Wer drin ist, will raus

Langzeitarbeitslose werden vom Land und vom Kreis unterstützt

HOMBURG „Wer reinkommt, ist drin“, hieß 1986 die erste Folge der Fernseh-Serie „Kir Royal“, die das Bemühen von Reichen karikierte, die um jeden Preis zur Schickeria gehören und medienmäßig berücksichtigt werden wollten. Am anderen Ende der Fahnenstange gilt indes: „Wer drin ist, will raus.“

Gemeint sind Menschen, die seit Jahren arbeitslos sind und ein selbstbestimmtes Leben auf der Grundlage eigener Arbeit anstreben. Aktuell greift das sogenannte Teilhabechancengesetz auf das die saarländische Landesregierung ihr Förderprogramm ASaar aufgesetzt hat. Davon profitieren derzeit fünf Menschen, die im Rahmen eines Projektes der AQuis GmbH bei der Homburger Tafel arbeiten. Wirtschafts- und Arbeitsministerin Anke Rehlinger und Landrat Dr. Theophil Gallo besuchten die von 120 Ehrenamtlichen am Laufen gehaltene Einrichtung im Stadtteil Erbach, die gut erhaltene Lebensmittel, welche von Händlern für die Entsorgung vorgesehen sind, an bedürftige Menschen umverteilt.

Eine Arbeit, die längst nicht mehr nur übers Ehrenamt zu leisten ist, wie Vorsitzender Roland Best und Vorstandsmitglied Anita Graf-Fischbach erläuterten. Deshalb freut man sich beim Verein der Homburger Tafel sehr darüber, dass die kreiseigene Beschäftigungsgesellschaft AQuis mit im Boot ist und das Land die Personalisierung finanzieren hilft.

Kooperation mit AQuis

Beeindruckend war für die beiden Besucher die Erfahrung, dass bei der Tafel Menschen ohne Arbeit unterstützt werden und gleichzeitig langzeitarbeitslose Menschen dort nun Arbeit gefunden haben, um allmählich mit weiteren flankierenden Maßnahmen des jobcenters den Weg in ein eigenständiges Leben und hinein in die Gesellschaft zu finden. Feste Jobs, auch im fortgeschrittenen Alter ist der sehnlichste Wunsch jener Fünf, die für die Tafel eine wertvolle Hilfe darstellen. Insofern waren sich Rehlinger und Gallo einig darin, dass die Unternehmen sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein müssen, und nicht dem ewigen Jugendwahn das Wort reden. Auch Erfahrungen älterer Menschen kämen Betrieben zugute, so dass auch sie – oft nach langer Arbeitslosigkeit – in Arbeit gebracht werden müssten. Gallo lenkte beim Besuch der Tafel den Blick noch auf einen anderen Aspekt. Viele Dinge im sozialen und gesellschaftlichen Bereich werden von Ehrenamtlichen übernommen, oft bis weit über die Belastungsgrenze hinaus, wie etwa bei den Ausgabestellen der Tafeln in Homburg und St. Ingbert.

Hier wäre es besonders sinnvoll, zur Unterstützung bezahlte Kräfte einzusetzen, um die ehrenamtlichen Helfer spürbar zu entlasten. Projekte, wie die der AQuis, hätten damit gleich mehrere Vorteile. Mit Blick darauf, dass die Tafel bis zu 200 Haushalte mit Lebensmitteln versorgt, die zuerst eingesammelt, transportiert, sortiert, gekühlt und dann ausgeteilt werden, machten Best und Graf-Fischbach eindrucksvoll deutlich, wie schnell man da im Ehrenamt an seine Grenzen komme, nicht nur persönlich, auch finanziell. Denn pro Monat fallen bei der Tafel Kosten von 5000 Euro an, die über Spenden und Pauschalen der Nutzer eingeworben werden müssen. Eine Leistung, die andernfalls behördlich geleistet werden müsste. Insofern ist die seit acht Jahren bestehende Kooperation mit der AQqusi für die Tafel inzwischen unverzichtbar. rk

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