Wichtige Säule der Kulturarbeit

Herzog-Christian-Musikschule feiert ihr 40-jähriges Bestehen

ZWEIBRÜCKEN Musik ist weit mehr als Kultur. Kinder und Jugendliche, die ein Instrument erlernen und regelmäßig musizieren, entwickeln wertvolle Kompetenzen für ihr Persönlichkeitswachstum und ihre Sozialisation. Höhepunkte im Laufe der 40 Jahre Musikschule Zweibrücken waren zahlreiche Festkonzerte, etwa zur 650-Jahr-Feier der Stadt 2002, Opern- oder Musicalaufführungen. In diesem Jahr präsentiert sich die Herzog-Christian Musikschule zum Familientag im Rahmen der Zweibrücker Rosentage am Sonntag, 23. Juni.

„Die Städtische Musikschule erfüllt einen kulturellen Bildungsauftrag und leistet so einen zentralen Beitrag zur Aufgabe der Jugend- und Bildungsarbeit. Sie ist ein kulturelles Zentrum der Stadt“, betont Walter Theisohn, der die Herzog-Christian Musikschule Zweibrücken seit 2002 leitet.

Nachwuchs wird geschult

Hier wird nicht nur der Nachwuchs für zahlreiche Musikvereine, unter anderem die Stadtkapelle, ausgebildet. „Die Musikschule hat sich in der Zeit ihres Bestehens zu einer wichtigen Säule der Kulturarbeit entwickelt“, würdigt auch Kulturamtsleiter Thilo Huble, dass dort der personelle Nachwuchs für die Klangkörper, die Orchester und Ensembles der Stadt Zweibrücken ausgebildet wird. Zahlreiche Preise bei regionalen wie nationalen musikalischen Wettbewerben zeugten von der „hervorragenden Arbeit, die hier geleistet wird“.

Unter anderen wurden international erfolgreiche Berufsmusiker wie die koreanische Pianistin Miao Huang oder die aus Contwig stammende Blockflötistin Tatajana Hornuff hier ausgebildet. Wissenschaftliche Studien beweisen: Die intensive Beschäftigung mit Musik fördert die Intelligenz, das Selbstwertgefühl sowie das Sozialverhalten von Kindern. Sie erwerben Schlüsselqualifikationen wie Flexibilität, Sozialkompetenz, Kreativität, Zuverlässigkeit und Ausdauer. Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft werden insbesondere in den vielfältigen Ensembles gefördert, sogar Aggressionen abgebaut.

1979 gegründet

Das war bereits 1979 bekannt, als die Stadt Zweibrücken auf Drängen zahlreicher Eltern eine Städtische Musikschule gründete. Von den 175 angemeldeten Kindern konnten auf Grund der Lehrerkapazität 135 der jüngeren Jahrgänge in zwölf Kursen „Musikalische Früherziehung“ zunächst dezentral über das Stadtgebiet verteilt unterrichtet werden.

Ein Jahr später, 1980, begann im Hilgardhaus unter Leitung von Roland Treiber der erste Instrumentalunterricht für rund 150 Kinder. Von Anfang an standen verschiedene Leihinstrumente zur Verfügung, um ein Instrument zunächst ausprobieren zu können oder sozial schwächeren Kindern das Erlernen zu ermöglichen. Stellvertreter war der Musikerzieher Rudi Diehl, der 1991 nach dem Ausscheiden Roland Treibers die Leitung übernahm. Insgesamt 22 Jahre lang engagierte er sich im Dienste der städtischen musikalischen Ausbildung.

1993 übersiedelte die Musikschule, die im Laufe ihres 40-jährigen Bestehens zweimal umziehen musste, von der Stadtmitte in das Gebäude der ehemaligen landwirtschaftlichen Beratungsstelle in der Bubenhauser Jacobystraße. Seit dem Sommer 2002 ist sie in der ehemaligen Pestalozzischule in der Grinsardstraße untergebracht. Die Schließung der Ostdeutschen Heimatstube im selben Gebäude bescheren ihr jetzt zusätzlichen Raum.

2004 feierte die Städtische Musikschule, die 2008 in Herzog-Christian-Musikschule umbenannt wurde, 25 Jahre musikalische Aus- und Weiterbildung mit Festkonzerten im Schloss und im Rosengarten. Im selben Jahr wurde der Förderverein gegründet, um die Musikschule auf vielfältigen Ebenen zu unterstützen. Damals wurden knapp 600 Schüler von 24 pädagogisch geschulten Fachkräften in rund 30 Fächern unterrichtet.

Rund 400 Musizierende

Heute besuchen, nachdem die Schülerzahl zwischenzeitlich auf etwas über 300 abgesunken war, wieder mehr als 400 Musizierende die Städtische Musikschule. Dabei unterrichten die 20 Musikpädagogen auch in sechs Grundschulen, leiten die Bläserklasse der Mannlich-Realschule plus sowie die Streicherklasse am Helmholtzgymnasium. Walther Theisohn führt seit einem Jahr das Kammerorchester Zweibrücken. Stellvertreter Jörg Weinmann übernahm vor einigen Jahren die Leitung der Stadtkapelle. Schlagzeuglehrer Stefan Brand bereichert mit seiner Samba-Gruppe die städtischen Veranstaltungen. In den altersübergreifenden Ensembles musizieren von Jugendlichen bis zu Senioren gemeinsam. Musizieren gilt als hilfreiche Prophylaxe vor Demenz. Auch bei der Eingliederung von Menschen mit Migrationshintergrund spielt die Städtische Musikschule eine bedeutende Rolle.

Regelmäßig gestalten Schüler und Lehrer der Herzog-Christian Musikschule städtische Veranstaltungen, etwa bei der Pfingstbegegnung mit Boulogne sur Mer, im Stadtmuseum oder den Büchereien. Erstmals im Jahr 2003 warben neben dem Tag der offenen Tür auch Schnupperwochen für die musikalische Ausbildung. Seitdem präsentierten sich die Musikschüler außerdem jährlich in der Innenstadt, im Rosengarten, seit zwei Jahren auch beim Kindertag.

Sängerinnen gesucht

Geschult werden neben der Vielfalt der gängigen Blas-, Saiten- und Tasteninstrumente auch Außergwöhnliches wie Harfe, Dudelsack oder Euphonium (Riesentuba). Nicht nur der Förderverein würde sich über Zuwachs freuen. Der Frauenchor „In Tune“ unter Leitung von Musikschul-Urgestein Ulla Ecker sucht neue Sängerinnen, nachdem im vergangenen Jahr zahlreiche Abiturientinnen die Stadt verließen.cvw

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