Wilde Mopedfahrten, nächtliche Streifzüge

„Landrauschen“ in den Lichtspielen Wadern – der etwas andere Heimatfilm

WADERN Die Filmfreunde der Lichtspiele Wadern zeigen am Freitag, 17. August, und am Samstag, 18. August, den etwas anderen Heimatfilm „Landrauschen“. Nach Jahren des wilden Lebens, mit Ende 20, zwei Hochschulabschlüssen, aber ohne Geld und erfüllendem Job, befindet sich Toni in einer Sinnkrise. Eine Erbschaftsangelegenheit dient als willkommener Grund, ihr kosmopolitisches Leben zu verlassen und wieder in ihr Heimatdorf zu fliehen, dessen Enge sie ursprünglich hinter sich lassen wollte. Doch dieser Neuanfang geht gründlich schief. Als Praktikantin für den Heimatteil einer Lokalzeitung fühlt sie sich weit unter Wert verkauft und zu Hause nehmen ihr die übergriffigen Eltern jede Luft zu atmen.

Zwei Frauen und ein Dorf auf der Suche nach Identität

Zum Glück trifft Toni auf die lebenslustige Rosa. Mit ihr sieht die Welt der Heimat auf einmal anders aus. Bei wilden Mopedfahrten und nächtlichen Streifzügen fühlt sich Toni wieder lebendig. Doch die Beziehung wird immer explosiver, je mehr Rosa sich zu der schönen Toni hingezogen fühlt, die sich nur um sich selbst zu drehen scheint. Der Film umreißt die Identitätsfindung zweier Frauen in einem Dorf, das sich selbst mit einer immer komplexer werdenden Welt konfrontiert sieht.

Mit „Landrauschen“ widmet sich Regisseurin Lisa Miller wieder ihrer Heimatregion Bayerisch-Schwaben. Ein Gebiet, das stolz ist auf seine Traditionen und seinen Dialekt, aber auch ein Grenzgebiet mit einem teils schizophrenen Charakter. Auf der einen Seite grenzt man sich rigoros von Baden-Württemberg ab und ist stolz darauf in Bayern zu sein. Zum anderen betrachtet man sich klar als Schwaben mit schwäbischem Dialekt und Spätzle als Nationalgericht. Es mischen sich traditionelle Volksmusik, Tracht und Trinkkultur à la Oktoberfest mit schwäbischer „Schaffa, schaffa, Häusla baua“-Mentalität. Dennoch wird man weder von bayerischer noch württembergischer Seite als dazugehörig akzeptiert.

Dieses einzigartige Lokalkolorit fängt „Landrauschen“ authentisch und mit Liebe zum Detail ein. Lisa Miller schafft den Spagat zwischen Heimat- und Arthouse-Film. „Landrauschen“ zeigt menschliche Urtypen, wie man sie nur im ländlichen Raum findet, und zeichnet so das Porträt eines deutschen Mikrokosmos.

Lisa Miller wurde in diesem Jahr beim Max Ophüls Preis für „Landrauschen“ gleich in drei Kategorien ausgezeichnet: Bester Film, Bestes Drehbuch und Preis der ökumenischen Jury.

Weitere Infos gibt es online unter www.lichtspiele-wadern.de.red./ti

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de