Zurück zur Natur

Wie aus einem Wochenendgrundstück ein neues Stück Natur wurde

WELSCHBACH Die Naturland Ökoflächen-Management GmbH (ÖFM) konnte in Welschbach ein Wochenendgrundstück zurückbauen und die Fläche der Natur zurückgeben. Das Grundstück mit einer Größe von rund 4000 Quadratmetern befindet sich nahe der Landstraße zwischen Hüttigweiler und Welschbach in Höhe der Hirzweiler-Mühle im Naturschutzgebiet „Täler der Ill und ihrer Nebenbäche“.

Ein Nebenbach der lll durchfließt das Gelände, der jedoch durch zwei (Beton-)teiche abgetrennt war. Asbesthaltige Eternit-Platten und betonierte, versiegelte Flächen belasteten die Natur zusätzlich.

Die ÖFM konnte mehrere Holzschuppen, das Wochenendhaus samt Ver- und Entsorgungsleitungen sowie den rundum verlaufenden Zaun abreißen und das Material fachgerecht entsorgen.

Solche Rückbauprojekte sind ohne Förderung wirtschaftlich nicht zu realisieren, da die frei werdenden Flächen wieder der Natur zur Verfügung stehen sollen und nicht „vermarktet“ werden können. Zur Finanzierung des Rückbaus hat das saarländische Umweltministerium im Rahmen eines FERN Projekts der ÖFM eine finanzielle Zuwendung gewährt. Gefördert wurden der Erwerb des Grundstücks einschließlich der baulichen Anlagen, die mit dem Projekt verbundenen Planungsarbeiten, die Abriss- und Rückbauarbeiten, die fach- und umweltgerechte Entsorgung des Abrissmaterials sowie die Renaturierungsmaßnahmen.

Nach Rückbau und Entsiegelung der Fläche soll der natürliche Wasserlauf neu angelegt werden, so dass wieder eine natürliche Auensituation entstehen kann. Dies kommt auch dem Hochwasserschutz zugute. Ganz nebenbei gewinnt auch die Landschaft an attraktivem Erholungswert und die Landschaft ist ein Stück weniger zerschnitten.

Was ist eigentlich FERN?

FERN ist ein Programm des saarländischen Umweltministeriums, das den Rückbau landschaftsfremder Elemente und aufgegebener Anlagen in der freien Landschaft bezuschusst.

Da die unbesiedelte und unbebaute Fläche eine begrenzte Ressource ist, muss mit dem Grund und Boden effizient umgegangen werden. Letztlich sollte eine ausgeglichene Flächenbilanz das langfristige Ziel einer vorsorgenden Landesentwicklung sein, das heißt, es dürfen nicht mehr Flächen für Industrie, Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen werden als durch Rückbaumaßnahmen an die freie Landschaft wieder zurückgegeben werden.

Warum Rückbau?

Täglich werden sowohl in der freien Landschaft als auch innerorts Flächen für Siedlung und Verkehr beansprucht. Durch den damit verbunden Flächenverbrauch und die Versiegelung des Bodens gehen natürliche Bodenfunktionen, gehen fruchtbare landwirtschaftliche Flächen, aber auch Naturflächen mit ihrer Artenvielfalt verloren.

Für die meisten Pflanzen- und Tierarten bedeutet der Landschaftsverbrauch auch eine Zerschneidung der freien Landschaft, die zu einer Verinselung ihrer Lebensräume und Populationen führt mit der Folge, dass die Bestände der Tier- und Pflanzenarten immer mehr zurückgehen. Andererseits fallen durch den demografischen Wandel und durch gesellschaftliche Veränderungen immer mehr nicht mehr benötigte bauliche Anlagen in der freien Landschaft an. Hier eröffnet sich die Chance, durch Rückbau naturnahe Räume wieder zurückzugewinnen und die Zerschneidung der freien Landschaft zumindest teilweise wieder rückgängig zu machen.red./eck

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