Zukunftsfähig & maßgeschneidert

Eckpunkte des neuen Konzeptes für flächendeckende ärztliche Versorgung vorgestellt

SÜDWESTPFALZ Die Städte Zweibrücken und Pirmasens sowie der Landkreis Südwestpfalz wollen junge Ärzte für die Südwestpfalz gewinnen, um die ärztliche Versorgung in der Region zu sichern. Geplant ist die Gründung einer Genossenschaft, die in der Südwestpfalz mehrere medizinische Versorgungszentren einrichtet und junge Ärzte einstellt.

Nach einer erfolgreichen Auftaktveranstaltung im August und Oktober 2018, an der Mediziner, Verbandsvertreter und Experten teilgenommen haben, wurde unter Federführung von Axel Motzenbäcker, Geschäftsführer Medi Südwest, ein zukunftsfähiges und für die Region maßgeschneidertes Genossenschaftskonzept erstellt, das Modellcharakter besitzt. Im Rahmen einer neuen Informationsveranstaltung stellten der Pirmasenser Urologe und Vorsitzende der ärztlichen Kreisvereinigung, Horst Brenneis, der Geschäftsführer der Medi Südwest, Axel Motzenbäcker, Rechtsanwalt Martin Spaetgens aus Trier als Berater der Genossenschaftsgründung, die Bürgermeister der Städte Pirmasens und Zweibrücken, Markus Zwick und Christian Gauf sowie die Landrätin Dr. Susanne Ganster die Eckpunkte des neuen Modells vor.

Das Genossenschaftskonzept könnte funktionieren“, betonte Brenneis. In der MZV-Genossenschaft können Ärzte als Vertragsärzte oder als Angestellte arbeiten. Dies spreche auch junge Ärzte an, aber auch ältere Kollegen, die nicht weiter in ihrer Praxis in vollem Umfang arbeiten möchten, erklärte Brenneis. Die Ärzte in der Südwestpfalz haben sich auf den Weg gemacht, um die flächendeckende ärztliche Versorgung in der Südwestpfalz weiterzuentwickeln.

„Vor 20 Jahren war die medizinische Landschaft durch Gräben geprägt“, erinnerte sich der Urologe. Diese Gräben hätten sich zwischen Hausärzten oder inzwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern aufgetan. Mittlerweile habe man gelernt miteinander zu reden. Axel Motzenbäcker, der im Auftrag der Städte Pirmasens und Zweibrücken und des Landkreises Südwestpfalz und in Zusammenarbeit mit Ärzten aus der Region nach einer Lösung sucht, den drohenden Ärztemangel in der Region abzuwenden, wies darauf hin, dass in den kommenden Jahren in Pirmasens über 70 Prozent der Arztpraxen neu zu besetzen sind, im Landkreis Südwestpfalz über 50 Prozent und in Zweibrücken 40 Prozent der Arztpraxen.

„Junge Kollegen scheuen bei der Übernahme einer Arztpraxis das wirtschaftliche Risiko, die zeitliche Belastung oder die zunehmende Bürokratie. Es muss unser Ziel sein, junge Ärzte in die Region zu bekommen und vorhandene Ärzte möglichst lange in der Versorgung zu halten“, unterstrich Motzenbäcker. Seit im August 2018 der Prozess angestoßen wurde, in der Südwestpfalz die ärztliche Versorgung sicherzustellen, habe er bereits mit 35 Ärzten Gespräche geführt, sagte Mozenbäcker.

„Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Form einer Genossenschaft kann von niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern, gemeinsamen Trägern oder Kommunen gegründet werden“, betonte Rechtsanwalt Marin Saetgens. Landrätin Dr. Susanne Ganser begrüßte das beabsichtigte Genossenschaftsmodell, weil es, was die ärztliche Versorgung angehe, schon teilweise „fünf nach zwölf“ sei. Sie warnte jedoch davor, jemandem etwas überstülpen zu wollen. Die Freiwilligkeit müsse gewährleistet bleiben. rb

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