„Zentrum der Hoffnung“

Auf Deutschland-Besuch, um Spenden für afrikanisches Projekt zu sammeln

HABKIRCHEN „Es war mein Traum nach Afrika zu gehen und den konnte ich mir erfüllen“, freut sich der gebürtige Habkircher Marco Fries, der vor acht Jahren mit seiner Fahrt nach Kenia nicht nur diesen Herzenswunsch erfüllte sondern auch noch sein Liebesglück gefunden hat.

2015 heiratete er seine Frau Joy, mit der er derzeit auf Deutschland-Aufenthalt ist, um für das gemeinsame Projekt zu werben, den Spenderkreis zu erweitern, damit im Juli des nächsten Jahres mit dem Bau eines Waisenhauses in der Nähe von Nairobi begonnen werden kann. Bei seinem ersten zweiwöchigen Aufenthalt, damals innerhalb eines Projektes der „Feed the hungry-Stiftung“, konnte er auch beim Verteilen von Essen feststellen, dass neben der Not der Menschen vor allem die von jungen Menschen angenommene Perspektivlosigkeit ein großes Problem darstellt.

Marco, der 2004 mit seinem Studium Soziale Arbeit in Mainz begonnen hatte, 2010 ein Theologie-Studium folgen ließ und danach in einem Altenheim in Ingelheim arbeitete, wollte dagegen was tun. „Mir ist es wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass sie sich nicht als Opfer der Umstände sehen dürfen, sondern, zu ermöglichen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, selbst Perspektiven zu erkennen“.

In seiner Frau fand er eine Mitstreiterin, zumal deren Vater, ein kenianischer Bischof, selbst viele Buschgemeinden aufgebaut und betreut hat und so die Nöte der Menschen kennt. Er war es auch gewesen, der den jungen Deutschen von der deutsch-französischen Grenze in entlegene Winkel Nordkenias mitgenommen und ihm die Situation der Menschen vor Augen geführt hatte. Nachdem klar war, dass der Lebensmittelpunkt jetzt bei den Menschen in Kenia ist, forcierte Fries in Deutschland die Gründung eines Vereins, mit dessen Hilfe die Arbeit strukturiert werden konnte: Tumaini Minstries. Der suahelische Name ins Deutsche übersetzt heißt so viel wie Hoffnung.

So wurden Beide vor zwei Jahren als Vereins-Angestellte ausgesendet und wohnen seither in Kenia. „Da es im afrikanischen Staat keine Berufsinformationszentren gibt wie bei uns, habe ich dort angesetzt“, so Fries. Seit letztem Jahr unterrichten Marco und Joy Fries sowie weitere Helfer einer lokalen Organisation vor Ort in einer speziellen Schule in Nairobi, die genau von Januar bis Oktober geht, die High-School-Absolventen. „Das ist der Zeitraum zwischen dem Ende der High School und dem Beginn eines ersten Semesters“, erläutert Fries.

Im Unterricht geht es vor allem darum, dass die Schüler ihre Stärken, Gaben und Talente herausfinden und gemeinsam eine Zukunftsperspektive für jeden Einzelnen entwickelt wird. Im ersten Durchgang fanden sich zehn Schulabgänger. Sie drückten pro Woche drei Tage die Schulbank, um an drei weiteren Tagen selbst in Schulen ihr Erlerntes weiter zu geben. Die Pionierarbeit lohnte sich. Alle fanden einen Studienplatz, der ihren Veranlagungen entspricht.

Der Erfolg wiederholte sich in vollem Umfang auch dieses Jahr wieder. Geplant ist, das Projekt weiter zu institutionalisieren und auf ein breiteres Fundament zu stellen. Deshalb hat sich der Verein um ein Grundstück bemüht, wurde fündig, ein Vorvertrag wurde geschlossen und ist derzeit auf der Suche nach weiteren Spendengeldern. Finanziert werden muss bis Ende des Jahres ein 12000 Quadratmeter großes Areal, das rund 53000 Euro kostet.

Neben dem Waisenhaus, in dem mit Hilfe von Paten und fest angestellten Eltern für familienähnliche Verhältnisse geschaffen werden sollen, ist vorgesehen im zweiten Step eine Schule zu bauen, in der in acht Klassenstufen im Endstadium rund 480 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Die dritte Einrichtung soll ein Berufsbildungszentrum sein. Fries sieht vor allem in den Handwerksberufen wie Elektriker, Bäcker oder auch Berufe in der Baubranche als wichtige Eckpfeiler wie auch Solartechniker. Mit seiner Frau, die eine IT-Ausbildung abgeschlossen hat, ist er derzeit in vielen Gemeinden unterwegs, um das Vorhaben vorzustellen, Spenden für ihr „Zentrum der Hoffnung“ einzuwerben. Dass sich in Hamburg eine Architektengemeinschaft bereit erklärt hat, innerhalb des Vereins „Architekten über Grenzen“ kostenlos die entsprechenden Baupläne zu erstellen, ist für die Realisierung ein Quantensprung.

Auch hofft das Paar auf weitere Hilfe aus seinem Heimatland, beispielsweise von der Industrie- und Handelskammer. Nachdem die Beiden Anfang Dezember wieder zurück nach Kenia fliegen, kehren sie im nächsten Frühjahr nochmals zurück, vielleicht schon mit der Baugenehmigung in der Tasche.

Spendenkonto: Wer den gemeinnützigen Verein „Tumaini Ministries“ unterstützen möchte, kann einen Betrag auf das Spendenkonto überweisen: IBAN DE48 5519 0000 0903 4260, BIC MVBMDE55. Infos auch online: www.tumainiministries.com.red./ott

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de