Wohin mit dem geliehenen E-Scooter?

Die Spaß-Roller werden oft „wild“ abgestellt oder gar in der Natur entsorgt

SAARBRÜCKEN Kaum hat der E-Scooter-Verleih Ende Juni in Saarbrücken begonnen, gibt es schon die ersten Probleme. Es häufen sich die Beschwerden über „wild” abgestellte E-Scooter, was oft mit einer Verkehrsbehinderung einhergeht. Beispiele für denkbar ungünstig geparkte Elektroroller findet man zuhauf: auf Gehwegen, in Bereichen von Ein- und Ausfahrten, auf Behindertenparkplätzen, in Wartehäuschen von Bushaltestellen, vor Ladeneingangstüren oder sogar mitten auf Waldwegen, wie das Foto zeigt. Im schlimmsten Fall wird der E-Scooter nach Gebrauch achtlos in ein Gewässer oder einfach ins Gebüsch geworfen – nach dem Motto: „Man hat ja auch für die Nutzung nicht viel bezahlt.”

Zwar hat die Stadtverwaltung in einer Rahmenvereinbarung mit dem Betreiber „TIER Mobility” versucht, in Bezug auf mehr Sicherheit für Fußgänger Klarheit zu schaffen und deshalb das Befahren von Gehwegen sowie Fußgängerzonen untersagt, woran sich aber nur die wenigsten halten. Deshalb wurde sogar eine Sperrzeit zwischen null und sechs Uhr in der City ausgesprochen. Während dieser Zeit dürfen diese Gadgets in einem ebenfalls erklärten Sperrgebiet in der Innenstadt zwischen Hauptbahnhof und Bleichstraße nicht herumstehen.

Aber damit ist noch lange nicht das Problem des Abstellens nach Benutzung außerhalb des Stadtkerns gelöst. Der Betreiber wirbt schließlich damit, dass E-Scooter mit Hilfe einer speziellen App überall zu finden seien, ohne aber gleichzeitig geeignete Abstellorte vorzuschlagen. Beim CarSharing gibt es schließlich auch feste Stationen für die Rückgabe des Mietwagens nach einer Fahrt.

Anscheinend machen sich manche Rollerfahrer einen Spaß daraus, den Scooter nur mal für ein paar Minuten für wenig Geld (15 Cent pro Minute) auszuprobieren und ihn dann bewusst an einer ungünstigen Stelle zum Ärgernis anderer oder sogar als Verkehrshindernis zu „parken”. Es ist aber auch denkbar, dass der E-Scooter, nachdem er – auch bei leerem Akku – ordnungsgemäß vom Mieter abgestellt worden ist, von einem Dritten weggetragen werden könnte und dadurch eine Beeinträchtigung verursacht würde. Da nutzt es auch nichts, bei der Polizei die Nummer des Versicherungskennzeichens anzugeben, weil der Verursacher ja doch nicht ermittelt werden kann.

Langfristig geht ein „wild” abgestellter E-Scooter, falls er nicht mehr gefunden wird, zu Lasten der Umwelt, wenn z. B. ein korrodierender Akku mit seinen Schadstoffen Boden und Wasser verseucht. Das Verleihsystem ist offensichtlich noch nicht ausgereift, denn die Vermieterfirma kann nicht genau wissen, wer das Gefährt als letzter bewegt hat und somit kann sie den letzten Mieter als tatsächlichen Nutzer gar nicht zur Rechenschaft ziehen.

Leider fehlt es bei einigen Kunden an Wertschätzung für diese Art von Fahrzeugen, wie der nicht gerade pflegliche Umgang zeigt. Letztendlich kommt es „TIER Mobility” auf Dauer teuer zu stehen, wenn die Zahl der Totalverluste zunehmen sollte. Interessanterweise ist dieses Phänomen beim E-Bike-Verleih in diesem Maße nicht zu beobachten. Vielleicht sorgen dort höhere Mietgebühren für mehr Verantwortungsbewusstsein oder das Fahrrad an sich wird als Verkehrsmittel wohl doch noch ernster genommen und weitaus mehr wertgeschätzt als ein erst kürzlich in Mode gekommener Spaß-Roller. oj

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