Was tun nach einem Anschlag?

Marienhaus Klinikum Saarlouis-Dillingen erhält Rezertifizierung als Traumazentrum

SAARLOUIS Für rund 8000 Schwerstverletzte pro Jahr in Deutschland ist die erste Stunde nach einem Unfall entscheidend, ob und wie ihr Leben weitergeht. Ein Klinik-Netzwerk, in dem das Marienhaus Klinikum in Saarlouis seit 2008 mitwirkt, optimiert diese Überlebenschancen der Patienten.

Unter der Leitung von Dr. Michael Weber, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie übernimmt es darin die Funktion eines Regionalen Traumazentrums und wurde hierfür erneut zertifiziert.

Um als regionales Traumazentrum anerkannt zu werden, sind besondere Strukturen und optimierte Abläufe für die Versorgung schwerverletzter Patienten, so genannter Trauma-Patienten, nach der Einlieferung ins Krankenhaus notwendig. Dabei spielt der zeitliche Ablauf eine wesentliche Rolle, denn für Schwerverletzte zählt die erste Stunde nach einem Unfall.

Daher muss ein Regionales Traumazentrum neben der Möglichkeit einer 24-stündigen Aufnahme und Versorgung von Trauma-Patienten jeden Lebensalters, eine dem Versorgungsniveau angepasste diagnostische und therapeutisch-operative Ausstattung gewährleisten. Das bedeutet, dass regelmäßig Investitionen getätigt werden müssen, um den medizinisch-technischen Standard zu halten und zu erhöhen.

Erweiterte Dienstpläne, regelmäßige Schulungen und interdisziplinäre Besprechungen sind etabliert und werden ständig aktualisiert, um alle Mitarbeiter, die in diesen Prozess eingebunden sind, bestmöglich auf die Anforderungen vorzubereiten.

Dieses Team besteht aus Mitarbeiter der Unfallchirurgie, der Anästhesie, der Ambulanz-, der Anästhesie- und Intensiv-Pflege, der Röntgenabteilung, des Labors und der Telefonzentrale.

Was bedeutet dies nun für den Alltag? Dank eines festgelegten Ablaufes von der Ankündigung, der Einlieferung und der Behandlung eines Patienten im Schockraum (so heißt der Raum, in dem der Patient zunächst untersucht wird) werden alle personellen und technischen Ressourcen in einem solchen Notfall zur Verfügung gestellt.

Damit dies geordnet abläuft, wurde ein Schockraum-Management entwickelt, das von der DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) zertifiziert wurde.

Als Regionales Traumazentrum kann das Marienhaus Klinikum von Lokalen Traumazentren Patienten übernehmen. Des Weiteren kooperiert das Krankenhaus mit der Neurochirurgischen Uniklinik Homburg.

„Das hat den Vorteil, dass Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen per Internet nach Homburg geschickt werden können (Teleradiologie), damit dort sofort entschieden wird, ob der Patient in Saarlouis oder in Homburg weiter behandelt wird“ so Dr. Weber.

Verpflichtend für ein Regionales Traumazentrum ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung zur Sicherung und Verbesserung der Versorgungsqualität.

„In diesem Zusammenhang ist die Teilnahme an der sogenannten Task-Force-Terror-AG erwähnenswert, an der drei Unfallchirurgen aus unserer Klinik mit als erste teilgenommen haben“, weiß Weber weiter.

„In diesem Format werden das Management im Terrorfall und Versorgungs-Strategien im OP vermittelt. Dank dieser Schulung konnte unser Klinikum als eines von vier saarländischen Krankenhäusern an der von Innen- und Gesundheitsministerium initiierten Großübung (es wurde ein Terroranschlag an einer saarländischen Schule simuliert) teilnehmen.“

red./am

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