Gäste aus einer offensiven Deckung heraus, die aber gerade VTZ-Rückraumspieler Tom Paetow sehr entgegenkam. Paetow traf nach Belieben und war auch sonst Dreh- und Angelpunkt im Angriffsspiel der VTZ. TVS-Trainer Ralf Ludwig ließ seine Mannschaft in der Folge in der Abwehr etwas defensiver agieren. Im Angriff führte Maximilian Vollmer sehr ruhig und unaufgeregt Regie und brachte immer wieder den rechten Rückraumspieler Jonas Schuster in guten Positionen. Von Schuster ging ungemein viel Gefahr aus und die VTZ bekam den schnellen und sprunggewaltigen Linkshänder kaum in den Griff. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch TVS-Spieler Maximilian Vollmer (6:6, 12.), konnte sich die VTZ erneut leichte Vorteile erarbeiten und ging nach Treffern von Mokris, Petrusis und Wiese erneut mit 7:9 (16.). Petrusis, der eine gute Partie bot, hatte nach dem kurzfristigen Ausfall vom Tomas Kraucevicius die ganze Last im rechten Rückraum zu tragen und machte in der Summer eine ordentliche Partie. Die Gastgeber zeigten sich von der erneuten Führung wenig beeindruckt und drehten die Partie binnen weniger Minuten (10:9, 19.). Die VTZ-Abwehr verfiel jetzt wieder in alte Muster und auch im Angriff ließ die Konzentration nach. „Wir haben in der Phase zu schnell die Bälle hergeschenkt“, ärgerte sich Danijel Grgic. Der TVS nutzte dies geschickt aus und ging nach einem Treffer des 13-fachen Torschützen Simon Bornhäußer mit 17:13 (27.) in Führung. Zur Halbzeit führte der Mitaufsteiger Baden-Baden verdient mit 19:16.

In der zweiten Halbzeit blieben die Gastgeber weiterhin am Drücker. Vor allem die Manndeckung gegen Tom Paetow, die TVS-Trainer Ludwig gegen den bislang besten Zweibrücker verordnete, zeigte ihre Wirkung. Doch die Zweibrücker ließen sich nicht abschütteln und kämpften verbissen um jeden Zentimeter Boden. In der 39. Spielminute dann handelte sich VTZ-Spieler Martin Mokris seine dritte Zeitstrafe ein und konnte seine Mannschaft von da an nur noch von der Tribüne aus unterstützen. Nach dem zwischenzeitlichen 25:21 (40.) verkürzte die VTZ nach einem Treffer von Laurynas Petrusis auf 25:23, was Ralf Ludwig dazu zwang dem Mini-Lauf entgegenzusteuern und eine Auszeit zu nehmen. Seine Mannschaft hatte aufmerksam zugehört und erhöhte nach einem Treffer vom guten Jonas Schuster auf 26:23. Grgic nahm ebenfalls eine Auszeit und stellte seine Jungs neu ein. Grgics Stiefsohn Tom Paetow erwachte jetzt aus seiner künstlerischen Pause und verkürzte mit zwei Treffern den Rückstand wieder auf 27:25 (51.). In der Abwehr agierten die Zweibrücker jetzt noch offensiver und versuchten sich auch immer wieder an einer Manndeckung, was auch Wirkung zeigte. Alexey Wetz fängt einen unsauberen Pass ab, marschiert alleine auf das Gästetor und vergibt. Im Gegenzug dann erhöht der überragende Simon Bornhäußer für die Gastgeber wieder auf 28:25 (52.). Anstatt den Rückstand auf ein Tor zu verringern, lag man so wieder drei im Rückstand. Martin Mokris auf der Tribüne mutmaßte jetzt, dass der TVS irgendwann müde werden muss. „Sie haben bislang kaum gewechselt“, sagte Mokris und sollte vorerst nicht Recht behalten. Linksaußen Simon Bornhäußer deckte in dieser Phase gnadenlos die Stellungsprobleme der offensiven VTZ-Deckung auf und brachte seine Mannschaft mit 30:26 (53.) in Front. Ebenfalls ganz stark präsentierte sich in dieser in der zweiten Hälfte TVS-Torhüter Thilo Hafner, der das Torhüterduell mit Yannic Klöckner in der zweiten Halbzeit ganz klar zu seinen Gunsten entschied. Beim Stand von 31:27 (55.). Nahm Grgic seine letzte Auszeit. Fortan agierte die VTZ aus einer 3:3-Deckung heraus. Die Gastgeber sollten damit in der Schlussphase nicht mehr zurechtkommen. Ob es jetzt doch die Kräfte waren, wie Mokris mutmaßte, oder vielleicht auch das falsche Gefühl der Sicherheit, kann man deuten wie man will. Fakt aber ist, dass sie sich jetzt einen Ballverlust nach dem anderen erlaubten und den Weg zum Tor der VTZ, wo jetzt Sven Mevissen stand, nicht mehr fanden. „Wir haben auf einmal keinen Abschluss gefunden, sondern noch zusätzlich dem Gegner den Ball in die Hände gespielt“, sagte ein sichtlich zerknirschter TVS-Trainer nach der Partie. Kreisläufer Robin Schweitzer konnte in der 59. Minute den 31:31 Ausgleich erzielen, dem nur wenig später die Führung nach einem verwandelten Gegenstoß vom Alexey Wetz folgte. Wetz hatte erneut geschickt den Ball abgefangen und blieb dieses Mal auch eiskalt beim Abschluss. Die Gastgeber nahmen jetzt die letzte verbliebene Auszeit. Die Verunsicherung war ihnen anzumerken, denn ein weiterer Ballverlust wäre der sichere KO. Doch die Abwehr der Saarpfälzer war jetzt nicht mehr zu überwinden, was sie zu einem Wurfversuch aus schlechtem Winkel zwang, mit dem Mevissen im VTZ-Gehäuse nur wenig Mühe hatte. Die VTZ versuchte in den verbliebenen knapp 30 Sekunden möglichst viel Zeit von der Uhr zu nehmen und geduldig auf eine gute Wurfchance zu warten. Petrusis wurde auf Linksaußen freigespielt und nutzte den Platz für die Entscheidung. Am Ende gewinnt die VTZ glücklich, aber nicht unverdient, mit 31:33 in Sandweier.

„Wir wussten, dass es heute mehr als schwer wird. Trotz des Rückstands wussten wir spätestens seit dem Heimspiel gegen Neuhausen, was alles in der Schlussphase passieren kann und, dass man bis zum Schlusspfiff hellwach sein und an seine Chance glauben muss“, sagte Grgic beim anschließenden Trainergespräch. Durch den Sieg klettern die Zweibrücker, zumindest vorübergehend, auf den elften Rang in der 3. Liga Süd. In Anbetracht der kommenden zwei Aufgaben mit den Spitzenteams aus Pforzheim und Konstanz, war diese Punkte ungemein wichtig, um wieder etwas mehr Ruhe einkehren zu lassen. red./dos

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de