Zukunft für die Primstalbahn?

Eine Reaktivierung der Strecke für den Personenzugverkehr erscheint möglich

DILLINGEN / NALBACH / SCHMELZ In absehbarer Zukunft könnten wieder Personenzüge auf der Bahnstrecke zwischen Dillingen und Limbach fahren. Vom Wirtschaftsministerium beauftragte Gutachter lieferten Fakten, die der Primstalbahn Potenziale für die Reaktivierung des Personenzugverkehrs bescheinigen.

Eine planmäßige Personenbeförderung gab es auf der Strecke bis 1980. Seither fahren auf der Primsstrecke nur noch drei bis vier Güterzüge pro Woche. Sie versorgen die Limbacher Firma Gebrüder Meiser mit Rohmaterial für die Herstellung von Gitterrosten und Leitplanken. Weil sich der bauliche Zustand der Eisenbahntrasse in den letzten Jahren zunehmend verschlechterte, dürfen Güterzüge auf der Primstalbahn aus Sicherheitsgründen nur noch mit bis zu 20 Kilometer pro Stunde fahren.

„Die Strecke ist marode und muss dringend erneuert werden“, teilte Hubert Kus mit. Er ist Geschäftsführer der St. Ingberter Firma RST, die als Infrastrukturbetreiber für die Firma Meiser tätig ist. Kus schätzt, dass in den nächsten fünf Jahren etwa 700000 Euro erforderlich sind, um die Primsstrecke betriebsfähig zu halten. Werde nicht saniert, müsse die Bahnlinie bald geschlossen werden.

Die Kosten für eine dauerhafte Sanierung werden auf etwa 9 Mio. Euro geschätzt. Formell zuständig für die Unterhaltung der Strecke ist die Firma Meiser. Das Unternehmen hatte die Eisenbahnstrecke zwischen Dillingen und Limbach 2005 von der DB gepachtet und sich verpflichtet, auch für die Unterhaltung zu sorgen.

„Wir haben uns erst 2012 mit über einer Million Euro an der Sanierung von sieben Bahnübergängen auf der Strecke beteiligt“, bestätigte Ulrich Meiser, Geschäftsführer und Mitinhaber der Firma. Meiser setzt weiterhin auf den Bahnverkehr, erhofft sich aber finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite für die Sanierung der Eisenbahnstrecke.

Mit der in diesem Jahr geplanten Verabschiedung des Verkehrsentwicklungsplans für den öffentlichen Nahverkehr könnten die Erwartungen des Limbacher Unternehmens vielleicht doch noch Realität werden.

Kenner der saarländischen Eisenbahnszene sind sicher, dass die Primstalbahn auf Dauer nur mittels Güter- und Personenverkehr rentabel zu betreiben ist. Dies sieht auch Dr. Werner Ried, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD) im Saarland, so. „Es wäre fatal, wenn pro Jahr 150000 Tonnen Fracht von der Schiene auf die ohnehin überlasteten Straßen im Raum Schmelz-Dillingen verlagert werden müssten“, sagt Ried.

Auch die Mitglieder des Schmelzer und Nalbacher Gemeinderates haben sich 2019 in Resolutionen für den Erhalt der Bahnstrecke entlang der Prims ausgesprochen.

Erhard Pitzius, Vorsitzender der Plattform Mobilität SaarLorLux, fordert nicht nur den Erhalt der Strecke und die Reaktivierung zur Nutzung für Personenzüge. Er schlägt zusätzlich vor, eine durchgehende Bahnverbindung von Dillingen über Körprich nach Lebach zu schaffen.

„Damit könnte die Primstalstrecke in ein Regional- und Stadtbahnsystem integriert werden“, glaubt Pitzius. Nach den Vorstellungen des VCD Saar wäre auch eine Zugverbindung sinnvoll von Schmelz über Dillingen, Niedaltdorf und Bouzonville nach Luxemburg.

Den Erhalt und die Internationalisierung der Niedtalbahn fordern auf saarländischer Seite auch die Kommunen Dillingen und Rehlingen-Siersburg sowie die CDU-Landtagsfraktion.

Die SPD plant, das Thema „Zukunft der Prims- und Niedtalbahn“ in den Kreistag einzubringen.

Laut Info des Wirtschaftsministeriums bekommt das Saarland bis 2031 insgesamt 62 Euro Millionen Euro mehr vom Bund für Projekte zur Verbesserung des Nahverkehrs. Dies reiche jedoch nicht, um alle sinnvollen Vorschläge zu realisieren, die im Verkehrsentwicklungsplan aufgenommen werden sollen. rgi

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