Wo die St. Ingberter Bergleute wohnten

VFG und Hans-Werner Krick laden wieder zu einem besonderen Spaziergang ein

ST. INGBERT Unter dem Titel „Wo die St. Ingberter Bergleute wohnten“ lädt Hans-Werner Krick am Samstag, 17. August, wieder zu einem etwa zweieinhalbstündigen kostenlosen Themenspaziergang ein. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Kaufland (Pfandannahme), Grubenweg 7.

Die leichten Wege sind auch für Rollis und Rollatoren geeignet. Es handelt sich um eine Veranstaltung des VFG-Verein zur Förderung der Geschichtsarbeit im Saar-Lor-Lux Raum e.V.. Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es bei Hans-Werner Krick,

Tel. (0160) 91559174, E-Mail hans-werner-krick@t-online.de

Das Saarländische Prämienhaus, die Bergmanns-Kolonien und Schlafhäuser gehören zu den überregional bekannten Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten des Saarlandes. Die Mustersiedlungen wie etwa Maybach, Von der Heydt oder aus französischer Zeit der Madenfelderhof beim ehemaligen Bergwerk Reden haben das Bild vom „Saarländischen Bergmannshaus“ weitgehend geprägt.

Doch das alles sind Beispiele aus dem (ehemals) preußischen Teil des Saar-Revieres. Weit weniger bekannt ist, dass es auch im Bayerischen Staatsbergbau Entsprechungen gab.

Bergmannshäuser auch im bayrischen Saar-Revier

So ist es auch für viele St. Ingberter sicherlich überraschend zu erfahren, dass diese Stadt über einen großen Bestand an „Bergmannshäusern“ und „Siedlungszeilen“ verfügt, die die gesamte Ära des Steinkohlenbergbaus repräsentieren. Wer die industrielle Vergangenheit St. Ingberts kennt, weiß, dass hier die modernste und lukrativste Steinkohlengrube des Königreichs Bayern betrieben wurde, deren Wert auch die französische Grubenverwaltung Mines Domaniales noch zu schätzen wusste. Sie modernisierte und erneuerte die Anlage in den 1920er Jahren grundlegend und fügte dem Bausbestand auch eine ganze Reihe von Wohnhäusern hinzu. Ab diesem Zeitpunkt gab es ein einheitliches Saarrevier. Die Grenzen zwischen Preußen und Bayern waren Vergangenheit und auch hinsichtlich der „Arbeiterwohlfahrt“ gab es nun bis in die Gegenwart eine einheitliche Vorgehensweise.

Ganz anders im 19. Jahrhundert. Die Preußen initiierten ein vorbildliches Wohnungsbauprogramm für Mitarbeiter, basierend auf einer Denkschrift des ersten Bergamtsleiters im Saarrevier, Leopold von Sello. Bei den Stichworten Prämienhaus und Grubenkolonien tauchen vor dem geistigen Auge sofort entsprechende Bilder auf.

Dass es im Bayerischen Saarrevier eine ähnliche Entwicklung gab, wird meist übersehen. Der Bestand an Wohnungen ist allerdings deutlich geringer, das Programm hatte eine etwas andere Zielsetzung und ist bis heute von der Forschung kaum aufgearbeitet und entsprechend unbekannt. In St. Ingbert finden sich auf engstem Raum aus allen Phasen des Staatsbergbaus Beispiele für diese Facette der Sozialpolitik. Den Anfang machte das (inzwischen abgerissene) Beamtenhaus in St. Ingbert Grube, heute Schnappach, gefolgt von den sogenannten „Steigerhäusern“ in der Rischbachstraße. Die Mines Domaniales haben ihre Spuren in der Karl- und Marienstraße ebenso hinterlassen wie auf der Oberen und der Unteren Anlage. Unmittelbar im Stadtbild vertreten sind Häuser aus der Phase Regie des Mines und der Saarbergwerke. Deren Mitarbeiter organisierten sich noch bis in die 1960er Jahren, als die St. Ingberter Grube schon längst geschlossen war, als Bergmanns-Bauvereine und errichteten mit Hilfe des Arbeitgebers zahlreiche Wohnungen, teilweise auf ehemaligem Grubengelände. Sie prägen noch heute das Stadtbild, wenngleich sie kaum als „Grubensiedlung“ bekannt sind oder erkannt werden.

Dieser Spaziergang mit Hans-Werner Krick macht auf einen bislang kaum wahrgenommen Aspekt des bergbaulichen Erbes in St. Ingbert aufmerksam und führt Sie zu den interessanten „Bergmanns-häusern“ in der Stadt, die sich (fast) alle im unmittelbaren Umfeld der ehemaligen Bergwerksanlage befinden.

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de